Brüssel: Neuer Mobilitätsplan soll Durchgangsverkehr reduzieren und zum Umdenken animieren

Menschen, die mit dem Auto durch das Brüsseler Stadtzentrum fahren wollen, sollten sich das in Zukunft besser zwei Mal überlegen - oder mehr Zeit und Geduld mitbringen. Denn seit Dienstag gilt im Innenstadtbereich ein neuer Verkehrsplan.

Illustrationsbild: Jonas Roosens/Belga

Illustrationsbild: Jonas Roosens/Belga

„Good Move“, übersetzt etwa „gute Bewegung“, ist der Name des neuen Mobilitätsplans für die Region Brüssel-Hauptstadt. Mit dessen Umsetzung ist am Dienstag begonnen worden – und zwar im Zentrum, also dem Bereich des Stadtgebietes, der vom sogenannten „Kleinen Ring“ in der groben Form eines Fünfecks begrenzt wird. Der Good-Move-Plan betrifft aber bei Weitem nicht nur den Innenstadtbereich, sondern in Zukunft wird sich auch für diverse umliegende Stadtgemeinden der Hauptstadtregion einiges ändern.

30 Eingriffe in bisherige Verkehrsführung – und das ist erst der Anfang

Es sei ein umfangreiches Projekt, räumte der Brüsseler Schöffe für Mobilität, Bart Dhondt, am Dienstagmorgen bei Radio Eén ein: Rund 30 Eingriffe in die bisherige Verkehrsführung, um Menschen zu entmutigen, durch die Innenstadt hindurchzufahren. Stattdessen soll dieser Durchgangsverkehr in Richtung des Kleinen Rings geleitet werden.

Gleichzeitig umfasst der Mobilitätsplan aber noch weitere Ziele: Es solle mehr Platz geschaffen werden beziehungsweise der öffentliche Raum solle umverteilt und dadurch attraktiver und lebenswerter gemacht werden, so der Groen-Politiker. Das bedeute mehr Fahrradstraßen und -infrastruktur, mehr Platz für Fußgänger und für die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber auch damit nicht genug: Neben Änderungen in der Verkehrsführung sollen bestimmte Straßen nur noch für Anwohner und Lieferanten mit Ausnahmegenehmigungen befahrbar sein.

Weiter alle Straßen erreichbar – aber der Ansaugeffekt soll begrenzt werden

Alle Straßen in der Stadt blieben erreichbar, betonte Dhondt, allerdings eben nicht mehr in gerader Linie. Denn das sorge für einen enormen Ansaugeffekt, also dafür, dass weiterhin alle Menschen ihr Auto benutzen würden, um zu ihrem Ziel zu kommen. Für Menschen, deren Ziel gar nicht in der Innenstadt liege, die die Innenstadt bisher also nur als Abkürzung genutzt hätten, werde es deutlich attraktiver, stattdessen gleich über den Kleinen Ring zu fahren.

Es sei natürlich weiter erlaubt, mit dem Auto ins Stadtzentrum zu fahren. Aber man werde mittels des neuen Mobilitätsplans auf die Nutzung der existierenden Alternativen drängen. 80 Prozent der Menschen, die die Hauptstadt besuchten, kämen ja schon jetzt nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug. Für diese 80 Prozent werde der Aufenthalt im Zentrum so noch einfacher und angenehmer. Und was die restlichen 20 Prozent betreffe, so werde man auch durch ab September kostenlose Park&Ride-Parkplätze, durch Parkleitsysteme und durch den Ausbau des Nahverkehrsnetzes versuchen, sie nach Möglichkeit zum Umsteigen zu bewegen.

Sinneswandel bei Geschäftsleuten – Fußgängerzonen locken mehr Kunden an

Selbst bei den in der Innenstadt ansässigen Händlern und Geschäftsleuten habe man mittlerweile einen Sinneswandel festgestellt, so Dhondt. Die hatten sich in der Vergangenheit ja heftig gegen eine Verkehrsberuhigung und die Ausweitung der Fußgängerzonen gewehrt. Aber die Fußgängerzonen lockten mehr Menschen und damit Kunden an.

Bis sich die Menschen an die neue Verkehrsführung gewöhnten, werde es natürlich dauern. Das sei klar, denn alte Gewohnheiten ändere man schließlich nicht über Nacht. Deswegen habe man auch beschlossen, jetzt im Sommer zu beginnen, also zu einer Zeit mit weniger Verkehr als sonst. Wirklich wissen, was funktioniere und wo gegebenenfalls nachgebessert werden müsse, werde man auch erst in fünf bis sechs Monaten. Und selbstverständlich bleibe Kommunikation, Information und eine Begleitung der Autofahrer wichtig, so Dhondt.

Boris Schmidt