Das Föderale Wirtschaftsministerium hat im Rahmen der Operation Cleantrade der europäischen Strafverfolgungsagentur Europol Ermittlungen zum Verkauf gefälschter Fußballtrikots angekündigt. Diese zielt darauf ab, Fälschungen und Produktpiraterie anlässlich großer Sportveranstaltungen, wie aktuell der Fußball-Weltmeisterschaft, zu bekämpfen. Denn: Fußballtrikots zum Spottpreis von 20 oder 30 Euro, "neu mit Etikett", das kann eigentlich nicht sein. Offiziell kosten die Trikots 100 bis 150 Euro.
Interessant dabei ist, dass die Verkäufer solcher Fälschungen kein Geheimnis aus der Fälschung machen. Wie die Zeitung "La Meuse", die Händler kontaktiert hat, schreibt, dass diese völlig offen damit umgehen und zugeben, dass es sich bei ihren Produkten "natürlich nicht um Originale" handele, sondern um "sehr gute Kopien". Damit das Fake-Geschäft sozusagen legal bleibt, werden die Trikots unter Fantasienamen vermarktet – etwa "Belgium", "coupe du monde", "2026" oder "Concept". So werden die Produkte von den Online-Plattformen nicht gesperrt.
Woher kommt die große Menge an Fälschungen?
Branchenvertretern zufolge hat sich die Produktion stark industrialisiert. Statt in kleinen Ateliers wird Bekleidung heute in großen Fabriken gefertigt, häufig in Asien. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass Originale und Plagiate teilweise aus derselben Werkstatt stammen – möglicherweise werden sie in einer "Nachtschicht" speziell für den Schwarzmarkt produziert. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Fälschungen immer besser werden. Inzwischen stimmen teilweise sogar die Produktcodes überein.
Für die Verbraucher ist dadurch wirklich schwierig, Kopie und Original zu unterscheiden. Wer sich die Mühe machen will, der muss auf Details achten: Stoffqualität, Verarbeitung der Nähte, das Wappen des Vereins oder Fußballverbands und den Schnitt.
Mache ich mich als Käufer eines gefälschten T-Shirts strafbar?
Wer beispielsweise ein WM-Trikot für sich privat kauft, der geht rechtlich gesehen kein Risiko ein. Aber: Das Trikot weiterverkaufen - etwa auf Plattformen wie Vinted oder eBay - das ist nicht erlaubt. Das Wirtschaftsministerium wertet das dann als "Inverkehrbringen von Fälschungen". Dann drohen hohe Geldstrafen von mindestens 100.000 Euro und/oder sogar eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.
Großer Schaden für die Bekleidungsbranche
Plagiate verursachen in der Bekleidungsbranche alleine in Belgien jährlich einen Verlust von 275 Millionen Euro. EU-weit wird der entstandene Schaden auf zwölf Milliarden Euro geschätzt. Neben rechtlichen Fragen gibt es auch praktische Risiken beim Kauf eines gefälschten Produkts. Es gibt keine gesicherte Qualitätskontrolle. Dadurch sind Gesundheitsbedenken bei Materialien möglich, und als Käufer von Plagiaten unterstützt man eine illegale Wirtschaft.
sudinfo