Tausende Brieftauben verschwunden: Belgische Züchter am Boden zerstört

Vor einigen Monaten wurde eine belgische Brieftaube für einen Rekordbetrag verkauft: Rund 1,6 Millionen Euro soll ein chinesischer Käufer für das Tier auf den Tisch gelegt haben. Das zeigt, dass hier keine "Spaßvögel" am Werk sind. Jetzt ist die Szene aber in Aufruhr: Tausende Tauben sind verschwunden.

Brieftauben

Illustrationsbild: Yves Boucau/Belga

„So hart es klingt, das ist kriminell!“. In der RTBF machte ein Brieftaubenzüchter seinem Ärger Luft. So wütend war der Mann aus der Provinz Hennegau, dass er nicht wollte, dass man seinen Namen nennt. „Kriminell“, weil viele Züchter gerade vor den Scherben ihrer manchmal jahrelangen Arbeit stehen.

Tatort: Narbonne in Südfrankreich. Dort fand vor einigen Tagen der Start eines Distanzfluges statt. Die Saison hat gerade erst begonnen. Brieftaubenzüchter lieben solche Wettbewerbe. Nicht umsonst nennt man die Taube das „Rennpferd des kleinen Mannes“. Das Prinzip ist ganz einfach: Die Tauben werden alle in einem Transportwagen zur Startposition gefahren, wo dann „aufgelassen“ wird, wie es in der Fachsprache heißt. Und dann müssen die Vögel eben so schnell wie möglich den Weg zurück zum heimischen Taubenschlag finden, was ihnen dank ihrer einzigartigen Fähigkeiten ja in der Regel auch gelingt.

Diesmal allerdings war das nicht der Fall. 26.000 Tauben wurden „aufgelassen“, im Augenblick sind aber immer noch 18.000-20.000 Tiere unterwegs, sagt der Brieftaubenzüchter. Gerade einmal 6.000 Tauben haben also bislang den Weg nach Hause gefunden. Von den bis zu 20.000 verschwundenen Tieren kommt rund die Hälfte aus Belgien.

„Das hab‘ ich noch nie erlebt“, sagte in der VRT der Züchter Geert De Schepper. Zehn Tauben hatte er in Narbonne am Start. Nur drei haben es zurück geschafft, sie sind am Wochenende eingetrudelt.

„Kann passieren“, würde der Laie jetzt vielleicht denken. Dem ist aber nicht so. Was in Narbonne passiert ist, das ist ganz klar die Ausnahme, nicht die Regel. Schuld trägt allein der Organisator des Wettbewerbs, wettern die betroffenen Züchter. Jeder wusste, dass am Auflasstag in der Region Narbonne schlechtes Wetter angekündigt war, sagt etwa Geert De Schepper: „Gewitter, Blitze, Starkregen, das ist tödlich für Tauben. Und doch wurden sie aufgelassen. Wir verstehen das nicht!“

Aber wer kann schon garantieren, dass die Tauben auf ihrer gesamten Route keinem Unwetter begegnen? Nun, natürlich kann man das nicht, erläutert der Brieftaubenzüchter aus dem Hennegau. Entscheidend ist allein der Start. Wenn die Vögel im Transporter am Auflassort ankommen, dann sind sie noch ein wenig verwirrt. Sie müssen sich dann erstmal orientieren. Und genau dann müssen die Bedingungen stimmen.

Wenn man die Tauben in einem Gewitter auflässt, dann ist es vorbei. Wenn die Tauben dagegen einmal unterwegs sind und ihre Orientierung gefunden haben, dann können sie mit widrigen Wetterbedingungen problemlos umgehen.

Ein guter Start ist also alles, das musste natürlich auch der Veranstalter wissen. Wegen dieser unverzeihlichen Nachlässigkeit stehen viele jetzt vor einem Desaster, tobt der Züchter aus dem Hennegau. „An einem Wettbewerb wie dem in Narbonne nehmen in der Regel dreijährige Tauben teil. Können Sie sich vorstellen, wie viel Arbeit da drinsteckt?“ Arbeit und auch Geld.

Belgische Tauben sind unter Kennern sehr begehrt. „Es kann durchaus sein, dass unter den teilnehmenden Tauben auch eine dabei war, die mal locker 30.000-40.000 Euro wert war“, sagt Geert De Schepper. „Hier wurde auch verdammt viel Kapital vernichtet.“

Der Verband der belgischen Brieftaubenzüchter kam sogar zu einer außerordentlichen Krisensitzung zusammen. Mit einer Entschädigung sei nicht zu rechnen. Deswegen auch ein verzweifelter Appell: Alle Tauben seien mit einem Ring markiert. Wer einen dieser Vögel findet, der möge bitte mit dem Verband über dessen Webseite Kontakt aufnehmen.

Roger Pint

17 Kommentare
  1. Goretzki Lothar

    Ich bin seit 1972 aktiver Brieftauben Züchter aber solch ein Flug habe ich noch nicht gehört und auch noch nicht mit gemacht es wird rv und Verbandsbeitrag jedes Jahr bezahlt und die Kosten werden jedes Jahr teurer man muß den Verband verklagen der Verband müßte zwei Drittel an Kosten für jeden Züchter zahlen und die rv 1 Drittel die sind uns jedes Jahr nur an melken. Gut Flug Züchter aus rv Bottrop.

  2. Anita Bummer

    Hallo

    Bei uns saß eine Brieftaube, sie war verletzt. Wir wollten sie von einem Züchter abholen lassen, nur bis der kam war sie verstorben. Es definitiv keine deutsche Taube.

  3. Melanie Friese

    Folgende Informationen sind nun wichtig für etwaige Finder: Eine Brieftaube trägt immer zwei Ringe. Man kann die Nummern dem Verband mitteilen, diese stellen den Kontakt zum Züchter her. Wer eine entkräftete Taube findet, bitte in den Schatten setzen und Wasser bereitstellen, manche ruhen sich ein paar Tage aus. Man kann auch einen Wäschekorb mit Löchern überstülpen zum Schutz vor Fressfeinden. Auf jeden Fall ist jeder Züchter sehr dankbar für ihre Hilfe. Rassetauben haben übrigens nur einen Ring.

  4. Dennis Kusitzky

    Es ist unverständlich, wieso dieser „Sport“ überhaupt noch erlaubt ist. Die Tauben fliegen ja nicht „freiwillig“ diese Strecken. Oft haben sie einfach Ihren Partner im Taubenschlag oder sind gar am brüten. Jeder sollte sich vor Augen führen, dass alle Stadttauben in den Städten ausschließlich von Haus- und sogenannten Brieftauben abstammen. Da könnten sich die Ehrenamtler*innen noch so viel Mühe vor Ort mit der Bestandskontrolle bei den Stadttauben geben – für Nachschub sorgen die Brieftaubenzüchter*innen. Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft wird immer wieder beringte Tauben sehen. Und wenn dann eine dieser Brieftauben verletzt oder völlig entkräftet bei den Ehrenamtler*innen im Taubenschutz landet, weigern sich die Züchter auch noch ihre Tiere zurückzunehmen. Aussagen wie „die hat keinen Wert mehr für mich“ oder „Sie können die Taube entsorgen“ sind leider nicht selten.

  5. Johann Schaufler

    Ich habe in den 90er Jahren viele Brieftaubentransporte gefahren, ohne Handy und Satellitenwetter und Navi. Das ging schon manchmal schief mit dem Wetter. Aber heute noch solche Verluste mit den Informationen ? Unfähigkeit der Flugleitung. Schade.

  6. Christel Conradt

    Wer Brieftauben nach China verkauft der gehört selbst nach China verschickt ohne luftlöcher im Karton und bitte Karton oft in der Sonne stehen lassen!!

  7. Monika Dubielzig

    Bei uns im Garten in Mönchengladbach ist gestern ein Taubenpärchen gelandet,eine mit einem blauen und einem grünen Fussring und die Andere mit einem roten und einem weißen Fussring. Die Taube mit den blauen und grünen Ringen war wohl an einem Flügel verletzt und ist durch den ganzen Garten bis zur Straße gehumpelt,aber sie hat sich nicht fangen lassen. Über den weiteren Verbleib kann ich leider nichts sagen.

  8. Manuela.fink

    Ich sehe gerne Tauben zu igal ob Stadttauben oder andren Tauben sie sind meine lieblings Vogel

  9. Bernhard Kemnitz

    Seit gestern ist hier in Werder-Havel eine entkräftete Brieftaube gestrandet.
    Schon mal habe ich vor kurzem 14 Tage das Tier aufgepäppelt. Die Taube hatte sich im Hühnerstall wohlgefühlt. Nachdem es ihr gut ist sie auf Nimmerwiedersehen weiter geflogen.

  10. Erich Schröder

    Stadttauben sind keine Brieftauben !!!
    Ich hoffe es kommen noch Tauben nach Hause.

  11. Janina Wisbar

    Im Moment sind alle Taubenhilfe Vereine und privaten Päppler einem wahren Brieftauben Regen ausgesetzt. Überall stranden völlig entkräftete und verletzte Tiere. Die Züchter möchten ihre „Verlierer“ meistens nicht zurück und auch sonst keine Verantwortung übernehmen. Das ist schade und wirft kein gutes Licht auf diesen Sport. Warum ist es erlaubt Tiere hunderte Kilometer von zu Hause auszusetzen wenn nachweislich viele sterben. Einige bleiben bei den Stadtschwärmen und vermehren sich weiter, auch das ist nachzuweisen. Leider übernimmt der Verband keinerlei Verantwortung. Taubensport ist Taubenmord !

  12. Lutz-René Jusczyk

    Was lernen wir daraus?
    – Nachrichten besser per Post oder E-Mail anstatt per Brieftaube verschicken, dann ist die Ankunft beim Empfänger halbwegs gesichert. 😄

  13. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr jusczyk.

    Es gibt sowohl schlechte und gute Brieftauben als auch schlechte und gute Postzusteller.

    Während des ersten Weltkrieges wurde sogar die amerikanische Brieftaube „Cher Ami“ mit dem „croix de guerre“ ausgezeichnet.

  14. Michi Hönegger

    Bei uns hat sich eine Taube verirrt und blieb 1 Woche bei uns. Danach war sie plötzlich weg. Das war ca. vor 1 Monat.
    Sie hatte an einem Fuss einen pinken und weissen Ring, am anderen Fuss einen schwarzen Ring.

  15. Guido Scholzen

    Vielleicht war nicht nur das Wetter am Verschwinden dieser vielen unschuldigen Brieftauben schuld.🤔
    Warten wir mal ab; in zwei Wochen wird sich bestimmt ein grüngesinnter „Experte“ melden, der nachweisen kann, dass der Klimawandel schuld war.😁😁😁

  16. lydia zink

    Definitiv ist der Tazbensport Tierquälrei und jeder Züchter in meinen Augen ein Verbrecher. Habe schon Brieftauben gerettet und die Besitzer ausfindig gemacht. Sie wollten die Taube gar nicht wieder und sagten sie würden dieser eh nur den Hals umdrehen 😡 Sie würden nichts taugen.
    Ferner sollte man sich das Elend der Stadttauben zu Gemüte führen, denn wie der Virus Mensch mit den Tauben umgeht ist eine Schade.

  17. Kerstin Franke

    Bei uns wohnt seit 4 Wochen eine Taube. Sie kommt immer zum schlafen zu uns auf Terrasse. Sie hat einen blauen und einen silbernen Fussring. Fotos sind vorhanden, die Nummern kann man leider nicht komplett erkennen. Taube darf sehr sehr gerne abgeholt werden.