Flandern hat nur Augen für Prozess gegen Bart De Pauw

In Flandern gibt es im Moment nur ein Gesprächsthema: den Prozess gegen Bart De Pauw. Der 53-jährige Fernsehmacher muss sich vor Gericht verantworten, weil er 13 Frauen nachgestellt haben soll. Unter anderem bombardierte er sie mit anstößigen SMS. Er selbst scheint aber nicht einzusehen, dass er Grenzen überschritten hat.

Bart de Pauw nach dem ersten Verhandlungstag (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

Bart de Pauw nach dem ersten Verhandlungstag am Dienstag (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

„Liebe Freunde: Ich habe eine wichtige Mitteilung zu machen – etwas, was ich nicht gerne tue“. 9. November 2017: Bart De Pauw gibt bekannt, dass die flämische Rundfunk- und Fernsehanstalt VRT ihre Zusammenarbeit mit ihm mit sofortiger Wirkung beendet. Das ist der Auftakt zu einer Affäre, die Flandern seit fast vier Jahren bewegt.

De Pauw wird vorgeworfen, insgesamt 13 Frauen nachgestellt zu haben: Elektronisch und auch physisch. Kolleginnen, die er attraktiv fand, wurden bombardiert mit SMS. Manchmal Dutzende pro Tag.

Der Inhalt war oft so schlüpfrig, dass man ihn kaum wiedergeben möchte: Eindeutige sexuelle Avancen. Und das auch noch, nachdem die Frauen ihm klargemacht hatten, dass sie kein Interesse hatten. Bei einigen Frauen stand der heute 53-Jährige irgendwann mal sogar vor der Wohnungstür.

Machtposition

Viele der Opfer sind regelrecht traumatisiert. Das hat auch damit zu tun, dass De Pauw sich vor allem sehr junge Frauen ausguckte, die meist erst gerade ihre ersten Schritte in der Film- und Fernsehbranche machten. Entsprechend steht der Verdacht im Raum, dass De Pauw eigentlich nur seine Machtposition missbrauchen wollte, nach dem Motto: Entweder, Du gehst auf meine Wünsche ein oder deine Karriere ist beendet, bevor sie wirklich angefangen hat.

Das Ganze erinnert doch stark an die Praktiken eines Harvey Weinstein in den USA. Und tatsächlich kam die Sache im Fahrwasser des Skandals um den US-Filmproduzenten ans Licht. Wobei De Pauw nicht sexuelle Belästigung oder körperliche Übergriffe zur Last gelegt werden.

In der flämischen Medienwelt schlug die Affäre wie eine Bombe ein. Die Szene ist überschaubar und in sich geschlossen: Jeder kennt jeden. Und Bart De Pauw gehörte da zweifelsohne zu den Lichtgestalten. Er hat neue, ungemein erfolgreiche Fernsehformate erfunden, wie eben ein Stefan Raab in Deutschland.

Daneben hat er aber auch Drehbücher für einige bekannte Spielfilme geschrieben und war auch selbst als Schauspieler aktiv. „Weltberühmt in Flandern“, um es mal mit einem geflügelten Wort zu sagen.

Uneinsichtig

Entsprechend groß ist jetzt also die Aufmerksamkeit für den Prozess, der am Mittwoch begonnen hat. De Pauw muss sich nämlich wegen eben dieser Geschichte jetzt vor dem Strafgericht von Mechelen verantworten. Ihm werden körperliches und elektronisches Stalking zur Last gelegt. Neun seiner Opfer treten in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auf.

Diesen Prozess hat eigentlich keiner gewollt. Auch die Nebenklägerinnen nicht. Sie hatten De Pauw eigentlich angeboten, es dabei zu belassen, wenn er denn seine Schuld eingesteht und sich öffentlich entschuldigt. Das ist aber nie passiert. Und letztlich ist es die ermittelnde Staatsanwaltschaft, die sich entschlossen hat, diese Angelegenheit vor ein Gericht zu bringen.

Mittwoch, am ersten Prozesstag, war erst mal die Anklage am Zug. Im Mittelpunkt standen dabei die Aussagen der Nebenklägerinnen. Oft wurde aus den SMS zitiert, die De Pauw an die Frauen geschickt hat. Und das Bild, das da von Bart De Pauw gezeichnet wurde, war doch ziemlich vernichtend.

Serienstalker

Es ist das Bild eines regelrecht „läufigen“ Mannes mittleren Alters, der sich an seine mindestens 20 Jahre jüngere Kollegin buchstäblich „ranschmeißt“. Jahrelang ging das so. Jedes Mal, wenn er wieder mit einer jungen Frau zusammenarbeiten sollte. Die ersten Fälle liegen rund 15 Jahre zurück.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete De Pauw denn auch als einen „Serienstalker“, der nicht aufhören konnte. Und der auch bislang keinerlei Schuldbewusstsein gezeigt habe. Und genau deswegen forderte der zuständige Prokurator des Königs ein Jahr Haft auf Bewährung. Nach eigener Aussage habe er ursprünglich für eine Aussetzung des Urteils plädieren wollen. Er habe sich aber anders entschieden, weil De Pauw eben nicht einsehen wolle, dass sein Verhalten inakzeptabel war.

Ein Jahr Haft auf Bewährung, das fordert also die Anklage und das überraschte sogar Christine Mussche, Anwältin einer Nebenklägerin. An-Sofie Raes, die ein anderes Opfer vertritt, betonte ihrerseits noch einmal in der VRT, dass es den Klägerinnen nie um Bestrafung ging, sondern nur darum, dass De Pauw einsieht, dass sein Verhalten falsch war.

Bart De Pauw selbst wirkte aber nicht, als wolle er seine Strategie ändern. Für ihn sei das am Mittwoch eine Achterbahnfahrt gewesen. Er habe da Dinge gehört, die so nicht stimmen. Am Donnerstag habe er endlich die Möglichkeit, seine Version zu erzählen und manche Dinge klarzustellen.

Die Nebenklägerinnen glauben jedenfalls nicht mehr daran, dass De Pauw sich doch noch einsichtig zeigen wird. Das, so mutmaßte eine Anwältin, das habe womöglich auch damit zu tun, dass De Pauw die VRT auf Schadensersatz verklagt habe: Zwölf Millionen Euro. Im Falle eines Schuldeingeständnisses könnte er dieses Geld natürlich abschreiben.

Roger Pint