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Sanierungspflicht für Immobilien kommt auch in Belgien

15.05.202610:33
  • Wallonie
Dachdecker Andre Colgen steht auf dem Dach eines Hauses und arbeitet
Illustrationsbild: Annika Deist/BRF

Wer in der Wallonie künftig ein schlecht isoliertes Haus kauft, wird es energetisch sanieren müssen. Hintergrund sind Vorgaben der Europäischen Union und der Wallonischen Region. Ziel ist es, den Energieverbrauch im Gebäudesektor deutlich zu senken und langfristig klimaneutral zu werden.

Die EU verfolgt dabei ein ehrgeiziges Vorhaben: Bis zum Jahr 2050 soll der gesamte Wohnungsbestand praktisch kein CO₂ mehr ausstoßen. Neubauten erfüllen bereits heute hohe Energiestandards. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch bei älteren Häusern und Wohnungen, die oft schlecht isoliert sind und viel Energie verbrauchen.

Käufer werden zur Sanierung verpflichtet

Konkret richtet sich die neue Pflicht vor allem an Käufer von Immobilien mit schlechter Energieeffizienz. Wer ein solches Haus erwirbt, soll künftig innerhalb von fünf Jahren bestimmte energetische Mindeststandards erreichen müssen.

Die Anforderungen werden schrittweise verschärft. Nach den derzeitigen Plänen müssen Käufer, die ab 2028 eine Immobilie erwerben, innerhalb von fünf Jahren mindestens die Energieklasse D erreichen. Für Käufe ab 2031 gilt dann Klasse C, ab 2036 Klasse B und ab 2041 sogar die höchste Kategorie A.

Diese strengen Regeln gelten bei Eigentümerwechsel. Doch auch für bestehende Immobilien sollen die Vorschriften nach und nach verschärft werden. Damit geraten langfristig praktisch alle Eigentümer unter Sanierungsdruck - selbst wenn die Anforderungen für Bestandsimmobilien etwas niedriger bleiben als bei verkauften Häusern.

Hohe Kosten - aber auch Förderungen

Eine energetische Sanierung kann schnell teuer werden. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt allerdings stark vom Zustand der Immobilie ab. Experten gehen derzeit davon aus, dass allein der Sprung von Energieklasse F auf D bis zu 35.000 Euro kosten kann.

Gleichzeitig gibt es Förderprogramme der Wallonischen Region, die Eigentümer finanziell entlasten sollen. Zuschüsse und Prämien könnten einen erheblichen Teil der Investitionen abfedern.

Wo sich Sanierungen besonders lohnen

Fachleute empfehlen, zuerst dort anzusetzen, wo mit vergleichsweise geringem Aufwand die größte Energieeinsparung erzielt werden kann. In vielen Fällen beginnt eine sinnvolle Sanierung deshalb beim Dach.

Danach folgen meist Fassade und Fenster sowie anschließend die Heizungsanlage. Erst zum Schluss stellt sich häufig die Frage nach zusätzlichen Maßnahmen wie Solarpanels.

Nicht renovieren wird ebenfalls teuer

Wer die Sanierung aufschiebt oder ganz darauf verzichtet, könnte am Ende ebenfalls hohe finanzielle Nachteile spüren. Denn der Marktwert schlecht isolierter Häuser dürfte künftig deutlich sinken. Käufer kalkulieren die notwendigen Sanierungskosten bereits heute in den Kaufpreis ein.

Dadurch entsteht ein wachsender Druck auf Eigentümer: Nicht zu renovieren könnte finanziell ähnlich teuer werden wie die eigentliche Sanierung selbst. Welche staatlichen Sanktionen drohen, wenn Eigentümer die neuen Vorgaben nicht erfüllen, ist allerdings noch offen.

Hunderttausende Immobilien betroffen

Allein in der Wallonie gehen Experten davon aus, dass rund 800.000 Wohnungen und Häuser betroffen sind. Das entspricht etwa 30 Prozent des gesamten Bestands. Ursprünglich sollten die neuen Regelungen bereits früher in Kraft treten. Die Verschiebung auf das Jahr 2028 verschafft Eigentümern nun zwar etwas Zeit, am grundsätzlichen Kurs ändert sich jedoch nichts.

Schon heute wird deutlich, dass die Energieeffizienz eines Gebäudes eine immer wichtigere Rolle auf dem Immobilienmarkt spielen wird. Der sogenannte PEB-Ausweis entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Kriterium beim Kauf und Verkauf von Immobilien.

dh/okr

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