Der Geldautomat: eine aussterbende Spezies. Diesen Eindruck konnte man tatsächlich haben. In den letzten zehn Jahren sind über 60 Prozent dieser Apparate verschwunden. 2015 gab es noch rund 9.000 Cash-Automaten, inzwischen sind es noch knapp 3.400. Das hatte auch damit zu tun, dass die Banken ihre Bargeld-Ausgabe zusammengelegt haben. Geld bekommt man bekanntlich nur noch in den sogenannten "Cash-Points". "Das sorgt mitunter für enormen Frust", sagte der für Verbraucherschutz zuständige Föderalminister Rob Beenders in der VRT. "Viele Menschen ärgern sich, dass sie in ihrer direkten Umgebung kein Geld mehr abheben können. Das ist nicht hinnehmbar", sagt Beenders: Geld abzuheben sei ein Recht und kein Luxus.
Bei dieser Feststellung will es der Vooruit-Politiker nicht belassen. Er legt jetzt einen Gesetzesvorschlag vor, der Abhilfe schaffen soll. Demnach soll ab dem kommenden Jahr ein "Recht auf Bargeld" gesetzlich festgeschrieben werden. In Städten gilt demnach künftig, dass in einem Umkreis von zwei Kilometern immer ein Geldautomat zur Verfügung stehen muss. Auf dem Land gilt ein Radius von fünf Kilometern - selbst in abgelegenen Gegenden. Zudem muss im Hauptort einer jeden Gemeinde ein Automat stehen.
Diese Auflagen sind verbindlich. Halten sich die Banken nicht daran, kann die Wirtschaftsinspektion aktiv werden. "Das wird aber nicht nötig sein", reagierte sinngemäß die Sprecherin des Bankenverbandes Febelfin, Isabelle Marchand, in der VRT. "Natürlich werden wir eine ganze Reihe zusätzlicher Automaten aufstellen müssen. Aber die Kriterien, die hier im Raum stehen,haben wir auch schon auf dem Schirm und wir arbeiten schon längst genau darauf hin."
Die Zahlen sprechen da allerdings eine andere Sprache. Hier geht es jedenfalls längst nicht nur um Korrekturen kosmetischer Art. "Das Referenzjahr ist dabei 2021", zitiert die Zeitung Het Laatste Nieuws den föderalen Verbraucherschutzminister. "In dem Sinne, dass die Situation für die Menschen nicht schlechter sein darf als 2021." Dieses Jahr ist nicht zufällig gewählt. Denn damals begann die Konzentrierung von Geldautomaten in besagten Cash-Points. Wenn man das in Zahlen ausdrückt, zeigt sich aber, wie groß die Herausforderung sein wird: Ende 2021 gab s noch rund 5.500 Cash-Automaten - gut 2.000 mehr als heute. Da wird die Branche mächtig nachrüsten müssen. Helfen kann dabei, dass die Regierung auch wieder die Möglichkeit schaffen will, Geldautomaten in Supermärkten einzurichten…
Verbraucherschutzminister Rob Beenders scheint hier bis zu einem gewissen Maß das Rad zurückdrehen zu wollen. Denn eigentlich konnte man doch den Eindruck haben, dass Bargeld bald der Vergangenheit angehören würde. Diese Entwicklung scheint sich mindestens verlangsamt zu haben. Das hat auch damit zu tun, dass sich immer mehr Menschen der Risiken bewusst werden, die mit elektronischer Bezahlung und insbesondere mit Internet-Banking verbunden sind. Gerade in Flandern ist Phishing im Moment das große Thema. Quasi jeden Tag sorgen Fälle von dreistem Betrug im Netz für dicke Schlagzeilen, bei denen die Opfer manchmal auch um größere Summen erleichtert werden. "Die Menschen wünschen sich Kontrolle", sagt auch Barbara Briers, Professorin für Marketing an der Uni Antwerpen. "Bargeld ist konkret und tastbar. Vviele legen auch nach wie vor Wert auf Datenschutz. Sie wollen schlichtweg nicht, dass man nachvollziehen kann, wofür sie ihr Geld ausgeben."
Nicht zu vergessen sind da ältere Menschen, die von vornherein gleich beim Bargeld geblieben sind. Insgesamt ist die Nachfrage nach Bargeld eher größer geworden, sagte Verbraucherschutzminister Rob Beenders. Umso wichtiger sei es dann auch, dass möglichst in der näheren Umgebung ein Bankautomat steht -wie es früher der Fall war.
Roger Pint