Brüsseler Weihnachtsmarkt: Budenbesitzer ziehen gemischte Bilanz

Die Weihnachtsferien sind zu Ende, und damit ist auch die Zeit der Weihnachtsmärkte in den großen Städten endgültig vorbei. Am Sonntagabend schlossen in Antwerpen und Brüssel die Weihnachtsmarktbuden für diese Saison endgültig ihre Klappen.

Weihnachtsmarkt (Archivbild: Aris Oikonomou/AFP)

Weihnachtsmarkt (Archivbild: Aris Oikonomou/AFP)

In Antwerpen gibt es bereits Bilanzzahlen. 1,4 Millionen Besucher wurden dort in vier Wochen gezählt, ein deutliches Plus von 22 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. In Brüssel dauerten die „Plaisirs d’hiver“ ganze fünf Wochen. Offizielle Zahlen liegen hier noch nicht vor. Die Betreiber der Buden haben ihre persönlichen Bilanzen bereits gezogen. Und diese fallen unterschiedlich aus.

Der Brüsseler Weihnachtsmarkt war dieses Jahr aus zwei Gründen etwas anders als die vergangenen Jahre. Zum einen feierte während des Weihnachtsmarktes Brüssels bekanntester Bürger, das Manneken Pis, seinen 400. Geburtstag. Die Besucher des Marktes konnten über eine Applikation auf ihrem Smartphone eine Schnitzeljagd über den Weihnachtsmarkt machen, im Zeichen des stetig pissenden kleinen Mannes.

Zum anderen gab es dieses Jahr nicht die gewohnte Aufteilung des Weihnachtsmarktes. Auf dem Börsenvorplatz wurde dieses Jahr an der Vollendung der neuen Fußgängerzone in Brüssels Innenstadt gebaut.

Die Buden und Stände, die sonst bei der Börse und in den Verbindungsstraßen zwischen Börse und Place St. Catherine standen, waren auf die Place De Brouckère wenige hundert Meter weiter platziert worden. Das hatte anscheinend unterschiedliche Konsequenzen für das Geschäft der Budenbetreiber. Für die einen war das eine äußert positive Entscheidung, für die anderen genau das Gegenteil.

Mike Dubasin, bei dem man Süßigkeiten aus Schokolade kaufen konnte, spricht von einem katastrophalen Jahr: „Das ist unser schlechtestes Jahr – wahrscheinlich wegen des Ortes, wo unsere Bude steht. Es gibt mehrere Budenbetreiber, die sich darüber beschweren. Leider ist das so. Es ist dieses Jahr ziemlich übel gelaufen“, sagt er. Geteilt wird diese Meinung von Budenbetreiber Julien Poulard. Bei ihm konnte man leuchtende Weihnachtssterne als Lampen kaufen. In der RTBF erklärt er: „Die Leute gehen normalerweise auf die Grand Place, die Börse und gehen dann durch die kleinen Straßen weiter, dort, wo wir früher standen. Da gab es immer einen großen Menschenstrom. Hier allerdings – tja. Ich habe den Eindruck, dass wir kaum Touristen hier hatten. Man hat sich hier gefühlt wie auf einem beliebigen, lokalen Weihnachtsmarkt.“

Die klare Kritik der einen an dem Standort Place De Brouckère steht im deutlichen Kontrast zu der positiven Bilanz, die andere Budenbetreiber hier durchaus ziehen. Zu denen gehört Arnaud Ramaekers, bei dem man spezielle Nudeln kaufen und essen konnte. Er hat gefühlt mehr Kunden als sonst bedient und sagt: „Ich habe mit jetzt noch nicht die Zahlen angeschaut. Aber wenn ich auf das Arbeitspensum schaue, da stelle ich doch einen großen Unterschied für uns fest.“

Auch Standnachbarin Julie Deltour kann sich nicht beklagen. Ganz im Gegenteil: „Für uns ist es viel besser gelaufen“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Die ganze Anordnung hier, mit den anderen Budenbetreibern: das ist viel einladender, wie man es dieses Jahr gemacht hat.“

Die offiziellen Zahlen zum Weihnachtsmarkt in Brüssel werden im Verlauf der Woche vielleicht Aufschluss darüber geben, wie die Bilanz des neuen Standorts Place De Brouckère objektiv ausfällt. Ob er vielleicht eine Dauerlösung sein könnte. Oder man doch für die nächste Ausgabe der „Plaisirs d’hiver“ wieder auf den alten Standplatz zurückkehren wird – auf die Zugangsstraßen zur Place St. Cahtérine und auf den Börsenvorplatz, wo die aktuellen Bauarbeiten dann längst abgeschlossen sein werden.

Kay Wagner