Kinderarbeit auf Youtube

Influencer - viele die sich so nennen, verstehen sich als prominente Vorreiter. Doch egal ob wirklich bekannt oder unbekannt: Im Grunde geht es um Werbung. Und da scheuen so manche es nicht, ihre Kinder vor die Kamera zu zerren.

Kinder vor der Kamera (Illustrationsbild: © PantherMedia Stock Agency / textandphoto)

Illustrationsbild: © PantherMedia Stock Agency / textandphoto

Kinder, die etwas Lustiges brabbeln, können ja zum Schmunzeln anregen. Aber nicht selten werden Kinder durch Eltern bloßgestellt – im schlimmsten Fall sogar gegen ihren Willen. Da gibt es auch ganz schamlose Menschen, wie zum Beispiel die amerikanische Influencerin Jordan Cheyenne, die ihren Sohn aufgefordert hatte, so zu tun, als würde er weinen, weil der Hund gestorben war. Der Junge hat der Mutter geantwortet, er weine doch schon. Aber das reichte ihr nicht. Sie forderte ihren Sohn auf, heftiger zu weinen. Dabei war sie nicht zimperlich.

Bekannt wurde das, weil die Mutter vergessen hatte, die Aufnahme aus dem Video zu löschen. Als es dann integral auf Youtube stand, hagelte es empörte Reaktionen. Die Frau hat ihr Youtube-Konto dann später eingestellt. Aber die Polemik bleibt: Darf man Kinder einfach so in Youtube-Videos zur Schau stellen, um damit Geld zu verdienen?

Keine klare Gesetzgebung

In Belgien sind solche Auswüchse nicht bekannt – zum Glück vielleicht. Denn der Gesetzgeber sagt wenig dazu. Jean-Pierre Coenen, Präsident der Kinderrechte-Liga, sagt, dass der Gesetzgeber diese Nutzung – ja diese Ausbeutung – von Kindern noch gar nicht wahrgenommen hat. Deshalb ist er auch nicht geneigt oder in der Lage, Gesetze zu verabschieden.

Dabei sei das Thema sehr ernst zu nehmen, vor allem wenn Influencer mit ihren Kindern Geld verdienen. Wenn Geld verdient wird, gilt das als Arbeit. Dafür gibt es dann wohl klare Gesetze. Und das Prinzip lautet, dass es verboten ist, Unter-15-Jährige arbeiten zu lassen. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Aktivitäten – und Youtube-Videos zählen nicht dazu.

Schauspielervertrag für Kinder

Für Jean-Pierre Coenen dürften Kinder in kommerziellen Videos also erst gar nicht auftauchen. Und wenn doch, müsste man schauen, wie die Arbeitszeiten sind. Denn die hängen auch vom Alter eines Kindes ab.

Das Problem ist für ihn aber, dass hier die Eltern als Arbeitgeber auftreten und den Arbeitsrhythmus bestimmen. Der Präsident der Kinderrechte-Liga schlägt deshalb vor, dass auch Kinder eine Art Schauspielervertrag erhalten sollten. Das würde den Kindern ermöglichen, einen angemessenen Lohn zu erhalten. Ein Lohn, der bis zur Volljährigkeit auf einem Bankkonto blockiert werden könnte.

dh/mz

Ein Kommentar
  1. Uwe Chemnitz

    Gut, wahrscheinlich bin ich zu alt für so ETWAS…
    Letztens eine Doku gesehen über eine Influenzerin…
    Was da abgeht, was die Familie betrifft…entweder ist der Mann sehr leidensfähig, oder …….
    Geld verdienen mit Video und Werbung…den ganzen Tagesablauf einer Familie,
    auf den Kopf stellen, weil es dann heisst: Hey Schatzi, ich muss noch mal kurz ein Video aufnehmen, was am Abend so abging….ein zur Schaustellen privaten Lebens….neee, nee nee.