Es ist weit mehr als nur royales Protokoll: Unter dem Schlagwort "verlässliche Nachbarn" wollen Belgien und Norwegen ihre Partnerschaft in den Bereichen Energie, Sicherheit und Klimaschutz massiv ausbauen.
Die Nordsee als gemeinsames Kraftwerk
Zentraler Pfeiler des Besuchs ist die Energiepolitik. Norwegen ist bereits heute der wichtigste Gaslieferant der EU, wobei Belgien mit seinen Häfen und Pipelines als entscheidendes Drehkreuz zum Festland fungiert. Eine über 800 Kilometer lange Unterwasserpipeline verbindet beide Länder bereits – nun soll die Kooperation "grün" werden. Geplant ist, die Nordsee zum "Kraftwerk Europas" auszubauen.
Ein Kernthema der Gespräche: CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Belgien beabsichtigt, industrielles CO2 aus Europa nach Norwegen zu exportieren, um es dort dauerhaft im Meeresboden zu lagern. Zudem sollen die unterschiedlichen Windmuster beider Länder kombiniert werden, um ein stabileres Stromnetz für den Kontinent zu gewährleisten.
Sicherheit am Meeresgrund
Auch militärisch rücken die Partner enger zusammen. Angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Europa steht der Schutz kritischer Infrastruktur – von Pipelines bis zu digitalen Seekabeln – ganz oben auf der Agenda. Belgien setzt dabei verstärkt auf norwegische Technik und hat bereits den Kauf des modernen Luftabwehrsystems NASAMS angekündigt.
Sorge um Mette-Marit
Trotz der herzlichen Atmosphäre zwischen den verwandten Königshäusern – König Philippe ist ein Neffe zweiten Grades von König Harald V. – gibt es einen Wermutstropfen: Kronprinzessin Mette-Marit musste ihre Teilnahme an den offiziellen Terminen aus gesundheitlichen Gründen absagen. Zwar zeigte sie sich beim morgendlichen Empfang kurz im Palast, doch ihr Kampf gegen die chronische Lungenfibrose zwingt sie zur Ruhe.
Der Palast bestätigte jüngst, dass die Ärzte sogar eine mögliche Lungentransplantation vorbereiten. Die Nachricht trifft das norwegische Königshaus in einer ohnehin schwierigen Phase, die zuletzt von Schlagzeilen um Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby und gesundheitlichen Problemen des Königs geprägt war.
Ein Programm zwischen Hightech und Kultur
Am Mittwoch wird das belgische Königspaar das Nobel-Friedenszentrum sowie die Nationalbibliothek besuchen. Damit soll unterstrichen werden, dass die Allianz nicht nur auf Gas und Waffen fußt, sondern auch auf gemeinsamen Werten, Bildung und der Verteidigung der internationalen Rechtsordnung.
Manuel Zimmermann