Rektor der KU Löwen will von der „klassischen Studententaufe“ wegkommen

"Manchmal erreichen wir einen Punkt, an dem wir es wagen müssen, mit Traditionen zu brechen“, schreibt der Rektor der Katholischen Universität von Löwen in einem emotionalen Brief an Studenten und Professoren seiner Uni. Anlass des Schreibens ist laut Rektor Luc Sels eines der "schwärzesten Kapitel in der Geschichte der Universität". Gemeint ist der Tod des 20-jährigen Studenten Sanda Dia.

Rektor Luc Sels (Archivbild: Thierry Roge/Belga)

Rektor Luc Sels (Archivbild: Thierry Roge/Belga)

Sanda Dia kam bei einer Taufe des Studentenclubs Reuzegom im Jahr 2018 ums Leben. Anfang September muss die zuständige Ratskammer entscheiden, ob es zu einem Prozess kommen wird, und wie viele Mitglieder des Studentenclubs Reuzegom sich vor einem Richter verantworten müssen.

In den letzten Wochen sind immer mehr Einzelheiten über den Ablauf der fatalen Studententaufe ans Licht gekommen. Die letzten Stunden im Leben von Sanda Dia deuten nicht auf eine lustige Tauf-Party hin, sondern viel mehr auf ein stundenlanges Foltern.

Luc Sels: „Ein Rektor ist kein Richter“

Und in den letzten Wochen hat der Rektor der KU Löwen, Luc Sels, viel Kritik erhalten, weil die Universität die Verantwortlichen des Studentenclubs, die an Dias Tod beteiligt waren, zu leichtfertig bestraft haben soll. Die Reuzegom-Studenten mussten einen Aufsatz über die Geschichte der Taufrituale schreiben und einen beliebigen Gemeinschaftsdienst von 30 Stunden ableisten.

In seinem Brief verteidigt Sels seine Entscheidung. Erst müsse die Justiz in dieser Sache ein Urteil fällen. Und erst auf dieser Grundlage werde dann auch die Uni Sanktionen verhängen. Und das wird seit Tagen von Professoren und Studenten der Universität kritisiert. Aber bemerkenswert ist, dass Sels fordert, Studententaufen ganz zu überdenken.

Es vergeht in Belgien kaum ein Jahr ohne Meldungen über Studenten, die sich bei einer Studententaufe schwer verletzt haben oder in irgendeiner Form das Bewusstsein bei einer Taufe verloren haben.

Sanda Dia ist auch nicht der erste Student in Belgien, für den eine Studententaufe tödlich geendet ist. Es ist auch kein Geheimnis, dass Studententaufen in manchen belgischen Studentenclubs besonders hart und grenzwertig sind.

Und Sels stellt diese klassischen Studententaufen offen in Frage. „Bilder von Studenten, die über den Boden kriechen und in allerlei Formen gedemütigt werden, passen einfach nicht mehr in diese Zeit“, schreibt Sels. Neuankömmlinge an der Universität bräuchten viel mehr eine Unterstützung, statt Taufveranstaltungen, die eine zusätzliche Belastung darstellen.

Studententaufen verbieten?

Sels lädt Studentenvertreter und andere betroffene Kreise ein, über Alternativen nachzudenken. Alternativen, die „einen dauerhaften Beitrag zur Inklusion, zu echter Unterstützung in einer Zeit leisten können, in der so viele Neuankömmlinge mit der Isolation und Einsamkeit zu kämpfen“ hätten. Er weist auch darauf hin, dass die Studentenclubs inzwischen eine Charta für Taufen angenommen haben. Aber Sels ist bereit, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Wie der aussehen könnte, ist für manche auch klar. Immer wieder gibt es die Forderung, Studententaufen ganz zu verbieten, oder sie zumindest nicht mehr auf dem Gelände der Universität zu dulden, damit nicht der geringste Eindruck entstehen kann, dass die Teilnahme an einer Studententaufe quasi eine Voraussetzung für ein Studium ist.

Manuel Zimmermann

3 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Wo ist das Problem ? Eine Tradition, die nicht mehr in unsere Zeit passt, muss abgeschafft werden.

    Alte Zöpfe muss man abschneiden.

  2. Alfons van Compernolle

    Herr Scholzen Eimerscheid, ich stimme Ihnen zu ! Aber ob nun jeder „ALTE ZOPF“ abgeschnitten werden muss, lasse ich dahin gestellt sein.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Unter ALTE ZÖPFE verstehe ich nicht mehr zeitgemäße Traditionen oder Gewohnheiten. Also Dinge, die im Prinzip nicht in die heutige Gesellschaft passen. Und so eine Studententauf gehört dazu.