Bürgermeister versteht die Kritik am Aalster Karneval nicht

Der Bürgermeister von Aalst, Christoph D'Haese, kann die Kritik am Karnevalsumzug in seiner Stadt nicht nachvollziehen. In diesem Jahr haben wieder einige Gruppen Judenkarikaturen gezeigt. Im vergangenen Jahr war der Karneval von Aalst genau aus diesem Grund von der Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes gestrichen worden. Premierministerin Sophie Wilmès übte scharfe Kritik.

Karneval in Aalst (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga

Sie haben es wieder getan… Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe beim Aalster Karnevalsumzug Judenkarikaturen gezeigt, die so aussahen, als stammten sie direkt aus den 1930er Jahren. Das Klischee des geldgierigen „Weltjuden“ wurde bedient, inklusive Schläfenlocken und Hakennasen.

Doch die örtlichen Karnevalisten mauerten sich ein, allen voran der N-VA-Bürgermeister Christoph D’Haese. „In Aalst werde über alles und jeden gelacht“, hieß es da. Diese Linie hatte man auch vor der Unesco vertreten. Mit dem Resultat, dass der Karneval von Aalst seinen Status als immaterielles Weltkulturerbe verlor.

Und in diesem Jahr regierte dann bei einigen offensichtlich der Trotz. Wieder bekam man Judenkarikaturen zu sehen. Einige waren auch wieder ziemlich geschmacklos. Es gab einen internationalen Aufschrei. Aber auch in Belgien: „Diese Karikaturen schaden unseren Werten und dem Ruf des Landes“, reagierte die amtierende Premierministerin Sophie Wilmès.

Der Aalster Bürgermeister bezeichnete diese Kritik als „weltfremd“. Wobei auch sein Parteikollege, der flämische Ministerpräsident Jan Jambon, die gesehenen Bilder offensichtlich nicht gutheißt. Sein Appell an die Aalster Karnevalisten: „Lacht im nächsten Jahr bitte über etwas anderes“.

Die judenfeindlichen Darstellungen sind auch auf Kritik der EU-Kommission gestoßen. Solche Bilder sollten 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht gezeigt werden, erklärte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Es sei aber Aufgabe der belgischen Behörden, gegebenenfalls dagegen vorzugehen. „Politisch ist unsere Position klar, rechtlich können wir nicht aktiv werden“, sagte die Kommissionssprecherin.

dpa/rop/mh

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10 Kommentare
  1. Bernt Schultz

    ich bin entsetzt ihren karneval zu sehen das ist purer antisemitismus
    und hat mit Karneval nichts mehr zu tun
    Die Verkleidung im KARNEVAL ALS SS Leute rumzulaufen wuerde
    in Deutschland bestraft werden
    das geht sehr unter die Guertellinie

  2. marcel scholzen eimerscheid

    Werter Herr Schultz,
    Belgien ist nicht Deutschland.Mit deutschen Maßstäben sollte man eine belgische Tradition nicht bewerten.Es gibt viele Beispiele von Traditionen und Gewohnheiten aus anderen Ländern, die auf den Außenstehenden fremd, unverständlich und auch abstoßend wirken.U.a. ist in den USA der Waffenbesitz ein in der Verfassung garantiertes Grundrecht.In Europa vollkommen undenkbar.Oder in China gibt es Gegenden, wo der Verzehr von Hundefleisch ganz normal ist.Oder in Kamerun (Afrika) gibt es Stämme, die Gräber von Toten nach einer gewissen Zeit wieder öffnen, um den Totenschädel in einem Ahnenhaus nochmals zu bestatten.In Deutschland wäre das Störung der Totenruhe.Wenn man nicht einverstanden ist mit ausländischen Traditionen, sollte man diese ignorieren.Versuchen, den Besserwisser zu spielen, hat nur selten funktioniert und wird nicht gern gesehen.Eine Änderung in Aalst kann es nur dann geben, wenn die Karnevalisten dort ihre Einstellung von sich aus ändern.Druck von außen ist möglicherweise kontraproduktiv.

  3. Karin Straschewsky

    Immer wieder interessant zu sehen wie unterschiedlich die Reaktionen ausfallen, je nach Zielgruppe der Satire ist es lustig, geschmacklos oder gar Volksverhetzung (der Begriff hat wohl gerade in Deutschland Konjunktur). Mir fällt dazu nur ein; „Finde heraus wen du nicht kritisieren darfst, und du weißt wer dich beherscht.“ Recherchiert man in der Geschichte mal etwas genauer, findet man schnell heraus weshalb dieses Volk nirgends besonders beliebt ist.

  4. Kurt Helmer

    Absurde Vergleiche, Herr Scholzen. Was wollen sie eigentlich wem beweisen?
    Sie wollen durch Druck oder Eingriff der Politik die katholische Kirche reformieren (wie Konstantin oder Napoleon), was natürlich angesichts einer Trennung von Staat und Kirche heutzutage völlig undenkbar ist, aber lehnen Druck bei antisemitischen Karnevalstraditionen ab, da kontraproduktiv.
    Und dann schimpfen sie jemanden, der hier sein Unverständnis äußert einen Besserwisser. Und das tut jemand, der hier permanent andere zu belehren versucht. Kehren sie doch einfach mal vor ihrer Tür. Ihre Besserwisserei nervt nur noch.

  5. Maria van Straelen

    Frau Straschewsky, Ihr polnischer Name verrät, dass Sie Autoklauer sind, oder liege ich da falsch? Ehe es Entrüstung hagelt, dies war provokativ und ein Vorbild, dass man NIEMALS eine ganze, anonyme Volksgruppe so beschimpfen darf, wie Sie es gerade taten, das ist in der Tat Volksverhetzung und zutiefst abscheulich. Einzelne, zu benennende Personen oder Gruppen jedoch können jederzeit kritisiert und auch karikiert werden in einer freien Gesellschaft. Was Aalst tat ist Volksverhetzung (nicht nur in D) es bezog sich auf das gesamte Volk, und das bei der Vergangenheit. Auch Flamen/Belgier haben sich zu zigtausenden durch Kollaboration und Verleumdung schuldig gemacht und sollten sich jetzt vorsichtiger aufstellen.

  6. Karin Straschewsky

    Maria Van Straeten, mein Name ist nicht Polnisch, stellen sie sich vor, es gibt im Osten nicht nur Polen, mal auf die Weltkarte schau. Außerdem hab ich auch nicht ein ganzes Volk diffamiert, sondern angemerkt dass dieses wenn man sich die Geschichte genauer anschaut, (die letzten 2000 Jahre wohl bemerkt), nirgends besonders beliebt ist! Mir scheint dass ihr Fernsehen wohl sehr viel größer ist als ihr Bücherregal, ihr Umgangston lässt auch zu wünschen übrig.
    P.S. Ich habe selbst väterlicherseits teilweise jüdische Vorfahren, und weiß auch deshalb sehr wohl wie in diesen Kreisen über uns Goyims (Ungläubige) gedacht wird, und mit ihnen umgegangen wird!

  7. Alfons van Compernolle

    Frau Straschewsky , die Beliebtheit / Unbeliebtheit eines Volks / Volksgruppe etc spielt sich ersteinmal in unseren Koepfen ab. Oder noch besser gesagt: meistens / aber nicht immer, sind wir durch das Elternhaus und den Freunden mehr oder weniger vorbelastet betr. Vorurteile und neigen infolge dann schon mal zu komischen Sicht.- & Verhaltensweisen ! Es ist unser KOPF , nicht der Mensch an sich, in dem sich Vorurteile / Vorbehalte etc aufbauen und letztendlich den einen oder anderen von uns zu komischen Handlungen bis hin zum Mord & Attentat
    verleiten !! Das gilt auch fuer den Karneval, wo es eigentlich selbstverstaendlich sein sollte in der heutigen Zeit und bei den heutigen traurigen Ereignissen, keine
    wie auch immer geartete Volksgruppenveralberungen vorzunehmen.
    Gab es da nicht auch Karnevalteilnehmer in „SS.-Unform“ und roter Armbinde
    mit „NVA“ aufdruck ?? UNMOEGLICH !!!

  8. Maria van Straelen

    1. Mein Name lässt auch ein anderes Geburtsland erahnen, Leute bewegen sich und Grenzen ändern sich, aber die Endung wski(y) ist sehr polnisch/
    Ukrainisch etc geprägt. 2. Ich kenne die Weltkarte sehr gut und habe hunderte von Büchern, bin ganz ohne TV aufgewachsen. Aber meine Bemerkungen waren nur symbolisch und bewusst plakativ, so denke ich nicht. 3. Wenn Sie auf 2000 Jahre Geschichte hinweisen, dann muss ich ihnen sagen, dass kaum ein Volk so gelitten hat und beinahe ausgerottet wurde wie das jüdische, und zwar von Christen, von höchster Stelle befohlen, mit dem lächerlichen Argument, „die Juden hätten Jesus ermordet“. Das waren die Römer (Besetzer) und Jesus ist als Jude geboren und gestorben… erst lange nach seinem Tod haben Leute (Evangelisten) die Geschichte aufgeschrieben, die sie selbst nie erlebt haben. Und die Christen haben auch einen Namen für Ungläubige: Heiden. Jede Religion lebt davon, die allein seligmachende zu sein.

  9. Jean-Pierre DRESCHER

    Bei Nazi-Hetze darf europaweit kein Pardon gelten. Es gibt kein Recht darauf Nazi zu sein nur weil man nicht Deutsch ist. Alle Menschen haben gleich behandelt zu werden mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten.

  10. Karin Straschewsky

    Da ich hier wohl ein paar mal erwähnt wurde und teilweise der Diskurs in eine Richtung geht, zu der ich mich nicht äussern werde, ganz einfach weil die Kommentarsparte dafür zu knapp bemessen ist, und hier auch keine weiterführenden Links geteilt werden dürfen. Kann ich den Menschen nur sagen, Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben, willst du wissen was die Wahrheit ist…such selbst…

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