Immer wieder sorgen Polizeieinsätze für Diskussionen – besonders dann, wenn Menschen dabei sterben. In Belgien gibt es dazu allerdings kaum offizielle Zahlen.
Eine gemeinsame Recherche mehrerer Medien hat jetzt versucht, einen Überblick zu schaffen. Laut der gemeinsamen Untersuchung von L’Echo, De Tijd, Le Vif und Knack sind seit 2010 mindestens 120 Menschen gestorben – entweder während eines Polizeieinsatzes oder in Polizeigewahrsam.
Die Journalisten haben die Fälle aus belgischen Pressearchiven zusammentragen und anschließend mit Informationen von Staatsanwaltschaften, Anwälten und Angehörigen der Opfer überprüft.
In neun von zehn Fällen waren die Opfer Männer. Rund 45 Prozent der Menschen starben direkt am Einsatzort oder während der Festnahme. Weitere 16 Prozent starben später in Haft. Außerdem waren sechs der insgesamt 120 Getöteten minderjährig. Für Trauer und Empörung sorgte unter anderem der Tod des elfjährigen Fabian, der 2025 im Brüsseler Elisabethpark von einem Polizeifahrzeug erfasst wurde.
Daten zu solchen Todesfällen sind auf verschiedene Institutionen verteilt – etwa auf den Polizeikontrolldienst Comité P, die Polizei selbst oder die Staatsanwaltschaft. Eine zentrale Übersicht existiert nicht. Deshalb gehen die Autoren selbst davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher sein könnte.
Kriminologin Sofie De Kimpe sagt in der Tageszeitung L’Echo, dass es ohne vollständige Daten schwierig sei, überhaupt eine gezielte Politik zu entwickeln – zum Beispiel bei Fragen der Ausbildung oder beim Umgang mit Waffen. Außerdem könne fehlende Transparenz Misstrauen gegenüber Polizei und Justiz verstärken.
echo/dog