Ein guter Chef schützt vor einem Burnout

Unzureichendes Feedback, ein hohes Arbeitstempo und der Druck, ständig verfügbar zu sein: Chefs spielen eine entscheidende Rolle beim Auftreten eines Burnouts. Das geht aus einer Umfrage der Universität Gent in Zusammenarbeit mit der Zeitung De Morgen hervor.

Burn-out

Illustrationsbild: Pixabay

Der Arbeitsökonom Stijn Baert hat zusammen mit der Organisationspsychologin Eva Derous 1.153 ehemalige und aktuell erkrankte Burnout-Patienten befragt.

Sieben von zehn Befragten gaben an, dass „unzureichendes Feedback des Vorgesetzten“ zum Burnout beigetragen hat. Genau so viele sagten auch, dass die ständige Verfügbarkeit zum Burnout geführt habe. Acht von zehn nannten auch die hohe Arbeitsmenge als Ursache.

Bemerkenswert ist aber, dass neun von zehn Betroffenen angegeben haben, selbst eine Mitschuld zu tragen. Und zwar dadurch, dass eine Neigung bestehe, konstant hart zu arbeiten. Laut Stijn Baert darf man deshalb nicht nur auf den Chef schauen. Der Mitarbeiter müsse sich auch selbst abgrenzen und zeitig Hilfe suchen.

Ernstes Problem

Alleine in Flandern leiden laut Arbeitsökonom Baert mehr als sieben Prozent der arbeitenden Bevölkerung unter Burnout-Beschwerden. Weitere neun Prozent befinden sich im Gefahrenbereich. Das sind 460.000 Arbeitnehmer alleine im Norden des Landes. Die Zeitung De Morgen zitiert Baert so: „Burnout existiert und ist kein Euphemismus für Faulheit“.

Es gibt traditionelle Vorschläge zur Burnout-Vermeidung. Dazu zählen zum Beispiel flexible Arbeitszeiten zur Wiederherstellung der Work-Life-Balance. Das Weglassen von E-Mail-Verkehr am Abend ist auch eine Möglichkeit.

Nach Ansicht der Organisationspsychologin Derous sind auch Alternativen möglich, die noch nicht so erprobt sind. Wie zum Beispiel eine besser angepasste Karrierepolitik, „bei der die Mitarbeiter gelegentlich eine Auszeit nach ihren persönlichen Bedürfnissen festlegen können“.

Reintegration

Aber wenn es doch zum Burnout gekommen ist, spielt der Chef auch bei der Reintegration eine sehr wichtige Rolle. Burnout-Patienten sehen mangelnde Unterstützung durch Chefs als einen Grund, nicht zurückzukehren. Drei von vier Befragten erklärten auch, wenn sich an den Arbeitsumständen nichts ändert, sei das die größte Hürde, um den Job wieder aufzunehmen.

Laut Kasper Demol, dem Sprecher des flämischen Arbeitgeberverbandes Voka, nehmen Arbeitgeber Burnout ernst. Man organisiere auch Informationsveranstaltungen zum Thema. Er fordert aber auch, dass Ärzte eine wichtigere Rolle übernehmen.

Nach seinem Geschmack handeln Ärzte zu sehr nach einem Schwarz-Weiß-Muster. Sprich: Der Patient ist entweder krank und bleibt zu Hause, oder er wird wieder zur Arbeit geschickt. Besser wäre, wenn der Arzt bestimmen könnte, was ein Mitarbeiter machen kann und was nicht. Vielleicht könnte der Betroffene auch mal einige Tage pro Woche arbeiten kommen.

Hintergrund

Die von Baert und Derous durchgeführte Umfrage ist eine Pilotstudie. Gemeinsam mit den Doktoranden Claudia Rooman, Philippe Sterkens und Eline Moens werden sie sich in den kommenden vier Jahren mit weniger untersuchten Ursachen für Burnout und ihren Konsequenzen für die weitere Karriere befassen.

morgen/mz/km

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2 Kommentare
  1. Peter Schallenberg

    Häufig liegt das Problem auf der mittleren Führungsebene, also etwa Abteilungs-, Bereichs- oder Gruppenleiter. Zu wenig Erfahrung, mangelnde soziale oder fachliche Kompetenz und ein ausgeprägtes „das haben wir doch immer so gemacht“- Denken.

    Wenn dann noch private Unzufriedenheit auf der Arbeit kompensiert wird entsteht schnell ein Klima aus Angst und Misstrauen, da werden neben Mitarbeitern auch viele Chancen für die Entwicklung des Unternehmens verheizt.

    Systemische Veränderungen werden bewusst und sorgfältig gemieden, man wurschtelt sich eben so mit Ach und Krach durch. Und jeder macht dieses krankmachende Spiel mit, wer will schon gerne als Nestbeschmutzer da stehen? Wer hat den Mut, den Stier bei den Hörnern zu packen? Von „oben“ unerwünscht, für „unten“ zu riskant. Solange bis Körper und Seele eben streiken.

  2. Edgar Michaelis

    Wenn Arbeitsökonomen und Organisationspsychologen von Bournout-Patienten reden, betreiben diese Gefälligkeitsstudien, um ja nicht die wahren Ursachen des seit 15 Jahren vermehrt auftretenden Problems beim Namen nennen zu müssen! Seit den Jahren 2000 wurde ihm Rahmen der liberalisierung des Marktes den Börsen erlaubt, um effektiver spekulieren zu können, ihre manimulativen Finger in die Firmen stecken zu können! Das in den 1990gern beobachtete Phenomen des „persönliche Mobbings am Arbeitsplatz“ wurde in den Firmen „als strategisches Werkzeug“ eingeführt um die produktive Belegschaft nicht am Profit beteiligen zu müssen, und um sich gleichfalls der „Firmen/Humanethik“ entledigen zu können!!! Da liegt der krumme Hund begragen ! Die Arbeiterschaft wurden zu Nummern degratiert. Da die MBA-ler im mittleren Management nur über EXCEL Tabellen kommunizieren können ist das den Top-Chefs hilfreich, recht und billig, um sich ihre Boni sichern zu können !!!

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