Waffen in Belgien nicht einfach so zu kaufen

Immer wenn es in den USA zu einer Tragödie oder einem Massaker mit Waffen kommt, sehen wir mit Staunen, dass es in manchen US-Bundesstaaten einfacher für einen 18-Jährigen ist, eine Waffe zu kaufen, als Alkohol. Doch wie ist die Lage in Belgien?

Waffe (Bild: Blastam/PantherMedia)

Bild: Blastam/PantherMedia

In Belgien bezahlt man eine Schusswaffe auch mit Geduld. Ein zukünftiger Waffenbesitzer muss erst mal mehrere Wochen in einem Schießstand trainieren. Wenn der Ausbilder der Meinung ist, dass sein Schüler in der Lage ist, die Waffe zu benutzen, wird er ihn anmelden, um eine praktische und theoretische Prüfung abzulegen.

Wenn man die Prüfung besteht, erhält man die Genehmigung und muss mit dem Dokument, das bestätigt, dass man für den Gebrauch einer Waffe geeignet ist, bei der Polizei vorstellig werden. Dieses Verfahren kann mehr als sechs Monate dauern. Ein Bewerber muss auch unbedingt ein leeres Strafregister haben. Außerdem muss die Zustimmung aller Personen, die im selben Haushalt leben, vorliegen, damit die Genehmigung erteilt werden kann.

Die Haltebewilligungen für eine Schusswaffe werden von den Provinz-Gouverneuren ausgestellt, die alle fünf Jahre eine Überprüfung veranlassen. Dabei wird überprüft, ob alle Waffen-Inhaber das Gesetz einhalten und sie die Voraussetzungen für die Erteilung dieser Genehmigungen und Zulassungen noch erfüllen.

Provinz Hennegau Nr. 1 der legalen Waffenbesitzer

Die Zahl der Waffenbesitzer steigt an, berichtet die Zeitung La Dernière Heure am Freitag. Mehr als 170.000 Belgier haben laut dem zentralen Waffenregister des Justizministeriums eine Handfeuerwaffe in ihrer Wohnung. Eine Zahl die trotz der restriktiven Gesetzgebung stetig ansteigt. Die meisten Waffenbesitzer gibt es in der Provinz Hennegau mit 38.717 registrierten Waffenbesitzern.

Experten gehen davon aus, dass die restriktiven Rechtsvorschriften für den Besitz von Handfeuerwaffen in Belgien Privatpersonen dazu bringen, auf alternative Methoden zur Beschaffung von Waffen auszuweichen. Dazu zählt immer mehr die Waffe aus dem 3D-Drucker. Laut einem Sprecher der Föderalen Polizei wurden in den letzten Jahren in Belgien aber nur wenige Fälle bekannt. Das Phänomen sei noch sehr begrenzt, heißt es.

Europol hat das Thema im Blick. Martin van der Meij, ein hochrangiger Beamter des Europäischen Polizeiamts, erklärte, Europol habe in den letzten Jahren eine „wachsende Zahl solcher Feuerwaffen beobachtet“, die im Rahmen von Ermittlungen in ganz Europa beschlagnahmt worden sind – meistens bei der Aushebung von illegalen Drogenlaboren. Klar ist: Es gehört kriminelle Energie dazu, sich eine Waffe per 3D-Druckverfahren herzustellen.

dh/mz