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Zurückgekehrte IS-Frauen: Ocam sieht keine Gefahr mehr

09.06.202612:35
  • Irak
  • Syrien
IS-Flaggen wehen über Sharqat im Nordirak (Archivbild: Ahmad-Al-Rubaye/AFP)
IS-Flaggen in Sharqat im Nordirak im September 2017 (Bild: Ahmad-Al-Rubaye/AFP)

Vor fünf Jahren kehrten belgische IS-Frauen mit ihren Kindern aus kurdischen Lagern nach Belgien zurück. Damals löste ihre Rückführung hitzige Debatten aus, weil viele sie als Sicherheitsrisiko sahen. Inzwischen scheinen aber die meisten von ihnen in ein "normales" Leben zurückgefunden zu haben.

"Ich denke, dass viele dieser Frauen ihre Lektion gelernt haben", sagte Gert Vercauteren, der Chef des Anti-Terrorstabs Ocam, in der VRT. Er meint die Frauen, die vor ziemlich genau fünf Jahren für enormen Wirbel gesorgt hatten, als man entschied, sie nach Belgien zurückzuholen. Die VRT zieht jetzt in einem eigens zu diesem Anlass produzierten Podcast eine erste Bilanz dieser Episode.

Es ging damals um 58 Frauen mit ihren Kindern, die jahrelang in kurdischen Gefangenenlagern zugebracht hatten. Die meisten von ihnen waren Mitte der Zehnerjahre nach Syrien gegangen, um sich dort dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Oft waren sie sozusagen "im Schlepptau" ihrer Männer, die fast alle aus dem Dunstkreis der islamistischen Organisation Sharia4Belgium kamen. Die wollten in Syrien oder dem Irak ihren Traum von einem neuen "Kalifat" leben, einem islamisch-fundamentalistischen Staat, der möglichst nah an den Lehren Mohameds ausgerichtet sein sollte.

Dieses vermeintliche Idealbild erwies sich aber im Laufe der Zeit als ein durchaus realer Albtraum. "Wir waren sogar verpflichtet, Hinrichtungen beizuwohnen", sagt eine der Frauen in dem VRT-Podcast. "Wenn zum Beispiel jemand beim Stehlen erwischt, oder der Homosexualität beschuldigt wurde, dann wurden wir alle zusammengerufen. Und dann wurde der Betreffende zum Beispiel von einem Hochhaus geworfen." Dieses makabre Schauspiel sei auch als eine Art Mahnung gedacht gewesen, sagt die Frau. Nach dem Motto: Hier seht ihr, was passiert, wenn ihr nicht gehorcht.

"Diese Frauen haben sehr traumatisierende Dinge erleben müssen", sagte Professor Gerrit Loots von der Freien Universität Brüssel in der VRT. Der Psychologe hat 20 dieser Frauen und auch ihre Kinder jahrelang begleitet. Fast genauso schwer wie die Zeit beim IS und in den kurdischen Gefangenenlagern war dann aber auch die Rückkehr nach Belgien, sagt Professor Loots.

Die Frauen seien zum Beispiel gleich nach ihrer Ankunft ins Gefängnis verfrachtet worden, manche von ihnen mit verbundenen Augen. Und vor allem: Sie wurden von ihren Kindern getrennt. Das war eine Folge der hitzigen Debatte, die es rund um die Rückkehr der Frauen gegeben hatte. "Warum sollte man freiwillig erwiesenermaßen radikalisierte Personen aufnehmen?", so eine damals häufig gehörte Frage.

"Nicht vergessen: Zu diesem Zeitpunkt war die Erinnerung an die Anschläge von Brüssel und Zaventem noch relativ frisch", sagt Gerrit Loots. "Wir wurden wie tickende Zeitbomben betrachtet", bestätigt eine der Frauen im VRT-Podcast.

"Bei einigen von ihnen waren diese Sorgen damals auch durchaus begründet", sagt Ocam-Chef Gert Vercauteren. Das ist denn auch einer der Gründe, warum einige der Frauen ihre Kinder bis heute nur selten sehen dürfen.

Die meisten hätten sich aber bereits vor ihrer Rückkehr vom IS abgewandt, sagt Psychologie-Professor Gerrit Loots. "Der permanente Horror in dem islamistischen Terrorstaat hat viele mit der Zeit umdenken lassen", sagt Loots. "Das Problem war nur, dass es kein Entrinnen gab. Fakt ist in jedem Fall, dass alle Frauen, die nach Belgien zurückgekehrt sind, das auch ausdrücklich wollten. Sie hatten keine Sympathien mehr für den IS, sondern wollten nur noch ein 'normales Leben', vor allem für ihre Kinder".

Wenn er auch steinig war: Die meisten sind diesen Weg zu Ende gegangen. "Keine der Frauen ist seither noch auffällig geworden, etwa durch eine mögliche Nähe zu einer extremistischen Gruppierung", sagt Ocam-Chef Vercauteren. Bei so gut wie allen sind wir denn auch davon überzeugt, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht, und dass sie eigentlich auf dem guten Weg sind."

Roger Pint

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