Sommer, Sonne, Getränkepfand: Bredene zieht positive Bilanz nach Testprojekt am Strand

Viel trinken gilt als einer der wichtigsten Hitze-Tipps - insbesondere dort, wo es wenig Schatten gibt, etwa am Strand. Wo viele Wasserflaschen geleert werden, bleibt allerdings oft auch viel Müll zurück. Im beliebten Küstenort Bredene in Westflandern ist man diesen Sommer einen neuen Weg gegangen.

Getränkepfand am Strand von Bredene (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Getränkepfand am Strand von Bredene (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Die belgische Küste ist bei Urlaubern aus dem In- und Ausland beliebt wie eh und je. Das belegen auch die jüngsten Zahlen. Die Zeitung Gazet van Antwerpen schreibt am Dienstag von einem der „vollsten Wochenenden aller Zeiten“. Schätzungen gehen für das vergangene lange Wochenende von 880.000 Übernachtungen aus, plus noch einmal 400.000 Tagestouristen.

Bredene, Strand und Düne

Der Strand und die Dünen von Bredene (Bild: Thierry Roge/Belga)

65 Tonnen Abfall an einem einzigen Wochenende

Menschenmassen bedeuten allerdings leider auch immer Massen an zurückgelassenem Müll. Teilweise kümmern sich sogar Freiwillige darum, die Küste abends wieder präsentierbar zu machen. Hunderte bis Tausende Liter Müll sammeln sie allein etwa auf dem 700 Meter langen Strandabschnitt zwischen Hafen und Kursaal von Ostende ein. Insgesamt ist es aber natürlich viel, viel mehr. Ostendes Bürgermeister Bart Tommelein spricht von 65 Tonnen Abfällen, die die Reinigungsdienste der Stadt Samstag und Sonntag hätten abtransportieren müssen.

Dabei finden die Reinigungskräfte alles Mögliche: von Zigarettenstummeln über dreckige Windeln und verloren gegangener Bade- und Strandausrüstung bis hin zu zahlreichen Verpackungen und natürlich auch immer wieder leeren Flaschen und Dosen. Zumindest gegen letztere will unter anderem die Küstengemeinde Bredene endlich ein deutlich aktiveres Vorgehen. Deswegen hat die westflämische Gemeinde von Mitte Juli bis Mitte August ein neues Testprojekt mit Getränkepfand durchgeführt.

20 Cent Pfand auf verkaufte Flaschen und Dosen

Das Vorgehen war dabei denkbar einfach: Alle Plastikflaschen und Getränkedosen, die an verschiedenen Kiosken und Strandbars in Bredene verkauft wurden, bekamen einen Aufkleber. Die Käufer wurden für das Pfand mit 20 Cent zusätzlich zur Kasse gebeten, die sie bei der Rückgabe wieder ausgezahlt bekamen.

Er habe vor allem vor einer Sache Angst gehabt, sagt ein Getränkeverkäufer gegenüber der VRT: Nämlich, dass sich die Kunden über die teureren Preise beschweren und auf die Barrikaden gehen würden. Aber Fehlanzeige: Keine einzige negative Reaktion habe es gegeben. In dieser Hinsicht sei es für ihn also sehr positiv gelaufen.

Überraschend hohe Rückgabequote

Aber die Kundenreaktion ist das eine, der Erziehungseffekt das andere. Und auch hier vermeldet Bredene einen Erfolg, sogar mehr Erfolg als erwartet. Bis zu 90 Prozent der Pfandflaschen und -dosen seien zurückgebracht worden, bestätigte der Bürgermeister von Bredene, Steve Vandenberghe. Gehofft habe man auf vielleicht 50 bis 70 Prozent. Die überraschend hohe Quote und die positiven Reaktionen der Kunden hätten auch die anfangs skeptischen Getränkeverkäufer überzeugt.

90 Prozent zurückgebrachte Getränkebehälter bedeutet aber nicht, dass zehn Prozent am Strand geblieben wären. Wahrscheinlich seien die fehlenden Flaschen und Dosen von Menschen in ihre Fahrzeuge, nach Hause oder an andere Orte mitgenommen worden, so Umweltschöffin Kelly Spillier. Am Strand von Bredene seien jedenfalls keine Getränkebehälter mit Pfandaufklebern gefunden worden. Das sei natürlich positiv.

Hoffnung auf Ausweitung des Pfand-Modells am Strand

Für die Bredener ist damit also klar: Ein allgemeines Pfandsystem für Dosen und Flaschen kann funktionieren und die Müllmengen am Strand reduzieren. Allerdings wisse man auch, dass einige Parteien die Einführung eines allgemeinen Getränkepfands seit Jahren blockierten, so der Vooruit-Bürgermeister von Bredene. Dennoch werde man weiter Druck für ein solches System ausüben und man hoffe, dass die Regionalregierung den Mut finden werde, die Sache endlich in Angriff zu nehmen.

Zumindest in Bredene könnte das Getränkepfand jedenfalls auch nächstes Jahr wieder genutzt werden. Zumindest wenn es nach ihr gehe, so Umweltschöffin Spillier. Sie hoffe, dass Bredene im kommenden Jahr nicht mehr der einzige Ort mit so einem System sein werde. Und dass es, wenn die Unterstützung groß genug sei, auf alle Strandbars entlang der Küste ausgeweitet werde.

Boris Schmidt