Lieferengpässe am (nicht) laufenden Band

Bei so manchen Produkten sind die Lieferzeiten länger denn je. Es kann sein, dass man ein Jahr auf einen neuen Kühlschrank, einen Geschirrspüler oder ein Auto warten muss. Die logistischen Probleme und Engpässe lassen nicht nach.

traditioneller Dijon-Senf im Glas

© Dream79/Panthermedia

Die Corona-Pandemie hatte bereits die Schwachstellen in den Lieferketten aufgedeckt. Das Just-in-Time-Prinzip funktioniert nicht, wenn Häfen und Industriestädte im Lockdown sind. Aber auch der Brexit, der Krieg in der Ukraine, Streiks, Industriebrände und nicht zuletzt die Dürre verursachen Probleme.

Bei Autos fehlt es an Halbleitern. Im März 2021 brach bei einem großen japanischen Chiphersteller, der fast ausschließlich die Automobilbranche beliefert, ein Feuer aus. Infolgedessen wurde die Produktion für Monate eingestellt.

Bei Küchen und Küchengeräten gibt es auch Lieferfristen von drei Monaten bis zu einem Jahr. Küchen werden zum Großteil aus Holz und Metall hergestellt, also aus Rohstoffen, die derzeit knapp sind. Und auch in Geschirrspülern stecken Mikrochips.

Für die Installation von Solarmodulen muss man Wartezeiten von bis zu sechs Monaten in Kauf nehmen. Wer Aluminium-Fenster möchte, muss nicht nur länger warten, sondern auch höhere Preise in Kauf nehmen.

Papier und Karton

Was nach wie vor zeitig geliefert wird, sind Zeitungen und Zeitschriften. Aber so manches Magazin musste auf anderem Papier gedruckt werden. Während der Corona-Krise hat das massive Online-Shopping die Nachfrage nach Verpackungsmaterial erhöht.

Andererseits stieg auch die Nachfrage nach Papier, weil die Menschen häufiger Zeitungen und Zeitschriften kauften. Doch während die Nachfrage stieg, wurde die Produktion von Papier und Karton durch einen Mangel an Arbeitskräften und einen starken Anstieg der Holzpreise behindert.

„Außerdem hat unser Papierhersteller UPM in Finnland ab Januar monatelang gestreikt“, sagt Peter Leroy, Produktionsleiter bei Roularta Printing. „Wir waren mit einer akuten Papierknappheit konfrontiert. Glücklicherweise hatten wir gerade einen großen Bestand aufgebaut und konnten die Zeit recht gut überbrücken, auch wenn wir nicht immer die geforderte Qualität liefern konnten, weil wir uns mit den verfügbaren Alternativen begnügen mussten.“

Energie

Es gibt auch Branchen, wo sich die Lage wieder zu erholen scheint. Sollte es aber trotz der getroffenen Maßnahmen in diesem Winter zu einem Gasmangel kommen, droht neues Ungemach. Viele Industrieunternehmen könnten davon betroffen sein.

Unternehmen, die viel Energie für ihre Produktion benötigen, werden ihre Produktion einschränken oder sogar einstellen müssen. Das gilt unter anderem für Chemie- oder Holzunternehmen und Fabriken, die zum Beispiel Ziegelsteine herstellen. Für die ist Gas ein wichtiger Rohstoff.

Das Chemieunternehmen BASF hat zum Beispiel erst letzte Woche angekündigt, seine Produktion von Ammoniak, einem Grundstoff für Düngemittel, zu reduzieren. Das wiederum wird sich unter anderem auf die Kosten der Landwirte und die Produktion von Getreide für die Tierfütterung auswirken. So entsteht ein Dominoeffekt.

Oliven- und Sonnenblumenöl

Die Olivenbauern in Italien und Spanien sind sehr besorgt über die Ernte in diesem Sommer. Die lang anhaltende Hitze und Trockenheit der letzten Monate droht die Produktion von Olivenöl im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zu verringern. So warnt jedenfalls der spanische Landwirtschaftsminister.

Und auch der Vorsitzende einer Olivenölkooperative aus der Toskana, Philippo Legnaoili, klingt nicht zuversichtlich. Der Wassermangel hat den Prozess beim Olivenwachstum gestört, sagt er.

Da der Konflikt in der Ukraine auch die Ausfuhren von Sonnenblumenöl beeinträchtigt, dürften die Preise für Pflanzenöle in den kommenden Monaten in die Höhe schnellen.

Und auch der italienische Wein- und Obstsektor gibt Anlass zur Sorge. Auch dort stehen die Erzeuger von Weintrauben, Aprikosen, Pfirsichen und Birnen wegen der Dürre vor großen Problemen.

Frankreich leidet unterdessen unter akutem Senf-Mangel. Das Land bezieht 80 Prozent seines Produktionsbedarfs an Senfkörnern aus Kanada. Dort herrschte aber im vergangenen Jahr eine schwere Dürre. Die Folge: eine miserable Senfernte. In den wenigen Geschäften, in denen es noch Senf zu kaufen gibt, wird er oft rationiert – auf ein bis zwei Gläser pro Person. Auch viele Gastronomen kommen im Land der Saucen und der Vinaigrette in die Bredouille.

knack/vrt/ard/mz/km