Direktor des Atomkraftwerks Doel: Wiederhochfahren von Doel 3 wäre keine gute Idee

Am Freitagabend soll der Kernreaktor Doel 3 vom belgischen Stromnetz abgekoppelt werden, dann beginnt der Rückbau. Innenministerin Annelies Verlinden wollte aber prüfen lassen, ob dieser Rückbau ausgesetzt werden könnte. Der Direktor des Atomkraftwerks rät davon ab.

Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen (Archivbild: Ricardo Smit/Belga)

Archivbild: Ricardo Smit/Belga

Der 23. September 2022 steht als Datum für das Ende der Stromproduktion von Doel 3 schon eine ganze Weile. Aber je näher dieser Termin gerückt ist, desto größer ist wegen der Energiekrise der Druck innerhalb der Regierungskoalition geworden. Deswegen hatte Innenministerin Verlinden die Atomaufsichtsbehörde Fank beauftragt, zu prüfen, ob der Rückbau ausgesetzt werden könnte – Doel 3 sollte zumindest in so einem Zustand bewahrt werden, dass es in einer echten Energie-Notsituation möglich wäre, den Reaktor wieder hochzufahren.

Laut Innenministerin Verlinden soll die Fank gesagt haben, dass das theoretisch möglich wäre. Allerdings hat man auch gehört, dass das die Fank so kategorisch gar nicht gesagt haben soll und dass die Untersuchungen noch laufen. Von daher ist die Wortmeldung des Direktors des Atomkraftwerks wichtig.

Doel-Direktor Moens: Koalitionsstreit war überflüssig

Im Prinzip sagt Direktor Peter Moens, dass der ganze politische Hickhack der letzten Tage eigentlich sinnlos war. Es waren insbesondere die Regierungsparteien CD&V, Open VLD und MR, die manchmal schon fast etwas schrill forderten, dass auf gar keinen Fall etwas Unumkehrbares passieren dürfe mit Doel 3.

Aber für die nächsten Jahre ist sowieso nichts Unumkehrbares in technischer Hinsicht geplant, wie Direktor Moens bestätigte. Letzten Endes sind natürlich Stilllegung und Rückbau unumkehrbar. Aber hier muss man sich die Zeiträume klar vor Augen halten, um die es geht: Der Direktor rechnet damit, dass es mindestens 17 bis 19 Jahre dauern wird, um Doel 3 wirklich komplett abzuwickeln, wobei die wirklich unumkehrbaren Schritte nicht schon direkt am Anfang kommen.

Wenn am Freitag der Reaktor vom Stromnetz abgekoppelt wird, dann beginnt erst mal die sogenannte „Stopp-Phase“. Die zieht sich über fünf Jahre hin. Das beinhaltet unter anderem, dass das Spaltmaterial, also der radioaktive Brennstoff, aus dem Reaktor entnommen wird und abkühlen muss. In dieser Phase wird die Anlage auch von allen radioaktiven Verunreinigungen gereinigt.

Vor allem dieser Reinigungsprozess hatte manche Politiker offenbar auf die Barrikaden getrieben. Aber keine Sorge, sagt Direktor Moens: Es gibt nämlich zwei Arten, einen Reaktor zu reinigen. Eine harte, nicht umkehrbare, und eine sanfte, reversible. In Doel 3 kommt diese sanfte Methode zum Einsatz. Und das war auch so geplant.

Unumkehrbare Schritte folgen laut Moens erst in einer späteren Phase – in einigen Jahren. Und für diese Phase läge außerdem noch nicht mal eine endgültige Genehmigung vor.

Wiederhochfahren nicht empfehlenswert

Technisch betrachtet passiert in den nächsten paar Jahren nichts Unumkehrbares. Aber ein eventuelles Wiederhochfahren des Reaktors ist auch laut Direktor Moens eine ganz andere Nummer – „weder weise, noch empfehlenswert“.

Er wolle bei der nuklearen Sicherheit nicht improvisieren, so die klare Ansage. Seit vier Jahren liefen die Vorbereitungen – für die Abschaltung. Er als sprichwörtlicher Pilot müsse also sagen: Das Flugzeug Doel 3 wird da landen, wo es laut Plan landen soll. Jetzt einfach kurzfristig und ohne ausgiebige Studien Schritte zu ändern oder Phasen zu verschieben kommt für ihn also nicht in die Tüte.

Das habe nicht nur technische Gründe, sondern auch praktisch-organisatorische. So sei zum Beispiel bereits geplant, Personal von Doel 3 anderweitig einzusetzen. Auch die Fank habe schon gesagt, dass man nicht einfach gefahrlos alle Pläne mal eben so über den Haufen werfen könne.

schb/sh

Kommentar hinterlassen
6 Kommentare
  1. Gerald Pesch

    Jede Abschaltung einen KKW bringt uns nur in immer größere Schwierigkeiten. Durch das Merit-Order Prinzip bei der Preisfindung an der Strombörse ist der Effekt einer solchen Abschaltung weitaus größer als es der reine prozentuale Anteil an der Leistungsbereitstellung dieses Kraftwerkes vermuten lässt. Der politische Wille ist entscheidend, natürlich kann man nicht eine Stilllegung über Jahre planen und 3 Tage vorher alles abblasen. Es gibt nur einen Ausweg, Weiterbetrieb und Planung von neuen KKW bis 2035, zusammen mit Frankreich und den Niederlanden. Alles andere wird das Land ruinieren.

  2. Norbert Schleck

    „…zusammen mit Frankreich …“

    Dabei haben die Franzosen gerade selbst massive Probleme mit ihren Atomkraftwerken:
    – Flamanville, ein Milliardengrab
    – Die Hälfte der Reaktoren außer Betrieb
    – Produktionsdrosselung wegen Kühlwasserproblemen

    „EDF prolonge l’arrêt de quatre réacteurs nucléaires en pleine tension sur l’approvisionnement et les prix“
    Der Strompreis steigt seit mehreren Monaten in Frankreich auf Rekordhöhen: 900€ pro Megawattstunde bei Lieferung im nächsten Jahr gegen weniger als 100€ vor einem Jahr.“ (LeMonde 25.08.22)

    „EDF réclame 8,34 milliards d’euros à l’Etat pour combler le manque à gagner sur ses ventes d’électricité“
    Der Staat hat EDF gezwungen, einen Teil seiner Produktion zu Verlustpreisen zu verkaufen.
    „L’Etat“ = der Steuerzahler, wer sonst!

    Aber laut „Gegenpol“ ist Atomenergie doch soooo sicher und preisgünstig.

    Wann stehen die Links zu diesen Artikeln auf der Webseite von Gegenpol?
    Der Objektivität halber?
    „Fakten statt Meinungsmache“ heißt es doch da.
    Oder sind etwa nur genehme Fakten gemeint?

    Nebenbei: der Nonsens mit den 97% ist immer noch nicht korrigiert.
    „Ein Skandal!“

  3. Gerald Pesch

    Herr Schleck, die Probleme die Frankreich hat, die auch auf eine verfehlte „grüne“ Energiewende zurück zu führen sind, sind nur ein Witz gegenüber dem was Deutschland bevor steht. Es gibt eine gute Analyse der Französischen Situation „Le nucléaire français, long aveuglement et réveil brutal „ auf der Internetseite „Géopolitique de l’électricité“. Da diese Artikel nur in Französisch verfügbar sind, haben wir bisher auf einen Link verzichtet. Ich werde trotzdem einen Link dahin auf unsere Internetseite von Gegenpol Ostbelgien setzen.

    Nebenbei, Sie glauben doch nicht wirklich dass nur weil Sie nicht fähig sind eine korrekte Datenanalyse von einer manipulierten zu unterscheiden, wir, Gegenpol, unsere Aussagen revidieren. Da können Sie aber noch lange warten….

  4. Norbert Schleck

    „Eine verfehlte grüne Energiewende“ in Frankreich?

    Der zitierte Artikel –von einem Lobby-Organ der Stromindustrie- ist im Grunde ein Beleg dafür, dass Kernenergie nicht kostengünstig ist, will man doch dem Staat und nicht EDF den Schwarzen Peter zuschieben.

    EDF steht bekanntlich vor dem Bankrott und soll vollständig nationalisiert werden. Den Schuldenberg trägt der Steuerzahler.

    Macron hat selbst zugegeben, dass sich für sein Programm kein privater Finanzier finden wird.
    Siehe auch das zitierte Hinkley Point, wo der Steuerzahler einen garantierten Abnahmepreis übernehmen muss.

    Wenn eine Industrie auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Einführung so komplett vom Staat abhängig ist, kann man sie ruhig als gescheitert ansehen.
    Wo bleibt denn weltweit die viel beschworene „Renaissance“ der Kernenergie?

    Nebenbei, was das Prozentrechnen betrifft, so verbreiten Sie ruhig weiter, nein nicht Ihre Ahnungslosigkeit, sondern Ihre bewusste Falschinformation.
    Mein Angebot: Ich sende Ihnen einen Artikel mit meiner Darlegung, den Sie dann auf Ihrer Website veröffentlichen. Ein faires Angebot, oder nicht?

  5. Gerald Pesch

    Herr Schleck, wir haben bewusst auf eine Diskussionsseite auf unserer Internetseite von Gegenpol Ostbelgien verzichtet weil der Zeitaufwand für die Moderation von uns nicht zu stemmen ist. Wir werden deswegen auch keine Zuschriften veröffentlichen. Es steht ja jedem frei eine eigene Webseite zu erstellen, in der einfachen Form wie unsere ist es komplett kostenlos.

  6. Norbert Schleck

    Na gut, dann bleibt eben nur, hier immer wieder auf die hanebüchene Prozentrechnerei unserer Gegenpoler hinzuweisen…

    Was Frankreich betrifft, so sei auf den Artikel „Das Märchen vom billigen Atomstrom“ verwiesen:

    „Nach einem Bericht des obersten Rechnungshofes in Frankreich kosteten die Erforschung, Entwicklung sowie der Bau der französischen Kernkraftwerke insgesamt 188 Mrd. Euro. Da in Frankreich die „zivile“ und die militärische Nutzung der Atomkraft nicht zu trennen sind, liegt die Summe vermutlich wesentlich höher.
    Die Nachrüstung der überalterten französischen Reaktoren wird über 55 Milliarden kosten. Die Zeitschrift Liberation berichtet von Nachrüstkosten von fast 100 Milliarden bis zum Jahr 2030.“

    „Laut einem Bericht des französischen Wirtschaftsministeriums hatte die halbstaatliche EDF Ende 2019 rund 41 Milliarden Euro Schulden und bis 2028 sollen es fast 57 Milliarden Euro (57.000.000.000) sein.“
    Aber der Staat übernimmt die natürlich…

    Und so weiter…
    Und das bei einer „Zukunftsindustrie“!

    Auch alles „Zahlentricksereien“?

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150