Insgesamt hat das Verkehrssicherheitsinstitut Vias für das Jahr 2024 etwas mehr als 35.500 Verkehrsunfälle erfasst, bei denen Menschen gestorben oder verletzt worden sind. Das entspricht umgerechnet rund hundert Unfällen pro Tag. Allerdings handelt es sich dabei um provisorische Zahlen, wie Vias unterstreicht. Denn im Verkehrssicherheitsbarometer werden beispielsweise nur Todesopfer erfasst, die direkt beim oder kurz nach dem Unfall verstorben sind.
In jedem Fall enthält das Barometer diverse gute Nachrichten. Während es zwar eine leichte Zunahme bei den Verkehrstoten gegeben hat, ist die Zahl der Unfälle und der Verletzten um etwa drei Prozent zurückgegangen. Noch auffälliger: Die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss ist sogar um elf Prozent gesunken.
Aber neben Licht- gibt es eben auch Schattenseiten, wie Vias-Sprecher Stef Willems in der VRT erklärt. Für ein bestimmtes Verkehrsmittel sehe man eine deutliche Zunahme der Unfälle mit Verletzungen als Folge, betont Willems: für E-Steps, auch E-Scooter oder elektrische Tretroller genannt. Das ist in gewisser Weise überraschend, denn in den Jahren 2022 und 2023 waren die Unfallzahlen für E-Tretroller rückläufig, 2024 sind sie aber im landesweiten Durchschnitt um gleich acht Prozent in die Höhe geschossen.
Dunkelziffer deutlich höher
Vias geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher ist, weil längst nicht in allen Fällen die Polizei gerufen wird und eine Unfallaufnahme stattfindet. Weiterer trauriger Befund: Drei Menschen sind im vergangenen Jahr bei Unfällen mit E-Steps gestorben.
Früher seien E-Steps und damit die entsprechenden Unfälle vor allem ein Problem für Städte wie Brüssel gewesen, so Willems. Aber das sei nicht mehr so, mittlerweile passierten solche Unfälle im ganzen Land. Ironischerweise stagnierte im letzten Jahr ausgerechnet in Brüssel die Zahl der erfassten E-Roller-Unfälle. Aber dafür gingen sie in Flandern um zehn Prozentpunkte nach oben. Und in der Wallonie belief sich die Zunahme auf schockierende 20 Prozent.
Das merkt man auch in den Krankenhäusern. Pro Tag kämen im Schnitt drei Patienten in die Notaufnahme nach einem Unfall mit einem E-Step, berichtet Doktor Brecht De Tavernier, Leiter der Abteilung Notfallmedizin eines großen Antwerpener Krankenhauses.
Diese Art von Unfällen kenne man ja erst seit 2019, unterstreicht der Arzt. Und man müsse feststellen, dass es jedes Jahr mehr davon gebe. Es sei sogar die einzige Unfallart, die immer häufiger vorkomme.
Dabei kann sich noch glücklich schätzen, wer mit so einem E-Roller nur ausrutscht, zum Beispiel auf Straßenbahnschienen oder auf nassem Laub. Denn dann kommt man im besten Fall vielleicht noch mit zerrissenen Klamotten und ein paar Prellungen und Abschürfungen davon.
Oft sind Unfälle mit E-Steps aber deutlich brutaler, weiß De Tavernier. In vielen Fällen komme der Tretroller abrupt zum Stillstand. Das Unfallopfer stürze dann mit voller Wucht, zum Beispiel auf die Handgelenke, das Gesicht oder den Kopf. Dies hätte mitunter ernste Verletzungen zur Folge.
Vias fordert Kontrollen
Für das Verkehrssicherheitsinstitut liegt die Schlussfolgerung auf der Hand. Die Schrauben müssten in den kommenden Monaten deutlich angezogen werden, so Vias. Und das bedeute vor allem: mehr Kontrollen.
Notarzt De Tavernier fordert etwa ein strengeres Vorgehen gegen Alkohol am Lenker beziehungsweise auf dem Roller, denn Alkohol spiele gerade bei nächtlichen Unfällen eine Rolle. Auch beim Mindestalter müsse durchgegriffen werden und beim Verbot, Personen mitzunehmen auf dem Roller. Außerdem müsse - so wie dies bei elektrischen Fahrrädern der Fall sei - die Leistung und damit die Höchstgeschwindigkeit von E-Steps gedrosselt werden.
Boris Schmidt