"Man kann jetzt nicht behaupten, dass bei der SNCB das Streikrecht grundsätzlich missachtet würde", sagte Sophie Dutordoir in der RTBF. In der Tat wurde eben in dieser Woche die Nationale Eisenbahngesellschaft ja bestreikt. "Mal wieder", könnte man sagen, und dieses "mal wieder" wird auch durch Zahlen belegt, die die SNCB-Chefin ins Feld führte: Seit Anfang 2025, also seit etwas mehr als einem Jahr, wurden 32 Streiktage bei der Bahn gezählt, der Freitag mit eingerechnet.
In dieser Woche hätten die Gewerkschaften aber schon wieder neue Streikankündigungen hinterlegt: Für den 5., 10. und 12. Februar. Ja, diese Streikankündigung habe man für unzulässig erklärt, bestätigt Sophie Dutordoir. As zwei Gründen: Erstens wegen "formaler Mängel", zweitens aber vor allem wegen Unverhältnismäßigkeit. "Wir sind der Ansicht, dass jetzt doch Grenzen erreicht sind, und die Proteste langsam exzessiv werden."
Bei den Gewerkschaften sieht man das naturgemäß ganz anders. Eine grobe Missachtung des Streikrechtes sei das, wettern FGTB und CSC im Chor. Man habe diese Ankündigungen formuliert, wie man sie immer formuliere, und plötzlich gebe es da angeblich "Formfehler", schimpfte Pierre Lejeune, der Vorsitzende der CGSP-Eisenbahnergewerkschaft.
"Hier hat wohl einer mal ein Machtwort sprechen wollen", so Lejeune. "Aber für uns ist das nichts anderes als eine autoritäre Entgleisung." Deswegen wollen die Gewerkschaften jetzt also vor den Staatsrat ziehen, um die Entscheidung anzufechten.
Sophie Dutordoir bringt derweil Verständnis auf für die Sorgen ihres Personals. Die Regierung habe in der Tat Maßnahmen beschlossen mit einer durchaus beträchtlichen Tragweite. Das gelte besonders für den Bereich Pensionen und auch das Personalstatut. Und zusammen mit den Gewerkschaften wolle man jetzt dem Personal begleitend zur Seite stehen. Was allerdings nicht heiße, dass man die Entscheidungen zurückdrehen wolle, betont Dutordoir.
So sei etwa der Abschied vom Beamtenstatut zwingend nötig. Nur so könne sich die SNCB nach der für 2032 geplanten Liberalisierung des Sektors weiter behaupten. Hier Sicherheitsargumente ins Feld zu führen, das sei regelrecht empörend, sagt die SNCB-Chefin. Man tut so, als wären vertragliche Mitarbeiter nicht so verlässlich wie verbeamtete, was natürlich nicht stimme.
Sophie Dutordoir appelliert noch einmal an die Gewerkschaften, den Sozialen Dialog wieder aufzunehmen. "Gleich, wie es kommt", sagt die SNCB-Chefin: "Irgendwann werden wir uns doch wieder zusammen an einen Tisch setzen müssen, um gemeinsam die Zukunft dieses Unternehmens zu gestalten."
Roger Pint