Karnevalszug in Aalst mit umstrittenen Judenpuppen

Unter den Augen von rund 20 internationalen Medienvertetern ist in Aalst der Karnevalszug durch die Stadt gezogen. Die israelische Presse blieb der Veranstaltung fern.

Wagen mit umstrittenen Judenkarrikaturen beim Karnevalszug in Aalst (Bild: Jonas D'Hollander/Belga)

Wagen mit umstrittenen Judenkarrikaturen beim Karnevalszug in Aalst (Bild: Jonas D'Hollander/Belga)

Mit dabei waren auch in diesem Jahr die umstrittenen Judenpuppen, allerdings in einem anderen Kontext. Zu sehen waren sie zusammen mit anderen Bevölkerungsgruppen in einer Art Schießstand.

Joël Rubinfeld, Präsident der belgischen Liga gegen Antisemitismus, sagte, es sei eine Schande, was in diesem Land im Namen der Meinungsfreiheit erlaubt werde. Es gebe Grenzen.

Premierministerin Sophie Wilmès erklärte, Belgien sei eine Demokratie, die auf den Grundfreiheiten basiere, unter anderem der Meinungsfreiheit. Doch diese Freiheit dürfe nicht zu Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung führen. Sie bezeichnete die Puppen als Angriff auf unsere Werte und das Ansehen Belgiens.

Die Figuren mit stereotypischen Judenmerkmalen hatten im vergangenen Jahr dazu geführt, dass der Aalster Karneval von der Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco gestrichen wurde. Auch andere Karnevalswagen präsentierten antisemitische Karikaturen. Viele Karnevalswagen und Kostümierungen hatten deswegen auch Zensur als Thema. Die Aalster Karnevalisten fordern, dass man ihre Tradition respektiert.

Aufgrund des Wetters war der Karnevalszug in Aaalst mit einer Stunde Verspätung gestartet. Einige Karnevalszüge im Landesinneren mussten sogar ganz abgesagt werden, vor allem in den Provinzen Antwerpen und Limburg. An der belgischen Küste fiel der Zug von Ostduinkerke aus. Die Züge von Blankenberge und Heist gingen, aber später und mit anderer Strecke.

belga/vrt/vk

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9 Kommentare
  1. Alfons van Compernolle

    Dieses ist keine Tradition , dieses ist der traurige Rest NATIONALSOZIALISTISCHER
    JUDENHETZE ! Karneval „Ja“ , derartige Hetze als normal & Tradition zu bezeichnen
    ist alles andere als nur GUT. Das ist Benzin fuer die geistige Brandstiftung der
    auch in Belgien leider wieder um sich greifenden Seuche des „NSDAP-Nationalsozialismus !

  2. Guido Scholzen

    Niemand verbietet es Juden und Anti-Antisemiten sich ebenfalls an diesem Karnevalszug zu beteiligen und einen Karnevalswagen „gegen Rechts“ zu präsentieren. Wenn denen dies nicht gestattet werden würde, dann hat man es wirklich mit Antisemitismus zu tun.
    Ansonsten bin ich der Meinung, dass Religionen, Ideologien (eigentlich alle Glaubensgemeinschaften) und deren Repräsentanten noch viel zu wenig vorgeführt werden.

  3. marcel scholzen eimerscheid

    Unia, das interföderale Zentrum für Chancengleichheit, hat sich auch mit dem Karneval von Aalst befasst. Diesbezüglich gibt es einen Bericht auf Französisch zum Herunterladen. Unia kommt zum Schluss, dass keinerlei Gesetzesverstoß vorliegt.

  4. Ernst Mathieu

    Antisemitisch Darstellungen und die Verächtlichmachung von Menschen einer bestimmten Ethnie, haben nichts mit einer Religionsgemeinschaft zu tun und sind auch keine Satire.
    Das ist unverfälschter Rassismus. Wenn da kein Gesetzesverstoß vorliegt oder nicht gesehen wird, sollten alle nochmal Nachdenken.
    Der Stürmer läßt Grüßen.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Verbote lösen nicht das Problem des Antisemitismus. Es gilt zu überlegen, woher kommt der Antisemitismus und was kann man dagegen tun.

  6. Jean-Pierre DRESCHER

    Ernst Mathieu vs. Marcel Scholzen Eimerscheid:

    Eigentlich egal warum sich Nazis in Aalst offen vor der internationalen Presse auf dem Karnevalsaufmarsch rumtreiben. Diese hässlichen Bilder aus Europa gegen die Juden gehen um die Welt.

  7. Markus Weber

    Die Karrikatur des Chinesen ist auch nicht so toll Irgendwie haben die Aalster einen an der Klatsche!

  8. bernard Ramscheid

    Desto weniger man davon spricht, desto besser. Das ist wie bei den Landwirten; wenn die in der Gülle rühren, dann stinkt es. Wenn die nicht rühren, …

  9. Edmund Gebser

    Werter Herr Ramscheid,

    Leider ist es notwendig im „geistigen Dünnschiss“ einiger Zeitgenossen zu rühren. Das stinkt zwar zum Himmel, aber sonst verfestigt sich bei denen der Eindruck die hätten Recht.
    Es wird Zeit das „die schweigende Mehrheit“ dem Treiben Einhalt gebietet. Wir werden sonst Vorfälle wie in Hanau und Volkmarsen immer häufiger erleben.
    Wer Rassismus und Antisemitismus mit „Meinungsfreiheit“ entschuldigt macht sich genauso schuldig wie die Brandstifter.
    Die Frage lautet also nicht ob man kritisieren darf sondern wie. Bilder und Klischees aus den unseligen dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts sollten dabei wahrlich nicht Mittel der Wahl sein.

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