Bargeld in Belgien weiter sehr beliebt

Die Euromünze für den Einkaufswagen oder ein bisschen Kleingeld für den Einkauf auf dem Flohmarkt: So ganz ohne Bargeld geht es nicht. Dabei hatten Wirtschaftsexperten zu Beginn der 2000er Jahre dem Bargeld noch ein baldiges Ende vorausgesagt - aber es kam ganz anders.

Geldkassette (© Bildagentur PantherMedia / Gernot Krautberger-

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Gernot Krautberger

Heutzutage ist doppelt so viel Bargeld im Umlauf als vor zehn Jahren. Laut Nationalbank liegen in Belgien insgesamt etwa 49 Milliarden Euro in Geldbörsen, Sparstrümpfen, Tresoren und Schatullen herum. Umgerechnet auf jeden Einwohner von Belgien sind das 4.200 Euro Bargeld.

In vielen Geschäften kann man bargeldlos bezahlen. Gerade unter Corona hat sich diese Zahlungsmethode immer mehr durchgesetzt.

Bargeld lässt sich nicht zurückverfolgen

Bargeld ist immer noch beliebt überall da, wo der Fiskus nach Möglichkeit nicht die Nase heran bekommen soll – da, wo mit Schwarzgeld bezahlt wird und keine Steuern fließen sollen.

Natürlich auch in kriminellen Kreisen – zahlen mit dem guten Namen, sprich mit der Bank- oder Kreditkarte ist da nicht so empfehlenswert. Genau das ist der Grund, warum Politiker das Bargeld gerne abschaffen wollen: Es ist anonym und lässt sich nicht zurückverfolgen.

Vorbehalte gegenüber Online-Banking und Kartenzahlung

Die älteren Menschen mit wenig digitaler Vorbildung scheuen zurück vor bargeldlosem Einkaufen genauso wie vor Online-Banking. Da sind gewisse Vorbehalte im Spiel. Allgemein haben Menschen, die etwas ängstlicher sind – die vielleicht die Bankenkrise 2008 erlebt und damals Geld verloren haben, vielleicht sogar ihre ganzen Ersparnisse – für sich daraus die Lehre gezogen „Nur Bares ist Wahres“ und die heben ihre Ersparnisse jetzt lieber zu Hause auf.

Hinzu kommt die Sorge, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung des Finanzwesens der Staat sich auch immer mehr Rechte nimmt und der Schutz der persönlichen Daten immer weiter aufgeweicht wird. Das kann man nicht von der Hand weisen, denkt man nur an das Gesetz, das dem Fiskus Einsicht auf alle Konten einräumt.

Einzelhandel muss ab Juli elektronische Zahlungsmöglichkeit anbieten

Die Abschaffung der Euro-Münzen und -Scheine steht aktuell konkret nicht zur Debatte. Die Europäische Zentralbank hat garantiert, dass Bargeld mindestens bis 2030 als Zahlungsmittel erhalten bleibt. Perspektivisch könnte allerdings ein neues Gesetz die Abschaffung des Bargelds beschleunigen: Ab dem 1. Juli muss der gesamte Einzelhandel in Belgien auch elektronische Zahlungsmittel akzeptieren. Kunden haben zwar das Recht, weiter bar zu bezahlen, aber die Händler müssen auch elektronische Zahlungsmittel akzeptieren. Das könnte dem bargeldlosen Bezahlen noch mal einen Schub geben, sodass Münzen und Scheine vielleicht tatsächlich irgendwann verschwinden könnten.

demorgen/vrt/sh

Ein Kommentar
  1. Peter Mertens

    Und Bargeld hat noch einen Vorteil, ich kann nicht mehr ausgeben wie ich im Portemonnaie habe, da gibt es keinen Dispo .
    Außerdem habe ich den Überblick, den haben viele schon verloren, ist ja so einfach mit seinem guten Namen zu bezahlen.
    Und warum will der Staat immer alles wissen, wissen wir alles vom Staat…