Autodiebe nutzen moderne Technik aus – Gefahr durch „Mouse Jacking“

Dass Hacker im Internet unterwegs sind und versuchen, Bankkonten zu plündern, ist bekannt. Doch: Gehackt wird nicht nur im Netz, sondern auch auf offener Straße. Die Täter: Autodiebe. Ihre Waffe: Funksignale. "Mouse Jacking" nennt sich die Technik.

Auto-Startknopf (Illustrationsbild: © westernstudio/Panthermedia)

Illustrationsbild: © westernstudio/Panthermedia

Der Begriff „Mouse jacking“ ist eigentlich als Methode bekannt, um einen Computer anzugreifen. Opfer sind Nutzer, die mit Funkmäusen arbeiten, die aber nicht verschlüsselt sind. Über so eine schnurlose Maus kann ein PC gehackt werden, selbst wenn er nicht mit dem Internet verbunden ist.

Ganz ähnlich verschaffen sich Diebe Zugang zu modernen Autos, die sich ja immer mehr zu Computern auf Rädern entwickeln. So steckt im Bordcomputer viel Software, die aber leider zum Teil große Sicherheitslücken hat. Darüber berichtet am Dienstag die Zeitung La Meuse. Der Chef der Polizeizone von Nivelles warnt darin, dass die Infotainement-Systeme oft zu billig produziert sind, weil die Autohersteller eher in den Komfort investieren als in die Cybersicherheit.

Allerdings: Insgesamt nehmen die Zahlen von Autodiebstählen ab. In der Statistik der Föderalen Polizei ist ersichtlich, dass vor fünf bis sechs Jahren in Belgien fast 9.000 Autos gestohlen wurden. Im vergangenen Jahr waren es etwa 4.800 – also etwas mehr als die Hälfte der damaligen Zahlen.

Erste Schwachstelle bei modernen Autos ist das sogenannte Keyless-System. Keyless heißt „ohne Schlüssel“ und damit ist gemeint, dass das Auto geöffnet und gestartet wird, ohne dass der Fahrer den Schlüssel aus der Tasche holen müsste. Diebe greifen das Funksignal des Fahrzeugschlüssels ab. Das geht mit Spezialgeräten oder auch schon mit einem Kabel als Antenne, die das Signal des Fahrzeugschlüssels an den Empfänger im Auto weiterleitet. So kann der Wagen geöffnet werden. Je näher das Auto zum Keyless-Schlüssel steht, umso geringer die Entfernung, umso leichter ist das Funksignal zu orten. In Einfamilienhäusern zum Beispiel werden Autoschlüssel meistens direkt hinter der Eingangstür abgelegt oder hingehängt, in der Garderobe, wo auch die Jacken und Taschen sind. Und da kann das Signal gut abgegriffen werden.

Um vorzubeugen können Autobesitzer mit Keyless-System aus eigener Tasche in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen investieren und zum Beispiel das Auto mit einer unabhängigen Alarmanlage ausstatten. Oder man spart sich beim nächsten Autokauf den teuren Keyless-Schlüssel und gibt sich mit einem klassischen Schlüssel zufrieden – wenn man denn die Wahl hat.

Ansonsten gibt es ein paar Tipps für den Alltag: Das Auto sollte wenn möglich in der Garage stehen. Der Autoschlüssel sollte nicht nahe der Haustür hängen, sondern innen im Haus. Einige Autohersteller bieten auch an, das teure Keyless-System wieder zu deaktivieren. Das können die Fahrer manchmal am Bordcomputer selbst machen, manchmal muss man dafür aber in die Werkstatt. Man könnte auch das Lenkrad mit einer Kralle verriegeln – der Dieb könnte zwar immer noch das Auto knacken, aber nicht damit fahren. Helfen kann auch den Autoschlüssel in Alufolie zu wickeln, damit Autodiebe die Funksignale nicht abfangen können.

lameuse/adac/jp