Sonnencremes schützen nicht wie versprochen – Test-Achats schlägt Alarm

Die Verbraucherschutzorganisation Test-Achats hat 16 Sonnencremes unter die Lupe genommen. Drei Cremes sind im Test durchgefallen, eine davon ist speziell für Kinder. Und das war laut Test-Achats nicht das erste Mal, dass gerade Kinder-Cremes nicht den versprochenen Schutz bieten.

Junge lässt Sonnencreme auftragen

Bild: Ampack/Panthermedia

Einige streiten es ja immer noch ab, aber der wissenschaftliche Konsens ist da doch ziemlich eindeutig: Sich ungeschützt und zu lange der Sonnenstrahlung aussetzen, das kann negative Folgen für die Gesundheit haben. Wie lange man sich – ob nun mit oder ohne zusätzlichen Schutz – in der Sonne aufhalten sollte, hängt wiederum von sehr vielen Faktoren ab, nicht zuletzt vom eigenen Hauttyp.

Unbestritten ist in dieser Hinsicht auch, dass der beste Schutz immer noch ist, die Haut und den Körper bedeckt zu halten. Nur natürlich haben die meisten keine Lust, sich wie eine Mumie komplett einzupacken. Bleibt also nur das „Geschmiere“, um die unbedeckte Haut trotzdem so gut es geht zu schützen.

Es gibt natürlich eine Vielzahl verschiedener Hersteller, die auch meist mehr als ein Produkt anbieten. Zum Beispiel, weil nicht alle Menschen einen gleich starken Schutz benötigen oder weil manche lieber Sprays als Creme in der Flasche oder Tube haben.

Die Verbraucherschutzorganisation Test-Achats untersucht regelmäßig um Anfang Mai herum die auf dem belgischen Markt verfügbaren Produkte. Wobei Test-Achats nicht jedes Jahr alle Produkte neu testet, sondern zum Beispiel nur die, die neu auf den Markt gekommen sind. Dadurch schwankt die Zahl der untersuchten Produkte auch, dieses Jahr sind es zum Beispiel 16.

Hautalterung und Sonnenbrand

Die Produkte müssen, um ihren Zweck zu erfüllen, gegen zwei Arten von Strahlung schützen: UV-A und UV-B. „Die UV-A sind die Strahlen, die für die Alterung der Haut sorgen“, so Test-Achats-Sprecher Simon November in der VRT. „UV-B hingegen ist die Strahlung, die für Sonnenbrand verantwortlich ist.“

„Der auf den Produktverpackungen angegebene Lichtschutzfaktor, oft auch mit SPF für das englische ‚Sun protection factor‘ abgekürzt, bezieht sich auf die UV-B-Strahlung. Wobei in Europa gilt, dass der Schutz gegen die UV-A-Strahlung mindestens einem Drittel des angegebenen Schutzes gegen UV-B entsprechen muss.“

Dieses Jahr hat Test-Achats 16 Produkte unter die Lupe genommen, zehn Cremes beziehungsweise Lotionen mit einem Lichtschutzfaktor von 50/50+ und sechs mit einem Faktor von 30. Leider habe man erneut feststellen müssen, dass gewisse Produkte nicht den auf der Verpackung versprochenen Schutz böten, so Julie Frère von Test-Achats in der RTBF.

Dabei handelt es sich um zwei Produkte, die nicht wie angegeben gegen UV-B schützten, also Sonnenbrand: Der Lichtschutzfaktor der Gel-Creme von ‚ISDIN‘ betrage nicht wie beschrieben 30, sondern gerade mal die Hälfte, 15. ‚ISDIN‘ war in dieser Hinsicht bereits 2019 negativ aufgefallen. Für die Creme ‚Clinique Mineral‘ sei es sogar nur Lichtschutzfaktor 10 statt 30. Die gleiche Clinique Creme versagt auch beim UV-A-Schutz.

Kinder-Sonnencreme auch durchgefallen

Aber auch ein weiteres Produkt entpuppt sich hier als unzureichend, nämlich eine Creme von Zwitsal mit einem beworbenen Lichtschutzfaktor von 50+. Dieses Produkt sei vor allem für Babys und Kinder gedacht. Wenn sich in solchen Fällen also herausstelle, dass der Schutz unzureichend sei, dann sei besonders schlimm. Ihre Haut sei sehr empfindlich und müsse dementsprechend geschützt werden.

Damit aber nicht genug: „Schon beim letzten Test wurden zwei spezifisch für Babys und junge Kinder gedachte Produkte von Zwitsal bemängelt“, erklärt Julie Frère. Beide seien noch immer in unveränderter Form erhältlich.

Das mache also drei noch immer auf dem belgischen Markt verkaufte Produkte, die nicht den versprochenen Schutz böten. Man verlange diesbezüglich Antworten vom FÖD Volksgesundheit, wie das sein könne. So etwas sei nicht nur illegal, sondern auch inakzeptabel, so Simon November.

Test-Achats hat beim FÖD Klage eingereicht, damit die bemängelten Produkte vom Markt genommen werden oder die Firmen ihre Packung entsprechend des tatsächlich gebotenen Schutzes anpassen lassen.

Boris Schmidt