Zum Schluss hatten noch einmal die Angeklagten das Wort. Paolo Falzone, der Fahrer des todbringenden Autos, und sein Bruder Antonino, der damals auf dem Beifahrersitz saß. "Ich möchte sagen, dass ich mir darüber bewusst bin, dass ich wie ein Verrückter gefahren bin, ohne Verantwortungsgefühl, und dass ich niemals jemanden töten wollte", sagte Paolo. Er habe Schwierigkeiten, Worte zu finden. "Ich bitte die Opfer um Entschuldigung."
"Ich hoffe, dass dieser Prozess den Opfern dabei hilft, das Drama zu überwinden. Ich lege mein Schicksal in die Hände der Geschworenen", sagte Bruder Antonino.
Kurz waren diese Aussagen. Und für die Kläger in diesem Geschworenenprozess klangen die Worte wenig glaubwürdig.
"Das alles hat er schon zu Beginn des Prozesses gesagt, dass er nichts mit Absicht gemacht hat", sagte einer der Kläger der RTBF. "Wir glauben ihm nicht. Er hätte heute sagen können, was er will", fügte er hinzu.
Wenig anders das, was Nicolas D’Andrea sagt, dessen Bruder bei der Todesfahrt getötet worden war. "Herr Falzone hat zu keinem Zeitpunkt sein aufrichtiges Bedauern ausgedrückt. Wir wussten, dass er heute seinen letzten Trumpf ausspielen würde. Das hat er getan. Für mich hat da aber nichts von dem mitgeklungen, was in den vergangenen Wochen alles gesagt wurde. Jetzt heißt es warten und schauen, wie es weitergeht."
Ein Raser, der seine Schuld eingesteht, aber vorgibt, nicht vorsätzlich Menschen habe töten wollen. Die Kläger, die ihm das nicht glauben. So war es tatsächlich schon am Anfang des Prozesses.
Kurz nachdem die beiden Falzones am Mittwoch als letzte in der Gerichtsverhandlung zu Wort gekommen waren, zogen sich die Geschworenen in ein Hotel zurück. Dort sollen sie über das Urteil beraten. "Eine schwierige Aufgabe", wie Anwalt Dimitri de Béco bei der VRT sagt. "Die Geschworenen müssen entscheiden, ob es ein Unfall mit Todesfolgen war - dafür gibt es maximal fünf Jahre Gefängnis - oder ob es sich um Totschlag oder gar Mord handelt. Dann lautet die Höchststrafe 30 Jahre Haft oder lebenslang. Das ist also echt eine schwierige Entscheidung."
Schwierig seien aber auch die vergangenen fünf Wochen gewesen, sagt Kläger-Anwalt de Béco. Es habe viele emotionale Tage gegeben, die aber auch viel gebracht hätten. "Es war wichtig für meine Klienten, für Opfer und Angehörige, dass sie im Rahmen ihrer Trauerarbeit die Gelegenheit bekommen haben, über all das zu sprechen, was sie belastetet, und sich gegenseitig kennen zu lernen."
Eine Entscheidung der Jury soll spätestens Freitag verkündet werden. Das leiten Beobachter des Prozesses von der Tatsache ab, dass in dem Hotel, in dem die Geschworenen sich jetzt beraten, die Zimmer nur für zwei Nächte gebucht sind.
Über das Strafmaß urteilen die Geschworenen dabei nicht. Das soll dann, in Kenntnis des Urteils, im Verlauf der kommenden Woche im Gericht festgelegt werden.
Kay Wagner