Brandanschlag auf künftiges Asylzentrum in Bilzen: „Grenzen überschritten“

"Eine traurige Premiere in Belgien", schreibt am Dienstag schon eine Zeitung. Im limburgischen Bilzen ist in der Nacht zum Montag ein künftiges Asylbewerberzentrum durch einen Brand schwer beschädigt worden. Wie sich schnell herausstellte, handelte es sich um Brandstiftung. Fast noch schockierender waren dann aber viele Reaktionen vor Ort und auch im Internet: Menschen, die sich offen über das Feuer gefreut haben.

Polizei Illustrationsbild

Illustrationsbild: Thierry Roge/Belga

Sonntagabend, kurz vor Mitternacht. Flammen schlagen aus dem Dachstuhl eines Gebäudes in Grote-Spouwen, einem Stadtteil von Bilzen in der Provinz Limburg. Es ist nicht irgendein Gebäude. Früher war dort eine Altenwohnanlage. Ab Mitte Dezember sollten dort rund 140 Asylbewerber untergebracht werden. Im Moment steht das Gebäude noch leer – zum Glück. Denn der Dachstuhl ist völlig ausgebrannt.

Gegen das geplante Asylbewerberheim hatte es in den letzten Wochen heftigen Widerstand in der Bevölkerung gegeben. Der rechtextreme Vlaams Belang und die rechtsradikale Vereinigung Voorpost hatten sich an die Spitze des Protestes gestellt.

Als das Gebäude lichterloh in Flammen stand, war denn auch offensichtlich nicht jeder betroffen oder schockiert. Übereinstimmenden Augenzeugenberichten zufolge scharten sich schnell Schaulustige am Ort des Geschehens. Und es gab demnach sogar spontanen Applaus. Er habe es zwar selbst nicht gesehen, aber so sei es ihm geschildert worden, sagte Egide Noé, der Besitzer des Gebäudes, in der VRT. Mehr als 100 Menschen hätten dort gestanden, um sich das Feuer anzusehen.

Die Geschichte von Joffry ist auch bezeichnend: In der VRT erzählte der junge Mann, dass er dabei war, die Notrufnummer zu wählen, als ein Mann auf ihn zukam und sagte: „Du brauchst nicht die Feuerwehr zu rufen. Lass das Ding doch einfach abbrennen“. Der limburgische Lokalfernsehsender TVL zeigte ein Amateurvideo, auf dem man einen Mann hört, der seine Genugtuung offen und unverhohlen zum Ausdruck bringt. Er brüllt so etwas wie: „Fackelt das Ding ab!“.

Vielleicht verständlicher, aber im Ton nicht gemäßigter ging es danach in Sozialen Netzwerken zu. Was man da lesen konnte, passt auf keine Kuhhaut. Nach dem Motto „Gut gemacht!“; „Endlich!“. Verherrlichung eines Brands in einem künftigen Asylbewerberheim – und das teilweise sogar ungeniert mit Klarnamen.

Brandstiftung

Klar, dass da von Anfang an der Verdacht im Raum stand, dass der Brand kein Unglück war. Die Bestätigung kam ziemlich schnell: „Wir haben die Spurensicherung zum Tatort geschickt, und auch speziell geschulte Spürhunde und einen Brandexperten“, sagte Dorien Vanderheiden, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Limburg, in der VRT. Und die Ergebnisse lägen schon vor: „Es war Brandstiftung“.

Das war keine 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers. Die Täter haben sich offensichtlich keine große Mühe gegeben, ihre Spuren zu verwischen. Schon in der Brandnacht war den Rettungskräften aufgefallen, dass ein Kellerfenster aufgebrochen war. Und im Gebäude sei später ein Benzinkanister gefunden worden, berichtet die Zeitung Het Belang van Limburg.

Kein Zweifel also: Brandstiftung. Und das macht aus dem Feuer einen Brandanschlag. Wenn auch die Motive noch nicht offiziell bestätigt wurden, kann man einen fremdenfeindlichen Hintergrund wohl zumindest nicht ausschließen.

Reaktionen

Geschockte Reaktionen jedenfalls von politisch Verantwortlichen. Da mag Alkohol im Spiel gewesen sein, aber das könne und dürfe man nicht entschuldigen, sagte Johan Sauwens, Bürgermeister von Bilzen. „So etwas tut man nicht. Hier wurden Grenzen überschritten. Hier wird buchstäblich mit Feuer gespielt.“

Ähnlich äußerte sich Maggie De Block, die amtierende Ministerin für Asyl und Migration. Sie sei geschockt und erschrocken über das Maß an Intoleranz in Teilen der Gesellschaft. Man werde aber an den Plänen festhalten, sagt De Block. Natürlich müsse das Gebäude erst wieder instand gesetzt werden. Die föderalen Behörden, das Rote Kreuz und auch die Besitzer seien aber fest entschlossen, sich nicht dem Hass zu beugen.

Doch sind die Behörden dennoch alarmiert. Denn nicht nur, dass erschreckend viele Menschen den Brandanschlag von Bilzen gutzuheißen scheinen, es gab auch mehr oder weniger unverhohlene Aufrufe, wonach es nicht dabei bleiben solle. Laut Gazet van Antwerpen haben die föderalen Behörden jedenfalls zusätzliche Bewachung von vergleichbaren Gebäuden angeordnet.

Roger Pint

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5 Kommentare
  1. Alexander Hezel

    So sieht es dann aus, wenn vermeintlich „unbescholtene“ und „rechtschaffende“ Bürger „die Dinge selbst in die Hand nehmen“, usw. wie es so oft aus vieler dummer Munde klingt… Wehret den Anfängen kann man nun vielleicht nicht mehr sagen – wir sind mitten drin, im Aufstreben der braunen Brut in ganz Europa… Zivilcourage und die Stimme der Vernunft und Mäßigung der Mehrheit sind gefragt.

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Was unternimmt überhaupt eigentlich das Föderale Königreich um der gewalttätigen flämisch-wallonischen Nazi-Szene Einhalt zu gewähren?

    Wer sorgt dafür, das wir nicht immer wieder Bilder von prügelnden Milizbeamten gegen wehrlose wirkliche Flüchtlinge in Brüsseler Parks sehen müssen?

    Würden hier Zustände der totalen Anarchie wie in der BRD durch deren No-Deal-Migration herrschen hätte ich dennoch kein Verständnis für illegale Aktionen sondern für Kritik.

    Belgische Schulen unternehmen nichts um die Heranwachsenden über die Kollaboration Westeuropas mit dem NS-Regime aufzuklären. Ebenso wenig wird der Kongogreul thematisiert. Einfach immer nur zu behaupten „dafür haben die anderen zu bezahlen, den Holocaust und die beiden Großen Kriege“ ist mehr als zynisch.

    Noch zynischer für jeden Menschen Bilder sehen zu müssen, wo wallonische Soldaten in schwerster Montur billige PR an einer Malmedyer Sekundarschule vor den Gesichtern der Kinder treiben unter dem Alibi einer angeblichen Übung nicht gegen wallonische Naziverbrecher sondern irgendwelche nicht im Föderalen Königreich existierende ausländische „Terroristen“. Damit initialisiert man Rechtsextremismus-Gewalt.

  3. Alexander Hezel

    Herr Drescher, bitte nicht mit Linksextremismus auf Rechtsextremismus antworten. Die sehr breite Mitte der Gesellschaft, also die nicht-extremistische Breite und Vielfalt der Gesellschaft ist die Antwort. Moderater Konservatismus oder Progressivismus ist angesichts des Extremismus immer zu bevorzugen. Und wenn der progressive, aufklärerische Gedanke in unserer Gesellschaft überwiegt, dann bleibt Hoffnung für uns alle.

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr Hezel, ich wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn sich Ihre Hoffnungen wenigstens im Föderalen Königreich auch nur annähernd erfüllen würden.

    Ihnen wird es wahrscheinlich nicht viel anders gehen wie mir, wenn ich allgemein zusammengefasst folgende Beispiele unter einer Naturgesetzmäßigkeit erwähne:

    Russland, Griechenland, Serbien u.a. wären zurecht besorgt, würde in Deutschland eine ähnlich Szene übermächtig werden. Menschen wie mir in der DG geht es nicht anders. Zu sehr werden im Zusammenhang mit immer wieder stattfindenden Anfeindungen gegen die „Sale-Boches“ im Alltag Erinnerungen wach wo sich die Ardennen-SS unter General Degrelle und nach dem 2. Weltkrieg die Weiße Armee an der Zivilbevölkerung brutal ausgetobt hat. Limbourg ist nicht weit entfernt von unserer DG und ich kann nur hoffen dass die zukünftige Föderalregierung aus Sozis bestehend für ein Klima der Entspannung zwischen Wallonen und uns als Deutschsprachiger Minderheit sorgt. Niemand will eines Tages vor der Entscheidung stehen nach Luxembourg fliehen zu müssen.

  5. Alfons van Compernolle

    Nun ja, die „Neo-Nazis“ sind nicht alleine eine flaemische Brut und somit Problem. Was die belgishe Politik gegen diese „braunen Typen“ unternimmt ???
    Nichts und davon aber reichlich ganz viel „NICHTS“ !!
    Wenn wir denn einmal nach Ostdeutschland sehen, wo diese Typen enormen Waehlerzuwachs haben und selbst CDU Mitglieder sich fuer diese Typen begeistern koennen, warum soll das denn in Belgien anders sein ????
    Polen , Russland , Deutschland , Italien jetzt auch Spanien, ueberall sind diese
    ewig gestrigen „Neo-Nazis“ im Aufwind !! LEIDER !!!!
    Wir, die Waehler koennen sie stoppen , fallen aber leider immer heufiger
    auf deren „Goebbelsche Propaganda“ rein. LEIDER !!
    Wir sind somit das Problem , wir lassen uns wegen unserer Unzufriedenheit
    mit den derzeitigen Zustaenden, zu leicht zu Protestwahlentscheidungen verleiten.

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