"Ich bin zutiefst besorgt angesichts des Ausmaßes und der raschen Ausbreitung der Epidemie", sagte WHO-Chef Ghebreyesus in Genf. Er spricht vom Ebola-Ausbruch im Osten Kongos. Neben den bestätigten Erkrankungen gebe es über 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle.
Nach dem Hantavirus nun also Ebola. Und das ist dann doch nochmal eine andere Nummer. Allein der Name löst vielerorts sofort Alarm aus. Wieder trifft es den Osten Kongos. In der Region kommt es immer wieder zu fatalen Ebola-Ausbrüchen.
Diesmal sind Fachleute noch mal besonders besorgt. "Erstens handelt es sich um eine Variante, mit der wir nur wenig Erfahrung haben und für die es auch keinen Impfstoff gibt", sagte in der VRT Dr. Erika Vlieghe, Infektiologin an der Uniklinik Antwerpen. "Zweitens trifft es eine ohnehin schon unruhige Region. Und das dritte Problem ist, dass die Epidemie möglicherweise schon seit Wochen im Gange ist und auch schon auf ein Nachbarland übergegriffen hat, mit Namen Uganda."
Wenn man dann noch weiß, dass sich Ebola rasend schnell verbreiten kann, dann ahnt man, warum die Fachleute so besorgt sind um die Menschen vor Ort. "Ebola ist und bleibt eine aggressive und äußerst gefährliche Krankheit", sagt auch Erika Vlieghe. Sie trifft alte wie junge Menschen und ist durchschnittlich in rund 50 Prozent der Fälle tödlich.
In der Region schrillen denn auch schon alle Alarmglocken. Und auch darüber hinaus: Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union hat sogar den Notstand für den gesamten afrikanischen Kontinent ausgerufen. Sie warnte insbesondere vor einem "hohen Risiko der Ausbreitung". In der betreffenden Region im Grenzgebiet zwischen Kongo, Ruanda und Uganda kommt erschwerend hinzu, dass die Menschen dort sehr mobil sind, dass etwa fahrende Händler von Ort zu Ort reisen, die damit noch die Ausbreitung des Virus beschleunigen können.
Die WHO hat jedenfalls ihren Notfallausschuss zusammengerufen. Unabhängige Fachleute sollen Empfehlungen ausarbeiten, wie mit dem Ausbruch umgegangen werden soll. Doch beobachtet man das Ganze auch in anderen Teilen der Welt mit Sorge. Könnte nicht ein Patient das Virus in eine Großstadt außerhalb Afrikas tragen? Diese bange Frage wurde ja sogar schon in einigen Katastrophenfilmen durchdekliniert.
Im wahren Leben halten Experten diese Gefahr aber für überschaubar. "Das ist ja längst nicht der erste Ebola-Ausbruch in Zentralafrika", sagt Dr. Erika Vlieghe. 2014 gab es sogar eine wirklich große Epidemie, die zwischenzeitlich außer Kontrolle geraten war. Und selbst damals sind nur ganz wenige Patienten in Westeuropa angekommen.
"Das sagt auch einiges über das Virus aus", sagt die Infektiologin. Ebola ist zwar extrem gefährlich, aber nun auch nicht beliebig leicht übertragbar. "Deswegen sollten wir in erster Linie auf Sensibilisierung setzen", ist Vlieghe überzeugt. "Wir müssen Menschen, die nach Zentralafrika reisen oder die von dort zurückkommen, nochmal nachdrücklich auf die Gefahren hinweisen. Und auf der anderen Seite müssen aber auch die zuständigen Stellen sensibilisiert sein. Damit jeder weiß, was im Ernstfall zu tun ist."
"In jedem Fall müssen wir auch schon die Lehren aus dieser Epidemie ziehen", sagt Dr. Erika Vlieghe. Die da lautet: Selbst seltene Krankheiten oder Virusvarianten können zu einem Problem werden. Und für den Ernstfall brauchen wir mehr effiziente antivirale Mittel und Impfstoffe.
Roger Pint