Hausärzte läuten die Alarmglocken

Auch wenn die Zahl der Krankenhausaufnahmen derzeit noch nicht so alarmierend klingt, der Druck in der Corona-Pandemie wächst so langsam. Und das natürlich bei denen, die in erster Reihe stehen: den Hausärzten.

Hausarzt, Allgemeinmediziner, Stethoskop

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Markus Mainka

Hausärzte sind derzeit so etwas wie Mädchen für alles: Tests anordnen und nachverfolgen, Atteste schreiben, Fragen am Telefon beantworten plus die normalen Konsultationen. Die Hausärzte ziehen deshalb die Alarmglocke. Und das nicht zum ersten Mal. Die kalte Jahreszeit hat noch nicht angefangen, und jetzt schon wissen sie schon nicht mehr, wie sie die ganze Arbeit bewältigen sollen.

Die Infektionszahlen steigen wieder, die Arbeitsbelastung ist seit einer Woche quasi explodiert, erklärt der Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Allgemeinmedizin Thomas Orban. Und das Ganze werde immer komplizierter. Erstens müssten dringend alle chronischen Patienten gesehen werden. Zweitens schickten immer mehr Schulen und Betriebe die Menschen zu den Hausärzten, damit sie getestet werden. Drittens müssen sie dann Corona-Tests anordnen und auch die Resultate nachverfolgen, plus die ganzen Atteste, Verschreibungen und Berichte.

Ärzte sind erschöpft

„Da kommen schon einige Stunden zusammen“, sagt Thomas Orban. Die Ärzte sind erschöpft und am Ende. So etwas habe er noch nie erlebt, und das nachdem sie monatelang alles gegeben hätten.

Doch die Arbeitsüberlastung ist nicht nur schwierig für die Hausärzte. Weil es an Testmaterial fehlt, und die Testzentren nicht mehr hinterher kommen, wenden sich die Menschen an die Hausärzte. Doch die haben so schnell keinen Termin mehr frei. Damit werden viele zu spät getestet, und können in der Zeit andere anstecken.

Und das führe dann dazu, dass sich die verschiedenen Altersgruppen gegenseitig anstecken. Bis hin zu den älteren Menschen. Und das könnte dann erneut die Krankenhäuser überlasten.

Schon im März, zu Beginn der Corona-Pandemie, zog Orban die Alarmglocke. Heute, ein halbes Jahr später hat er immer noch den Eindruck, dass die Politik ihm nicht zuhört. Die Allgemeinmediziner hätten schon seit längerem effektive Lösungen zur Arbeitsunterstützung vorgeschlagen. Die habe man aber nicht bekommen. Hätte er heute eine Hilfskraft mit medizinischer Grundausbildung, dann müsste er vieles von dem Papierkram nicht mehr selber machen, sagt Thomas Orban.

Mangelnde Kommunikation

In der Krise habe man sich vor allem auf die Krankenhäuser konzentriert. Und dabei die vergessen, die an vorderster Front arbeiten. Dabei seien in einer Pandemie dieser Größenordnung alle Beteiligten wichtig. Man werde zwar zu einigen Versammlungen eingeladen, aber weder die früheren noch die aktuelle Regierung hätten die Allgemeinmedizin einen dauerhaften Platz dort eingeräumt, kritisiert Orban.

„Das ist alles Ehrenamt“, sagt Thomas Orban. Er kritisiert, wie viele andere auch, die Kommunikation der Regierung. Was man darf und was nicht, sei vielen immer noch nicht klar.

Eltern wüssten zum Beispiel nicht, was sie tun müssen, wenn ihr Kind Schnupfen hat. Orban könne auch nicht verstehen, dass bei einem Covid-Fall in den Schulen er auch noch einen Test verschreiben müsste. Da müsse er etwas ausführen, was er gar nicht entschieden habe. Und das Ganze auch noch mit dem Risiko, dass sich die verschiedenen Ärzte widersprechen.

Volker Krings

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