Karaffenkrieg: Geplantes Gratiswasser in wallonischen Restaurants sorgt für Streit

Vor allem in Frankreich, aber auch in vielen anderen Ländern ist es das Normalste der Welt: Wer sich in einem Restaurant an einen Tisch setzt, der bekommt auch gleich eine Karaffe Wasser hingestellt - gratis. In Belgien ist das eher die Ausnahme. Die Wallonische Region will diese Tradition jetzt quasi per Gesetz etablieren. Restaurants sollen verpflichtet werden, den Kunden kostenloses Wasser zur Verfügung zu stellen. Doch ist die Idee sehr umstritten.

Wasserkaraffe im Restaurant (© Bildagentur PantherMedia / halfpoint)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / halfpoint

In der Wallonie hat sich fast schon ein Krieg zusammengebraut. Nennen wir ihn mal: den „Karaffenkrieg“. Die wallonische Regierung will Restaurants dazu verpflichten, den Kunden kostenlos einen Krug Wasser zur Verfügung zu stellen. Die Maßnahme steht sogar im Koalitionsabkommen der Namürer Regenbogenregierung.

Inspiriert hat man sich da wohl in erster Linie beim südlichen Nachbarn. In Restaurants in Frankreich hat man sich kaum hingesetzt, da kriegt man auch schon eine Wasserkaraffe gebracht, wenn sie nicht bereits auf dem Tisch steht.

Die Diskussion über die Gratiskaraffe ist zwar an sich bestimmt nicht neu, jetzt scheint die Wallonie aber ernstmachen zu wollen. Ein entsprechender Dekretvorschlag wird im Moment jedenfalls vom zuständigen Ausschuss unter die Lupe genommen.

Ganze Sektoren gehen jetzt aber auf die Barrikaden. Zu allererst das Hotel- und Gaststättengewerbe. „Sie werden wohl kaum überrascht sein, wenn ich Ihnen eröffne, dass die Restaurantbetreiber nicht wirklich scharf sind auf eine weitere, neue Auflage“, sagte in der RTBF Miguel Van Keirsbilck vom Belgischen Restaurantverband BRA. Dafür gibt es vor allem einen Grund: „Wir wollen die Freiheit haben selbst zu entscheiden, was wir unseren Kunden anbieten“.

Und, mal etwas präziser, sagt Miguel Van Keirsbilck: „Gratis – das gibt es nicht; das ist eine Illusion. Nichts ist umsonst.“ Besagte Wasserkaraffe muss etwa gekauft, gekühlt, gespült werden.

Und wenn man dann noch weiß, dass viele Restaurants knapp kalkulieren müssen, weil die Gewinnmargen so klein sind, dann kann man sich an den fünf Fingern abzählen, dass diese Kosten auf die anderen Posten abgewälzt werden, sprich: Die Preise werden steigen. „Eine andere Möglichkeit ist, dass man am Service spart, aber das wollen wir nicht“, so Van Keirsbilck.

Und noch eine andere Branche warnt vor den negativen Auswirkungen einer „Karaffenpflicht“. „Bei uns stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagte in der RTBF David Marquenie vom Verband der Wasser- und Erfrischungsgetränkeindustrie FIEB. Wenn Wasser gratis bereitgestellt wird, dann werden die Leute weniger Flaschenwasser konsumieren. Das Hotel- und Gaststättengewerbe steht für rund ein Fünftel des Umsatzes in dem Sektor. „Verlieren wir diesen Umsatz, dann stehen 70 Jobs auf der Kippe, und indirekt dann nochmal rund 200“, sagt David Marquenie.

„Nur: Wieso funktioniert das denn in anderen Ländern?“, könnte man da einwenden. Ganz einfach, sagen die Vertreter beider Verbände: Weil der Kunde die Karaffe Wasser letztlich doch bezahlt. In Frankreich hieß es in dem Gesetzestext lediglich, dass ein Krug bereitgestellt werden muss, nicht aber, dass das kostenlos zu erfolgen hatte. Der Preis sei in der Regel versteckt in den übrigen Gerichten, die angeboten werden.

„Hier geht es letztlich um Traditionen“, sagt Miguel Van Keirsbilck von der Vereinigung BRA. In Belgien ist es allgemein üblich, dass Brot und Butter bereitgestellt werden – ohne, dass das am Ende auf der Rechnung auftaucht. Man könne aber nicht nach und nach alles kostenlos anbieten. Das hätte zwangsläufig Auswirkungen auf die Preise.

Einen ökologischen Mehrwert sehen die beiden Branchenvertreter auch nicht. In Restaurants würden keine Plastik-, sondern ausschließlich Pfandflaschen aus Glas angeboten. Wenn es nur darum gehe, den Konsum von Wasser zu promoten, dann könne man schonmal damit anfangen, die Mehrwertsteuer auf Wasser zu senken. Die belaufe sich nämlich für Restaurants auf 21 Prozent, in Supermärkten sind es dagegen nur sechs Prozent.

Es gebe also eigentlich keinen Grund, jetzt hier gesetzgeberisch tätig zu werden. „Zwang, eine gesetzliche Verpflichtung, das ist in jedem der falsche Weg“, so das Fazit von Miguel Van Keirsbilck. Genauso sieht das auch David Marquenie, der Vertreter der Getränkebranche: „Man sollte allen Beteiligten die Wahl lassen: den Kunden und auch den Restaurantbetreibern“.

Roger Pint

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Ein Kommentar
  1. Marcel scholzen eimerscheid

    Am besten lässt man alles beim alten. Denn schlussendlich bezahlt der Kunde so oder so. Gratis ist hier eine Illusion.

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