England als Omikron-Vorbild für Schulen

Ab in die Quarantäne, auch wenn man kein Covid hat: Diese Regel für Schulen hat dazu geführt, dass in den vergangenen Tagen reihenweise Klassenräume leer geblieben sind. Eine Situation, die nicht nur bei Lehrern und Eltern auf Unverständnis stößt, sondern auch bei Kinderärzten.

Leere Schulklasse

Illustrationsbild: Dirk Waem/Belga

„Es ist heute kaum noch zu akzeptieren, wenn ein Kind, das keine Symptome aufweist und nicht mit Corona infiziert ist, nicht zur Schule geht“, sagt Kinderarzt Dimitri Van der Linden, Sprecher der Corona-Task-Force Kinderärzte in Belgien. „Es hat schon so viele Unregelmäßigkeiten für die Schulkinder aufgrund von Corona gegeben, dass man alles dafür tun sollte, um die Quarantäne-Fälle so niedrig wie möglich zu halten.“

Beispiel England

Aber Van der Linden kritisiert nicht nur, er schlägt auch etwas vor. Man könnte zum Beispiel nach England schauen. „Da gibt es ein System, das ich sehr gut finde“, sagte er am Mittwochvormittag im Radio der RTBF. „In England geht ein Kind, das einen Hochrisikokontakt mit einer positiv getesteten Person gehabt hat, trotzdem zur Schule, wenn sein Selbsttest negativ ist. Sieben Tage lang müssen diese Kinder einen solchen Test täglich machen. Und wenn die Tests immer negativ sind, geht das Kind auch ganz normal zur Schule.“

Die Idee, stärker auf Selbsttests zu setzen, hat auch der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bereits ins Spiel gebracht. Doch wer dann die Kosten für die Tests tragen solle – die Eltern, die Schulen oder die Allgemeinheit – das hatte der Minister in seinem ersten Vorschlag noch offengelassen.

Kostenübernahme

Für Kinderarztsprecher Van der Linden dagegen scheint klar, wohin es gehen sollte. Nämlich zu einer Kostenübernahme durch das Gesundheitssystem. Auch das sei in England gut überlegt. „Dieses System der Selbsttests kostet zwar viel Geld. Aber man muss auch sehen, dass dadurch weniger PCR-Tests gemacht werden müssen und diese PCR-Tests auch Geld kosten. Letztlich werden die Kosten für das Gesundheitssystem sinken.“

Dieses System der Selbsttests anstelle der Quarantäne für eine ganze Klasse würde natürlich nicht davor schützen, dass sich Omikron weiter auch in Schulen ausbreite. Aber man würde eben nur die Schulkinder in Quarantäne schicken müssen, die auch tatsächlich infiziert sind oder Symptome haben. Solche Kinder müssten in England fünf Tage zu Hause bleiben. Wenn der Test am fünften oder sechsten Tag dann negativ sei, könnten sie wieder zur Schule zurückkehren.

Eine Katastrophe sei es in der Regel übrigens nicht, wenn Omikron bei einem Kind festgestellt werde. Allzu große Sorgen müsse man sich als Eltern dann nicht machen, sagt Kinderarzt Van der Linden. Eine besondere Gefahr für Kinder scheint von Omikron nicht auszugehen. Die Erfahrungen aus Südafrika und England würden zeigen, dass durch die Omikron-Welle die Zahl der allgemein schon eher seltenen schweren Covid-Erkrankungen von Kindern nicht gestiegen sei.

Kay Wagner