Der Killer hört auf den Namen STEC. STEC steht für Shigatoxin-bildende Escherichia coli. Im Klartext: Es handelt sich um eine Unterart des "E. coli"-Bakteriums, das ja durchaus geläufig ist.
In Flandern haben sich mindestens 20 Bewohner von Alten- und Pflegeheimen mit solchen STEC-Bakterien infiziert. Bislang sind nachweislich fünf von ihnen gestorben. Ob die Infektion die alleinige Todesursache war, das könne man nicht mit Bestimmtheit sagen, sagte Joris Moonens vom flämischen Gesundheitsministerium in der VRT. "In solchen Pflegeeinrichtungen leben nunmal Menschen, die schon sehr alt sind und die auch schon unter anderen Beschwerden leiden. Und dann kann eine solche Infektion das Problem zu viel sein, also der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, was dann im vorliegenden Fall zum Tod führt."
Heißt aber auch: Ohne die Infektion wären diese Menschen wohl noch am Leben. Wie im Übrigen bei allen E. coli-Infektionen werden auch STEC-Bakterien vorwiegend durch kontaminierte oder verunreinigte Lebensmittel übertragen. Salopp gesagt: Die Menschen haben höchstwahrscheinlich "was Falsches gegessen". Die Symptome sind meist Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen, manchmal begleitet von Fieber. In besonders schlimmen Fällen können auch die Nieren angegriffen werden.
Fünf Todesopfer sind also schon zu beklagen. Was allerdings dabei nochmal besonders besorgniserregend ist: Diese Menschen haben nicht in ein und demselben Pflegeheim gewohnt. Betroffen sind insgesamt sechs solcher Einrichtungen, und das über Flandern verteilt, von Flämisch-Brabant über die Region Antwerpen bis hin zum ostflämischen Aalst. Wie kann das sein, dass an sechs verschiedenen Orten das gleiche Problem auftritt? Diese Frage stand denn auch zunächst im Raum.
Für dieses scheinbare Mysterium gibt es inzwischen aber eine mögliche Erklärung. "Viele Alten- und Pflegeheime arbeiten mit demselben Catering-Unternehmen zusammen", sagte die Sprecherin eines flämischen Pflegeheimbetreibers in der VRT.
Es könnte so aussehen, als läge hier des Pudels Kern. "Wir wissen jedenfalls schon mal, dass die Menschen alle kontaminiert waren mit Bakterien desselben genetischen Typs", sagt Joris Moonens, der Sprecher des flämischen Gesundheitsministeriums. Das allein weise schon darauf hin, dass das Problem auf dieselbe Quelle zurückgeht. Besagte "gemeinsame Quelle" müsse man jetzt allerdings noch finden.
Nach dieser Quelle wird nun unter Hochdruck gefahndet. Erstmal müsse ermittelt werden, was genau die Betroffenen gegessen haben und ob es da irgendwelche Gemeinsamkeiten gibt. Diese Untersuchung laufe noch, und zwar in Zusammenarbeit mit der Afsca, der föderalen Agentur für Nahrungsmittelsicherheit, sagt Joris Moonens.
Im Moment ist also banges Abwarten angesagt. Auch und vor allem, weil man im Moment noch nicht wissen kann, ob nicht noch weitere Fälle auftreten. Nach einer STEC-Infektion treten die Symptome in der Regel nach zwei, drei Tagen auf, es kann aber auch manchmal bis zu zehn Tage dauern. Außerdem ist es auch theoretisch möglich, dass man sich bei einem kontaminierten Menschen ansteckt. Deswegen befinden sich die infizierten Patienten in Quarantäne und das Personal muss auch besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Weil sich das Problem über mehrere Provinzen erstreckt und die Fahndung nach der Ursache entsprechend komplex ist, könnten die Ergebnisse der Untersuchung noch einige Tage auf sich warten lassen.
Roger Pint