Staatsschuld steigt auf über 500 Milliarden Euro

Die belgische Staatsschuld steigt weiter stark an. Sie hat zum ersten Mal die Schwelle von 500 Milliarden Euro überschritten.

Die belgische Nationalbank in Brüssel (Bild: Nina Francesca/Belga)

Die belgische Nationalbank in Brüssel (Bild: Nina Francesca/Belga)

Die Staatsschuld stieg um 32 Milliarden auf 524 Milliarden Euro. Das berichten die Zeitungen De Tijd und L’Echo, die Zahlen zum zweiten Quartal der Nationalbank einsehen konnten. Damit ist das Defizit auf 115 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes gestiegen – der höchste Wert seit dem Jahr 1999.

Grund für die starke Zunahme ist vor allem die Corona-Krise. Der Staat hat weniger Einnahmen und hat sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene Maßnahmen getroffen, um die Wirtschaft zu unterstützen.

belga/est

4 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Kann mir bitte einer erklären, wie man auf die Summe von 524 Milliarden kommt ? Auf der Homepage der belgischen Schuldenagentur (debtagency) steht momentan folgende Summe:
    419 243 345 234 €.

    Allerdings sollte man bedenken, dass es in Belgien genügend Kapital gibt, um es dem Staat zu leihen. Dies zu sehr niedrigen Zinssätzen, die bewirken, dass inflationsbereinigt weniger zurückgezahlt wird. Und der größte Teil der Staatsschulden ist in Euro. Es besteht also kein Wechselkurs. Und es gibt Staaten mit weitaus größeren Staatsschulden wie zum Beispiel Japan, dass mit 250 % (!) verschuldet ist. Dort ist die eigene Zentralbank der größte Kreditgeber des Staates.

  2. Carl Schumacher

    Vielleicht liegt es ja daran, Herr Scholzen, dass diese Schuldenagentur (?) nur die Schulden des Föderalstaates berücksichtigt und nicht die Schulden der Regionen, Gemeinschaften, usw..

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Danke Herr Schumacher.

    Staatsschulden sind für mich ein faszinierendes Thema. Denn bei einem Blick in die Geschichte stellt man fest, dass große Umwälzungen stets im Zusammenhang mit Stastsschulden und -finanzen geschahen. Da wären die Französische Revolution (Staatsbankrott), Reformation (Ablasshandel), Amerikanische Revolution (Kriegsschulden des englischen Mutterlandes). usw.

    Und die aktuelle Coronakrise stellt das aktuelle politisch/ökonomische System auch auf den Prüfstand. Noch mehr als die Finanzkrise. Zwecks Krisenbewältigung muss man neue Wege gehen (vielleicht Monetarisierung der Staatsschulden wie schon jetzt teilweise in Japan). Denn mit neoliberalen Methoden von gestern ist das nicht möglich.

  4. Benny Appelt

    @MSE

    Die Monetarisierung der Staatsschulden findet doch schon längst statt und heißt bei der EZB Anleiheprogramm sowie Outright Monetary Transactions (OMTs).

    Außerdem liegen die geldpolitischen „Blaupausen“ zur langfristigen Abschaffung des Bargeldes auf dem Tisch. Siehe dazu folgende Arbeitspapiere des IWF:
    1. Monetary Policy with negative interest rates: decoupling cash from electronic money, von ASSENMACHER, K. und KROGSTRUP, S.
    2. Enabling deep negative rates to fight recessions: A guide, von AGARWAL, R. und KIMBALL, M.
    3. The macroeconomics of De-Cashing, von KIREYEV, A.

    Ergo Staatsschuld und Coronafälle steigen exponentiell. Die Geldpolitik ist bereits seit der letzten Finanzkrise im Endspiel. Geht auch gar nicht anders bei unserem teilgedeckten Mindestreservegeldsystem (Fiat-Money). Durch die staatlichen Rettungsprogrammen von allem und jeden, ist nun auch die Fiskalpolitik am Ende.
    MINSKY, Hyman lehrt uns, dass am Anfang der Kreditaufnahme Schuld & Zins, dann nur noch Zins und am Ende gar nichts mehr zurück bezahlt werden kann.