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Zigaretten-Comeback in Supermärkten als Kompromiss zwischen MR und Vooruit

05.05.202607:0905.05.2026 - 18:18
  • Föderalregierung
Zigarettenverpackungen
Archivbild: Denis Charlet/AFP

Ab Januar 2027 dürfen Supermärkte wieder Zigaretten verkaufen. Das überrascht, war der Verkauf doch erst 2025 verboten worden – und widerspricht der Anti-Rauch-Politik von Gesundheitsminister Vandenbroucke. Warum die Kehrtwende?

Zunächst war da die Entscheidung des Verfassungsgerichtes. Das musste sich mit dem neuen Gesetz beschäftigen, das vorgab, dass Zigaretten, Zigarren, Filter, Tabak und Zigarettenpapier nicht mehr in Supermärkten verkauft werden dürfen, die eine Fläche von mehr als 400 Quadratmetern besitzen - was in etwa so groß ist wie eineinhalb Tennisplätze.

Gegen dieses Gesetz hatte ein Verband belgischer Supermärkte zusammen mit dem Tabakproduzenten Philip Morris Benelux geklagt. Schon im November vergangenen Jahres fiel das Urteil: Die Kläger bekamen Recht. Das Gesetz sei diskriminierend für große Geschäfte. Allein die Größe eines Supermarkts dürfe nicht als Grund genommen werden, den Verkauf von Zigaretten zu erlauben oder zu verbieten, so die Verfassungsrichter.
Trotzdem durfte das Gesetz vorläufig in Kraft bleiben. Aber die Föderalregierung bekam den Auftrag, bis Ende dieses Jahres etwas Neues zu beschließen.

Also begann das Brainstorming. Gesundheitsminister Vandenbroucke brachte die Idee ins Spiel, den Tabakverkauf grundsätzlich in allen Geschäften zu verbieten, die auch Lebensmittel verkaufen. Eine Idee, die radikaler als das gekippte Gesetz ist, aber der Richtung von Vandenbrouckes bisheriger Anti-Tabakpolitik entspricht. Diese Idee hätte vielleicht sogar Chancen gehabt, wenn Vandenbroucke nicht gleichzeitig auch unbedingt etwas gegen das Rauchen mit E-Zigaretten hätte tun wollen. Da wollte er den Verkauf von E-Zigaretten mit Geschmack verbieten. Beides zusammen aber konnte Vandenbroucke nicht mit allen Koalitionspartnern der Föderalregierung durchbringen.

Suzanne Gabriels von der flämischen Krebsstiftung Stichting tegen Kanker berichtet am Dienstag bei der VRT: "Die MR übernimmt teilweise die trügerischen Argumente der Tabakindustrie, und sie hat viel Widerstand geleistet sowohl gegen das Verbot des Verkaufs von Zigaretten in Lebensmittelgeschäften als auch das Geschmacksverbot bei Vapes."

Ein Kompromiss ebnete den Weg in diesem Streit mit gegensätzlichen Vorstellungen. Vandenbroucke durfte mit der zähneknirschenden Zustimmung der MR alle E-Zigaretten mit Geschmack verbieten. Ende April wurde dieses Vorhaben bekannt. In knapp zweieinhalb Jahren soll das Verbot in Kraft treten. Im Gegenzug musste er selbst auf seine Idee des Verkaufsverbots von Zigaretten in allen Lebensmittelläden verzichten. Und nur deshalb kommt es jetzt zum Comeback von Zigarette und Co auch in den größeren Supermärkten - ab Januar nächsten Jahres.

"Ich glaube, dass das in der aktuellen Situation tatsächlich eine gute Entscheidung war", kommentiert dazu Suzanne Gabriels. "Denn das Vapen ist bei jüngeren Menschen echt ein Problem, das immer größer wird." Verzehnfacht nämlich habe sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre die Zahl der jungen Menschen, die täglich zu E-Zigaretten greifen. Das habe eine Umfrage des Gesundheitsinstituts Sciensano gezeigt. Und wenn das in diesem Tempo weitergehen würde, bekämen wir ein riesiges Problem, sagt Gabriels.

Kay Wagner

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