"Ich heiße Olga Lombardo. Ich studiere Pharmakologie in meinem letzten Masterjahr an der KU Löwen. Ich habe fast mein ganzes Leben in Brüssel gewohnt und bin jetzt zufällig in Löwen gemeldet." So spricht sie, die neue Miss Belgien Olga Lombardo, Studentin der Pharmakologie im letzten Masterjahr an der KU Löwen. In Brüssel aufgewachsen, zurzeit wohnhaft in Löwen, 22 Jahre alt.
So weit, so gut - und so gewöhnlich wie vielleicht auch viele andere Miss Belgien vor Olga. Doch sie hat eine Besonderheit, die jetzt im Netz in hässlichen Kommentaren gegen sie verwendet wird. Olga ist nämlich dunkelhäutig. Ihre Mutter stammt aus Gabun, ihr Vater ist Italiener. Und so ist die Hautfarbe von Olga dieses typische Gemisch zwischen "weiß" und "schwarz", wie es bei Kindern aus afro-europäischen Verbindungen normal ist.
Dass Olga deshalb eines Tages mit Rassismus konfrontiert werden würde, darauf habe ihre Mutter sie schon als Kind vorbereitet, erzählt Olga freimütig in den Spätnachrichten der VRT. Ihre Mutter habe selbst oft Rassismus erleiden müssen und ihr davon erzählt. "Sie hat mich immer davor gewarnt", sagt Olga, "dass das eines Tages auch mir passieren wird. Und jetzt ist das so gekommen."
Geschockt habe sie es deshalb nicht, als jetzt die rassistischen Kommentare gegen sie geäußert wurden. Natürlich habe sie sich darüber nicht gefreut, aber sie merke auch, dass sie das eigentlich kaum berührt. "Ich glaube, dass es frustrierte Menschen sind, die so etwas schreiben", sagt Olga. Und daran könne sie nichts ändern.
Zumindest nach außen hin nimmt man ihr diese Äußerungen auch durchaus ab. Unaufgeregt sitzt sie im TV-Studio, spricht ganz ruhig, lächelt oft entspannt, tatsächlich so, als ob sie der ganze Wirbel um ihre Herkunft und Hautfarbe nicht berühren würde.
Auf keinen Fall, so scheint es, hat Olga zumindest in irgendeiner Weise begonnen, jetzt plötzlich an ihrer Identität als Belgierin zu zweifeln. In einer Sendung von Radio 2 der VRT hatte sie es Dienstagnachmittag so formuliert - übrigens genauso entspannt wie später im Fernsehen: "Ich bin nicht rein flämisch, aber ich bin auch nicht rein wallonisch. Ich bin einfach belgisch. Wenn ich auf Niederländisch sprechen muss, dann tue ich das, wenn ich auf Französischen reden soll, dann auch. Mein Deutsch ist nicht perfekt. Aber - gut!"
Und dann zieht die neue Miss Belgien noch einen Vergleich mit dem Fußball, wo farbige Spieler bei den Roten Teufeln mittlerweile ja zum gewohnten Bild gehören. "Werden wir jetzt auch Lukaku fragen, was er dort, in der Aufstellung der belgischen Mannschaft sucht? Das machen wir doch auch nicht", stellt Miss Belgien fest.
Kay Wagner