Hat der Staat sich beim Deal mit den Finanztürmen über den Tisch ziehen lassen?

Die Finanztürme in Brüssel, in denen sich das Finanzministerium befindet, sind an eine britisch-südkoreanische Investmentguppe verkauft, und zwar für 1,2 Milliarden Euro. Es wird als der größte Immobiliendeal in Belgien bezeichnet.

Skyline von Brüssel

Bild: Eric Lalmand/Belga

Der Deal mit den Finanztürmen scheint sich vor allem für den Verkäufer, Frank Zweegers, auszuzahlen. Der niederländische Immobilientycoon hatte das Gebäude 2001 vom belgische Staat abgekauft.

Frank Zweegers hatte 311 Millionen Euro für die Finanztürme gezahlt und zusätzlich 325 Millionen in die Asbestsanierung gesteckt. Das macht zusammengerechnet Ausgaben von 636 Millionen. Jetzt hat Zweegers die „Tour de Finance“ für etwa das Doppelte verkauft.

Der belgische Staat hat das Gebäude vor fast 20 Jahren verkauft, weil die Staatskasse leer war. Es fehlte das Geld für die notwendige Asbestsanierung.

Guy Verhofstadt war 2001 Premierminister. Der liberale Politiker hielt es für eine gute Idee, sich die teure Asbestsanierung zu sparen, und mit dem Erlös den Haushalt zu sanieren. Kurzfristig war das nicht falsch gedacht. Langfristig ist es den Steuerzahler aber teuer zu stehen gekommen.

Schlechter Deal für den belgischen Staat

Beim „Sale and Lease back“ verkauft der Staat eine Immobilie und mietet sie dann vom neuen Eigentümer zurück. So fließt beim Verkauf einmalig eine hohe Geldsumme in die Staatskasse. Der Staat bekommt einen finanziellen Spielraum, muss aber die Miete zahlen.

Es wurden nicht verhandelbare Mietverträge über 25 Jahre abgeschlossen – mit einer jährlichen Indexanpassung. Laut Mietvertrag wurden die Renovierungskosten auf die Miete umgelegt. Die jährliche Miete stieg so von 42,7 Millionen Euro auf 59 Millionen Euro. Das ergibt einen Quadratmeterpreis, der selbst für Brüssel extrem hoch ist.

Dieser Mietvertrag läuft noch bis 2031. Für die restliche Laufzeit wird der belgische Staat noch mindestens 600 Millionen Euro Miete zahlen: Das ist das Doppelte von dem, was er damals eingenommen hat.

Geschäftsmann mit zweifelhaftem Ruf

Frank Zweegers ist steinreich, aber sehr diskret. Er gilt als einer der 100 reichsten Niederländer. Niemand weiß genau, wie groß sein Vermögen ist. Immer wieder ranken sich Spekulationen über dubiose Geschäfte.

2001 sollen Beamte bestochen worden sein, um den Deal mit den Finanztürmen einzufädeln. Drei Geschäftsmänner standen wegen Korruption vor Gericht. Zwei wurden verurteilt. Zweegers selbst blieb verschont.

vk/cs

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