Gebrauch von Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln bleibt alarmierend hoch

Es gibt viele Menschen, die ohne Schlaftabletten gar nicht mehr ins Bett gehen. Der Verkauf von Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln in Belgien ist aber rückläufig. Innerhalb von fünf Jahren ist der Absatz um zwölf Prozent gesunken. Trotzdem greifen Belgier immer noch zu schnell zur Pille, sagen Experten.

Medikamente

Illustrationsbild: Pixabay

Schlafprobleme beschäftigen das Gesundheitswesen seit Jahren. Die genaue Zahl der Benutzer ist nicht bekannt, da Schlafmittel von der Krankenkasse nicht erstattet werden. Bei einer Gesundheitsumfrage von 2013 wurde aber angegeben, dass jeder dritte Belgier Schlafprobleme hat und jeder achte Schlaftabletten einnimmt.

2018 sind in belgischen Apotheken fast 435 Millionen Schlaftabletten verkauft worden – 1,19 Millionen Tabletten pro Tag. Vor fünf Jahren waren es noch 1,35 Millionen Stück. Deshalb hoffen Gesundheitsexperten auf eine Trendwende.

Der leichte Rückgang hat möglicherweise auch mit einer Kampagne zu tun. Mit neuen Plakaten und Broschüren wurden Ärzte und Patienten letztes Jahr aufgefordert, sich seltener für Schlaftabletten zu entscheiden. Die Regierung bemüht sich auch darum, dass Pharmaunternehmen kleinere Verpackungen anbieten.

Sind Schlafmittel schädlich?

Benzodiazepine wirken auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Die Muskeln werden schlapper und man wird schläfrig. Wer Schlafstörungen hat, will diesen Effekt.

Aber das Medikament hat auch Auswirkungen auf die Konzentration und bei einigen Nutzern wirkt es länger als die normalen sechs bis acht Stunden. Das hat oft Verkehrs- und Arbeitsunfälle zur Folge. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Schlafmittel die kognitiven Funktionen in einem späteren Alter beeinflussen.

Suchtpotenzial

Darüber hinaus kann eine Schlafhilfe süchtig machen. Wer nach einer längeren Einnahme auf die Pillen verzichtet, hat den Eindruck, noch schlechter zu schlafen als zuvor.

Es scheint, als könne man nicht mehr ohne leben, so dass man auch eine psychische Abhängigkeit entwickelt. Deshalb wird Menschen, die wirklich Medikamente brauchen, empfohlen, diese Zeit auf höchstens eine Woche zu beschränken.

Statistiken

Eine Studie hat gezeigt, dass Schlafmittel häufiger von Frauen (16 Prozent) als von Männern (zehn Prozent) eingenommen werden. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Konsum: 40 Prozent der Frauen über 75 gaben an, Schlaftabletten und Beruhigungsmittel zu nehmen. Bei Männern waren es 24 Prozent.

Experten sagen, dass noch zu viele Allgemeinmediziner davon ausgehen, dass ihr Patient wegen einer Pille kommt, obwohl ihnen nur geholfen werden soll. Deshalb geben sie am besten andere Ratschläge, wie zum Beispiel eine angepasste Ernährung oder regelmäßige Schlafzeiten.

Vor dem Schlafen sollte auch nichts Aufregendes gemacht werden. Und dazu zählt auch der Bildschirmgebrauch von Smartphone oder Computer.

morgen/hln/dh/mz/km

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