Belgien legt Laufzeitverlängerung der AKW auf Eis

Die sieben belgischen Atomkraftwerke werden einem Stresstest unterzogen. Erst wenn dazu alle Ergebnisse vorliegen, soll über das weitere Vorgehen in Sachen Atomenergie entschieden werden.

Energieminister Paul Magnette

Energieminister Paul Magnette

Vor dem Hintergrund des dramatischen Geschehens im Kernkraftwerk von Fukushima hat die belgische Regierung gestern Abend beschlossen, dass die sieben belgische Kernreaktoren gemäß einer Empfehlung der Europäischen Kommission einem so genannten Stresstest unterzogen werden.

Die EU hat sogenannte Stresstests für die Kernkraftwerke in Europa beschlossen. Diese simulieren mögliche Unglücke wie Erdbeben oder Flugzeugabstürze und sollen das Risiko offenlegen.

Nach Darstellung von Energieminister Magnette wird jeder Kernreaktor getestet, ob er einem schweren Erdbeben, einem Terroranschlag, einer Überschwemmung oder einer andren außergewöhnlichen Belastung standhalten kann. Die Tests sollen von einem Team unabhängiger Experten durchgeführt werden und etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Erst danach soll auf Regierungsebene entschieden werden, wie Belgien sich in der Kernenergiefrage weiter verhält.

Damit ist die zuvor beschlossene Verlängerung der Lauffristen der drei älteren Atomkraftwerke, die bereits ab 2015 schrittweise abgeschaltet werden sollten, zumindest für ein Jahr auf Eis gelegt.

b/vrt/jp/est - Bild: Bruno Fahy (belga)

2 Kommentare
  1. Nelles Jean-Pierre

    Guten Tag Herr Klinkenberg,

    Könnten Sie als Journalist mir mal bitte erklären wie es möglich ist Atommeiler Laufzeiten auf Eis zu legen, wenn Sie niemals von der Regierung verlängert worden sind?

    Zitat:Sieben AKW in Belgien
    Belgien zählt zurzeit sieben Atomkraftwerke, die etwas mehr als die Hälfte des von unserem Land benötigten Stroms produzieren. Im Jahre 2003 hatte die Regierung Verhofstadt, hauptsächlich unter dem Druck der Grünen, beschlossen, die Lebensdauer der belgischen Kernkraftwerke auf vierzig Jahre zu beschränken. Aufgrund dieses Beschlusses müssten bereits im Jahre 2015 drei Kernreaktoren außer Betrieb gesetzt werden, und die restlichen vier in 2025.
    Vor zwei Jahren jedoch kam die Regierung zu der Einsicht, dass es für die Stromversorgung des Landes bei der Umsetzung dieses Plans ein Problem geben würde, und entschied deshalb, die Lebensdauer der ältesten Kernkraftwerke, die eigentlich schon 2015 vom Netz gehen sollten, um zehn Jahre, also bis 2025, zu verlängern. Allerdings wurde dieser Beschluss vom Parlament bis zum heutigen Tag nicht bestätigt.

    Allerdings wurde dieser Beschluss vom Parlament bis zum heutigen Tag nicht bestätigt.

    Also wie kann man Beschlüsse rückgängig machen, die nie Durchgesetzt worden sind????

  2. Rudi Klinkenberg

    Sie haben Recht mit der Feststellung, dass dieser Regierungsbeschluss, die Laufzeiten unserer Kernreaktoren zu verlängern, vom Parlament bis heute nicht bestätigt wurde. Dennoch hat die Regierung bis gestern an diesem Beschluss festgehalten und ging wohl auch davon aus, dass die neu zu bildende Regierung ihn übernehmen würde und ihn dem Parlament zur Abstimmung vorlegen würde. Der jüngste Beschluss, jegliche Entscheidung in Sachen Kernenergie bis zum Ergebnis der Stresstests aufzuschieben, bringt uns ja eigentlich zu der Situation zurück, bevor eine Verlängerung der Lauffristen entschieden wurde.