Die belgischen Kartoffelbauern erleben ein echtes Paradox: Die Ernte fällt so gut aus wie selten zuvor, doch die Lagerhallen sind überfüllt. Der Grund ist eine eingebrochene Nachfrage. Vor allem die Fritten-Industrie, sonst der wichtigste Abnehmer, hat ihre Vorräte bereits gedeckt und benötigt keinen Nachschub.
Das Ergebnis: Tonnenweise Kartoffeln bleiben liegen – und drohen zu verderben. Auch der Torenhof bei Ypern in Westflandern ist betroffen. Rund 120 Tonnen Kartoffeln lagern dort – ohne Aussicht auf Verkauf.
Für viele Landwirte gibt es in dieser Situation nur wenig attraktive Alternativen: Die Knollen können zu Tierfutter verarbeitet oder in Biogasanlagen genutzt werden, doch beides ist mit hohen Transportkosten verbunden. Oft bleibt am Ende nur, die Kartoffeln auf den Feldern zu verteilen und verrotten zu lassen. Doch auf dem Torenhof wollte man sich damit nicht zufriedengeben.
"Darum haben die Kinder beschlossen, eine Kartoffel-Aktion zu machen. Es ist besser, sie kostenlos zu verschenken, als sie verderben zu lassen", sagt Landwirtin Lies Sampers. Die Aktion läuft während den Osterferien und ist einfach: Statt die Ernte zu entsorgen, werden die Kartoffeln kostenlos an Menschen aus der Region - und weit darüber hinaus - abgegeben.
Nicht selten nehmen Menschen eine Stunde Fahrt in Kauf. Auch aus Deutschland sind schon einige angereist. Eine Win-Win-Situation."Wir müssten sie eigentlich wegwerfen, und wir dachten: Geben wir sie doch lieber den Menschen, denn die können noch etwas damit anfangen und sich darüber freuen. So vermeiden wir Verschwendung und Verlust", sagt Lies' Tochter Noor.
Die Resonanz ist positiv – viele Menschen nehmen das Angebot dankbar an, so auch Marianne: "Ich wohne hier nicht weit weg. Lies ist eine Kollegin im Gemeinderat, und deshalb können wir auf ihre Unterstützung zählen. Frittchen sind schließlich immer lecker."
Dogan Malicki



