Die Polizei hat immer ein scharfes Auge auf Fehlverhalten im Straßenverkehr beziehungsweise hinterm Steuer. Aber für die intensiven Kontrollaktionen, die zwei Mal pro Jahr stattfinden, wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Zusätzlich zu den Beamten der 105 lokalen Polizeizonen, die an der Kampagne teilnehmen, sind fast 900 Angehörige der Straßenpolizei der föderalen Polizei im Einsatz - sowohl an mobilen als auch an festen Kontrollpunkten.
Bei der letzten Kampagne im Oktober sind über 3.000 Protokolle ausgestellt worden, so An Berger von der föderalen Polizei in der VRT. Die allermeisten davon - 2.800 - wegen Handynutzung am Steuer. Ein unvernünftiges Verhalten, das mehr als tausend Fahrer sofort ihren Führerschein gekostet hat. Wer sein Handy bei der Fahrt benutzt, dem kann der Führerschein mit sofortiger Wirkung abgenommen werden.
Gerade in Flandern sei das quasi eine Standardprozedur, warnt Berger, dann sei man den Führerschein direkt zwei Wochen los. Zur Kasse gebeten wird man unmittelbar: 174 Euro, nicht nur für Handy am Steuer, sondern auch für andere Formen von Ablenkung. Da fällt potenziell so Einiges drunter. Zum Beispiel Schminken oder Essen während der Fahrt - alles, was bedeutet, dass der Blick nicht mehr auf die Straße gerichtet ist.
Auch wenn viele, die erwischt werden das immer wieder behaupten: Diese scharfen Kontrollen sind keine Schikane. Die Unfallzahlen sprechen da für sich. Laut Schätzungen können fünf bis 25 Prozent der Unfälle im Straßenverkehr darauf zurückgeführt werden, dass Verkehrsteilnehmer abgelenkt waren, bestätigt Belinda Demattia von der Wallonischen Agentur für Straßensicherheit (AWSR). Das mache Ablenkung hinterm Steuer zu einer der Hauptursachen für Unfälle - Unfälle mit leider zu oft fatalen Folgen wohlgemerkt. Allein in Belgien sterben dadurch pro Jahr 50 Menschen im Straßenverkehr. Weitere 4.500 werden verletzt.
Eine weitere Erkenntnis: Mahnen, Sensibilisieren und an die Vernunft der Autofahrer appellieren reicht nicht. Aus Erfahrung wisse man, dass sich das Verhalten der Autofahrer erst ändere, wenn das Risiko steige, erwischt zu werden. Das sehe man beispielsweise bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen und den Radaranlagen.
Hier ist nicht nur laut Demattia auch noch viel Luft nach oben in puncto Abschreckung bei Ablenkung hinterm Steuer: Weil im Gegensatz zu überhöhter Geschwindigkeit lässt sich Ablenkung nicht automatisch detektieren. Es ist ein erheblicher personeller Aufwand nötig dafür.
In Zeiten von chronischem Personalmangel und strikten Sparzwängen liegen die Folgen auf der Hand. Das Risiko, abgelenkt hinterm Steuer erwischt zu werden, ist nicht sehr hoch, räumt die AWSR-Sprecherin ein - auch, weil die Fahrer auf frischer Tat ertappt werden müssen. Abhilfe schaffen könnte hier Automatisierung, genauer gesagt der Einsatz sogenannter intelligenter Kameras. Das ist auch keine ferne Zukunftsmusik: Andere Länder wie etwa die Niederlande setzen solche Systeme schon erfolgreich ein.
In Belgien muss dafür der gesetzliche Rahmen geschaffen werden, Stichwort Schutz der Privatsphäre beziehungsweise Datenschutz. Aber die Einführung der Nutzung intelligenter Kameras für solche Zwecke steht im Regierungsabkommen. Der föderale Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés) hat bereits angekündigt, dass sich eine Arbeitsgruppe mit der Frage befassen wird, was dafür gesetzlich geändert werden müsste.
Boris Schmidt