In Brüssel beginnt das Ende eines jahrzehntelang prägenden Medienstandorts. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zieht aus dem alten Sendezentrum am Reyers-Boulevard aus. Die frankophone RTBF zieht derzeit in das neue Funkhaus "Media Square" um, während die flämische VRT in den kommenden Monaten folgen soll.
Mit dem Umzug stellt sich zugleich die Frage nach der Zukunft des bisherigen Rundfunkkomplexes - und insbesondere des markanten Reyers-Turms, der seit Jahrzehnten zur Skyline der belgischen Hauptstadt gehört.
Das alte Sendezentrum wird abgerissen
Fest steht: Das bisherige Sendezentrum wird verschwinden. Der Gebäudekomplex ist seit mehr als fünf Jahrzehnten in Betrieb und hat keine Zukunft mehr. Er wird abgerissen. Danach sollen auf dem Gelände Wohnungen entstehen.
Die neuen Gebäude von RTBF und VRT befinden sich bereits unmittelbar neben dem alten Standort. Damit wandelt sich das traditionsreiche Rundfunkviertel schrittweise zu einem modernen Stadtquartier.
Ungewisse Zukunft für den Reyers-Turm
Noch offen ist allerdings die Zukunft des ikonischen Reyers-Turms. Der futuristisch wirkende Bau erinnert mit seiner runden Plattform auf einer hohen Stele für viele an eine gelandete fliegende Untertasse und zählt zu den auffälligsten Wahrzeichen des Viertels.
Technisch wird der Turm inzwischen nicht mehr benötigt. Auch die letzten Sendeanlagen sollen dort verschwinden. Eigentümer des Turms ist mittlerweile die Region Brüssel-Hauptstadt.
Bereits 2021 hatte die damalige Brüsseler Regierung unter Ministerpräsident Rudi Vervoort eine Studie zur Zukunft des Bauwerks in Auftrag gegeben. Vorgeschlagen wurden dabei drei Möglichkeiten: ein vollständiger Abriss, der unveränderte Erhalt des Turms oder eine neue Nutzung mit öffentlichem Zugang.
Ideen reichen vom Restaurant bis zum Hotel
Inzwischen kursieren zahlreiche Vorschläge für eine mögliche Umgestaltung. Die aktuelle Brüsseler Regierung spricht von Überlegungen, die von einem Museumsprojekt über private Nutzungskonzepte bis hin zu Mischformen reichen.
Auch die Bevölkerung kann sich an der Diskussion beteiligen. Auf der Plattform "Tour Reyers" können Bürger eigene Ideen einreichen oder über bestehende Vorschläge abstimmen. Dazu zählen unter anderem eine riesige Kletterwand, ein Panorama-Restaurant, ein hängender Garten, eine Aussichtsplattform oder sogar ein Hotel mit innovativem Konzept.
Kosten bleiben entscheidender Faktor
So spektakulär manche Ideen klingen, so teuer dürften sie auch werden. Genau darin liegt derzeit die größte Herausforderung. Die finanziell angespannte Lage der Region Brüssel-Hauptstadt lässt nur begrenzten Spielraum für kostspielige Prestigeprojekte.
Dennoch deutet derzeit wenig darauf hin, dass die politisch Verantwortlichen den Turm tatsächlich abreißen wollen. Ein Abriss gilt momentan eher als letzte Möglichkeit. Stattdessen scheint sich ein breiter Konsens abzuzeichnen, den Reyers-Turm als markantes Wahrzeichen der Stadt zu erhalten und ihm eine neue Nutzung zu geben.
meuse/okr