Brüssel beeindruckt auf dem Weg zur klimafreundlichen Stadt

Kopenhagen und Amsterdam gelten in Europa als leuchtende Beispiele dafür, wie man es schaffen kann, eine Großstadt lebenswert und angenehm für ihre Bürger zu gestalten: Ohne viel Autoverkehr, mit viel Grünanlagen und guter Luft. In ein paar Jahren könnte auch Brüssel in einem Atemzug mit Kopenhagen und Amsterdam genannt werden. Denn die Bemühungen der Hauptstadtregion fangen an, auch international anerkannt zu werden.

Fahrradfahrer in Brüssel (Archivbild: Eric Lalmand/Belga)

Fahrradfahrer in Brüssel (Archivbild: Eric Lalmand/Belga)

„Mutig voran beim Klimaschutz im Verkehr“ hieß die Veranstaltung von der Landesvertretung Baden-Württemberg bei der EU in Brüssel. Dort war es um klimafreundliche Städte und Regionen in Europa gegangen. Beispiele aus Baden-Württemberg, Norwegen, den Niederlanden und Ungarn, wo überall versucht wird, gerade in größeren Städten den Autoverkehr deutlich einzuschränken, um die Luftqualität zu verbessern, mehr Platz für eine andere Mobilität zu schaffen und dadurch die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen.

Zum Schluss der Veranstaltung sollte dann ein Spaziergang konkrete Beispiele zeigen, wie das in Brüssel passiert. Die Auswahl der Plätze, die dabei besichtigt werden sollten, folgte einem Plan. Damiaan, aus dem Kabinett von Brüssels Raumplanungs-Staatssekretär Pascal Smet, erklärt: „Bei der Tour geht es nicht darum, nur die tollen Vorzeigeprojekte zu präsentieren, sondern auch die Beispiele zu zeigen, die man aus heutiger Sicht nicht mehr gut findet und wo eine Umgestaltung geplant ist oder schon stattfindet.“

Sünden der Vergangenheit

Der Schuman-Platz war die erste Station der Tour gewesen. Zwar hat sich auch hier schon etwas verändert, aber es soll noch weiter gehen. Damiaan hatte auf einem Bild gezeigt, wie der zentrale Kreisverkehr bei den Hauptgebäuden der EU-Kommission und des EU-Rats in ein paar Jahren aussehen soll: Nur noch eine Spur für Autos, eine extra Spur für Busse und Taxis, ansonsten viel Grün und ein hochgelegener Park.

Von dort ging es zu Fuß über die Rue de la Loi, vorbei an zahlreichen Autos im täglichen Berufsverkehr bis auf den kleinen Ring. Damiaan zeigt wieder ein Bild, wie es vorher war. Noch vor zwei Jahren gab es hier nicht den breiten Fahrradweg, neben dem wir jetzt stehen. Früher war das hier eine Straße für Autos.

Wir gehen weiter Richtung Innenstadt. Bei der Nationalbank halten Damiaan und Ben – beide vom Kabinett des Brüsseler Raumplanungs-Staatssekretärs Pascal Smet – uns wieder an. Hier hatte man in den 60er Jahren einen Highway für Autos bis ins Zentrum geplant und zu großen Teilen auch umgesetzt.

Auch über das Viertel am Nordbahnhof sprechen die beiden jetzt. Über die Sünden der Vergangenheit, die man bereits zu beseitigen begonnen habe.

Metamorphose

Über die Grand Place geht es dann schon zur letzten Station: Die Fußgängerzone und die zentrale Place Brouckère. „Hier in der Fußgängerzone endet die Tour“, erklärt Damiaan. „Hier, im Herzen der Stadt, hat die Metamorphose bereits stattgefunden. Das ist ein guter Ort, um zu zeigen, was alles möglich ist in Brüssel.“

Den Teilnehmern hat es gefallen. Applaus für Damiaan und Ben. Dann ein paar durchaus begeisterte Reaktionen am Mikrofon des BRF. Zuerst Johanna aus dem Raum Stuttgart: „Ich fand die Tour sehr interessant. Ich finde es gut, dass so viel gemacht wird.“

Mut zur Veränderung

Ähnlich sieht es Veronika aus Österreich: „Das hat mich schon sehr beeindruckt, die Unterschiede zu sehen: Wie hat es früher ausgeschaut, wie sieht es jetzt aus. Weil oft reden die Leute ja nur: Wir wollen etwas verändern. Und dann wirklich zu Plätzen zu kommen und zu sehen, dass diese Veränderungen wirklich umgesetzt werden. Das ist wirklich schön zu sehen, dass das passiert.

Auch Christoph Erdmenger, in der Regierung von Baden-Württemberg, Leiter der Abteilung nachhaltige Mobilität, gibt sich beeindruckt: „Es war ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich eine Stadt verändert hat, wie sie ihr Bild verändert hat, wie nachhaltige, umweltfreundliche Verkehrsmittel viel mehr Raum bekommen haben. Und wie offenbar Politikerinnen und Politiker und die Planer den Mut hatten, diese Änderungen auch vorzunehmen. In dem Wissen, dass hinterher oft die Akzeptanz sehr groß ist, aber vorher natürlich die Skepsis auch.“

Internationale Anerkennung

Brüssels Bemühungen um mehr Klimafreundlichkeit sind vor kurzem auch von der EU-Kommission belohnt worden: Brüssel kann an dem EU-Programm „100 klimaneutrale und smarte Städte“ teilnehmen. Fast 400 Städte hatten sich für das Programm beworben.

Damit will die EU-Kommission die Bemühungen der 100 ausgewählten Städte unterstützten, bis 2030 klimaneutral zu werden. Aus Belgien haben es außer Brüssel noch die Städte Antwerpen, Löwen und La Louvière in das EU-Programm geschafft.

Kay Wagner