Belgien hat den Anschluss im Online-Handel verpasst

Belgien hinkt im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn im Internethandel deutlich hinterher, behauptet der Unternehmerverband FEB. Das hat gravierende Folgen für das Wirtschaftswachstum.

Online-Shopping (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / wabeno)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / wabeno

Der Internethandel in Belgien nimmt ständig zu, aber den großen Gewinn machen die ausländischen Riesen, allen voran natürlich Amazon. Das belegen die Zahlen vom FEB. Demnach hat sich der Handel im Netz in den letzten 15 Jahren quasi verdreifacht, aber dieser Trend geht noch immer an den belgischen E-Commerce-Anbietern vorbei, wenngleich die auch zulegen. Ihr Anteil macht am Einzelhandel insgesamt nur etwa 3 Prozent aus. Dieser Anteil liegt in den Nachbarländern Deutschland und Niederlande deutlich höher.

Nachtarbeit

Gegen Konkurrenten wie Amazon anzukommen, ist ja auch kaum zu schaffen. Es gibt aber aus Unternehmersicht auch weitere Gründe, warum der Internethandel so schleppend in Gang kommt: die Arbeitszeitregeln, allen voran natürlich die Nachtarbeitszeit. Die Arbeit zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr gilt als Nachtarbeit, und das muss sich aus Sicht der Unternehmer dringend ändern.

Es tut sich auch was: Die aktuelle Föderalregierung will die Nachtarbeitszeiten flexibler gestalten. Allerdings sind die Unternehmen dabei auf die Kooperation der Gewerkschaften angewiesen. Vier große Handelsketten in Belgien haben sich inzwischen mit den Gewerkschaften darauf geeinigt, dass sie von der Nachtarbeitsregel abweichen dürfen – darunter Colruyt und Ikea – aber dafür müssen sie hohe Zuschläge bezahlen, das wirkt sich natürlich auf die Preise aus. Aus Sicht der Arbeitgeber ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Anbietern.

Aufholjagd

Jedes Jahr verschenkt Belgien dadurch ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Wenn das Wachstum also 1,7 Prozent beträgt, dann könnten es gut und gerne auch 2 Prozent sein, wenn der belgische E-Commerce mal richtig in Schwung käme, behauptet der FEB. Das sind bis zu einer Milliarde Euro im Jahr und 6.000 Jobs, die eben nicht entstehen.

Die große Aufholjagd ist bereits im Gange, angestoßen durch Corona, seitdem hat der Internethandel ja insgesamt deutlich zugenommen. Aber den Internetriesen Kundschaft abjagen zu wollen, ist wahrscheinlich illusorisch, und auch viel zu aufwendig, wenn man auf die Logistik oder den Personalbedarf schaut.

Es gibt aber noch Nischen, in denen durchaus noch Wachstum entstehen kann, meinen Wirtschaftsexperten. Ein Beispiel: der Internethandel mit frischen Lebensmitteln, da könnten die belgischen Supermärkte ihr Geschäft noch erweitern.

hln/sh

Ein Kommentar
  1. Hendrik Baacke

    [Ein Beispiel: der Internethandel mit frischen Lebensmitteln, da könnten die belgischen Supermärkte ihr Geschäft noch erweitern.]
    Da wird gar nichts sinnvoll erweitert. Vielmehr wird der Kunde in die Irre geführt (betrogen trifft es besser). Werbung per Prospekt und dann ein überzogenes „Tagesangebot“. Da stimmt nichts!
    Es war nicht der kleinste Supermarkt der so agiert hat.