Der Streik im öffentlichen Nahverkehr sorgt am vierten Streiktag erneut für Beeinträchtigungen im Zug- und Busverkehr. Und die Fronten scheinen verhärtet: Die Eisenbahngewerkschaften haben mittlerweile beschlossen, den Staatsrat in dieser Sache anzurufen.
Vorausgegangen war die Entscheidung der Personalabteilung der Bahn (HR Rail), weitere Streikankündigungen für den 5., 10. und 12. Februar als unzulässig zurückzuweisen. Benoît Gilson, Generaldirektor von Infrabel, teilte mit, die Streikankündigungen hätten nicht den gültigen Bedingungen entsprochen. Laut HR Rail war die Ankündigung "völlig unverhältnismäßig und unverantwortlich."
"Indem sie die angebliche Unverhältnismäßigkeit der Maßnahme angeben, um uns daran hindern zu demonstrieren, greifen die Geschäftsleitung und der Minister unmittelbar die soziale Demokratie an", hieß es daraufhin von den Gewerkschaften CGSP und CSC.
Die Gewerkschaftsfront sprach von einem "endgültigen Vertrauensbruch". Der Sozialdialog sei beendet.
Auch Bahnchefin Sophie Dutordoir findet, dass die wiederholten Bahnstreiks für die Kunden, die Regierung und die SNCB nicht mehr zumutbar sind. Das sagte Dutordoir in der VRT.
Sie forderte die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und über einen Sozialpakt zu den Verträgen von künftigen Arbeitnehmern zu beraten. Dabei könnten gute Verträge ausgearbeitet werden.
Dutordoir sagte, jeder habe das Recht zu streiken, aber die aktuellen Streikaktionen bei der Bahn seien unverhältnismäßig. Seit Januar letzten Jahres ist bei der SNCB an 31 Tagen gestreikt worden.
Am vierten Streiktag bei der Bahn am Donnerstag werden voraussichtlich zwei von drei IC-Zügen fahren. Das hat die SNCB mitgeteilt. Bei den anderen Verbindungen wird nur die Hälfte der Züge unterwegs sein. Wer den Zug nehmen möchte, sollte sich im Vorfeld auf der App oder der Webseite der SNCB informieren.
Die Bahngewerkschaften protestieren unter anderem gegen die Rentenreform und die geplante Abschaffung des Beamtenstatuts.
Auch bei der Nahverkehrsgesellschaft TEC geht der Streik weiter. Bei der TEC-Lüttich-Verviers fallen erneut viele Verbindungen aus. Informationen gibt es auf der Webseite der TEC.
Infrabel-Chef: Mit Beamten wird Bahn nicht fit für die Zukunft
vrt/belga/rtbf/est/moko