Ein Drohnenangriff, Stress und Hektik, Befehle schreiende Soldaten in Kampfausrüstung mit Funkgeräten, in Militärfahrzeuge gepferchte Menschen, die über Computer gebeugt fieberhaft versuchen, die Drohnen aufzuhalten. Und das mitten in Brüssel.
Der Angriff ist zum Glück nur simuliert, es ist eine Übung, eine sogenannte "Challenge" im Rahmen des großen Finales der "Cyber Security Challenge Belgium".
Einer von vielen Tests, denen sich auf Cybersicherheit spezialisierte Studenten hier stellen. Wobei schon eine Einladung zur Challenge eine beachtliche Leistung ist, wie Generalmajor Pierre Ciparisse hervorhebt, der Kommandant der "Cyber"-Komponente der belgischen Streitkräfte.
Aus ursprünglich über tausend Bewerbern sind nach einer ersten Online-Challenge-Runde nur die rund hundert besten ausgewählt worden für das eintägige Finale in Brüssel. Die Teilnahme an sich macht sich also schon gut auf jedem Lebenslauf. Das Ziel bleibt aber natürlich, so hoch wie möglich zu punkten in der Gesamtwertung.
Es gehe darum, den Studenten zu zeigen, wie Cybersicherheit in der Praxis aussehe, erklärt Vincent Defrenne, der die Challenge zum mittlerweile zwölften Mal organisiert hat. Und zwar auf durchaus auch spielerische Art und Weise. Dazu gehört eben auch, einen militärischen Cybersicherheitsauftrag unter möglichst immersiven Bedingungen zu simulieren.
Aber die Landesverteidigung ist nur einer von diversen Sponsoren des Wettbewerbs. Daneben sind auch weitere Institutionen anwesend, wie etwa das belgische Zentrum für Cybersicherheit (ZCB), aber auch private Unternehmen, für die der Bereich Cybersicherheit besonders wichtig ist.
"Die Sponsoren sind große Firmen in Belgien, die sehr interessiert sind an Studenten, sprich an neuen Leuten", erklärt dieser Teilnehmer. "Diese Unternehmen versuchen, hier neue Rekruten zu finden für den Bereich Cybersecurity." Weil auch das ist ein wichtiger Programmpunkt: Netzwerken. In dem Sinn kann und sollte der Wettbewerb wohl auch als eine Art Screening verstanden werden, die beteiligten Firmen und Institutionen wollen sehen, wie sich die Teilnehmer halten und verhalten unter Druck.
Entsprechend vielfältig sind auch die zahlreichen Challenges, der militärische Aspekt ist nur einer von sehr vielen. "Die gestellten Puzzle sind generell eher abstrakt, aber es geht schon um Sicherheit und Informatik und dann eben in bestimmten Kategorien. Manchmal geht es um Kryptografie, manchmal um alles, was mit Webseiten zu tun hat, manchmal ist auch wirklich Kreativität erforderlich, zum Beispiel wenn Informationen in Bildern versteckt sind."
Es geht auch darum, den Studenten neues Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, führt Organisator Defrenne aus. Aber neben diesem bildungstechnischen Aspekt gehe es natürlich darum, junge Menschen zu motivieren sich beruflich in Richtung Cybersicherheit zu orientieren. Man wisse, dass man nicht jeden dafür begeistern könne. Aber niemand werde die Challenge verlassen, ohne für das Thema Sicherheit beziehungsweise Cybersicherheit sensibilisiert worden zu sein. Was nur positiv sein könne für ihre künftigen Betätigungsfelder. Das sei also wirklich auch eine Investition in die Zukunft.
Mehr Details über die Cyber Security Challenge gibt es auf der Homepage des Wettbewerbs. Auch im kommenden Jahr soll laut den Organisatoren wieder eine Challenge stattfinden.
Boris Schmidt