Sabotage in Reaktor Doel 4 nach wie vor nicht aufgeklärt

Vor genau fünf Jahren ließ eine Meldung aufhorchen. Am 5. August 2014 musste der Reaktor Doel 4 außerplanmäßig abgeschaltet werden. Hintergrund war ein Defekt an der großen Stromturbine. Wie sich herausstellte, war das Schmieröl aber offensichtlich absichtlich abgelassen worden - Sabotage also. Fünf Jahre später sind die Hintergründe aber nach wie vor ungeklärt.

Das Atomkraftwerk in Doel bei Antwerpen

Atomkraftwerk in Doel (Bild: Yorick Jansens/Belga)

5. August 2014. Der Reaktor Doel 4 wird außerplanmäßig heruntergefahren. Das ist an sich keine Meldung, da die belgischen Meiler bekanntermaßen störungsanfällig sind. An jenem 5. August 2014 war es aber zu einem Problem gekommen, das die Experten so auch noch nicht gesehen hatten: Die große Dampfturbine war beschädigt. Das ist, neben dem eigentlichen Reaktorkessel, das Herzstück eines Kernkraftwerks. Grob gerafft: Wasser wird erhitzt und der Dampf treibt dann eine riesige Turbine an, die nichts anderes ist als ein überdimensionierter Generator, der den Strom produziert.

Und diese Turbine war also beschädigt. Wie kann das sein? Nun, es war das passiert, was wohl auf den ersten Blick am wenigsten wahrscheinlich war. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass das Ablassventil am Schmieröltank offen stand, sagte die Electrabel-Sprecherin Geehta Keyaert. Und das sei höchstwahrscheinlich auf einen mutwilligen Akt zurückzuführen. Sprich: Jemand muss den Ölhahn aufgedreht haben.

Jemand hat das Schmieröl also absichtlich abgelassen. Und bei einer riesigen Turbine sind das auch gleich riesige Mengen: 65.000 Liter Schmieröl wurden abgelassen. In etwas mehr als einer halben Stunde war der Tank leer. Und dann passierte das, was auch z.B. bei einem Auto passieren würde: fatale Überhitzung. Das war, wohlgemerkt, im sogenannten „nicht-nuklearen Teil“ der Anlage. Aber nichtsdestotrotz: Die Turbine war weitgehend zerstört.

Teure Reparatur

Der Reaktor Doel 4 war damit erstmal außer Gefecht. Die Turbine musste komplett erneuert werden. Das war eine nicht nur langwierige, sondern auch teure Reparatur. Veranschlagt hatte man die Kosten seinerzeit auf 30 Millionen Euro. Am Ende war dann doch von 100 Millionen die Rede.

Aber zurück zum Problem: Jemand hat das Öl absichtlich abgelassen. Heißt also: Sabotage. André Vandoren, der damalige Leiter des Anti-Terror-Stabs OCAM, wollte damals sogar einen terroristischen Hintergrund nicht ausschließen. Natürlich wurde eine Untersuchung gestartet. Federführend waren die zuständigen Justizbehörden. Die Fank, die föderale Agentur für Nuklearsicherheit, übernahm die Rolle des Gutachters.

Insider-Job?

Die Untersuchung sei immer noch im Gange, sagte Fank-Sprecherin Ines Venneman in der VRT. Und über genauere Einzelheiten verfüge auch sie noch nicht. Auch fünf Jahre danach weiß man also immer noch nicht, wer da den Ölhahn geöffnet hat.

Der Punkt ist: Der Täter wusste offensichtlich, was er tat. Er muss gewusst haben, dass es dort keine Überwachungskameras gab. Und er muss auch gewusst haben, dass das damalige System der Eingangskontrollen zu den einzelnen Bereichen so strukturiert war, dass man den Verdächtigenkreis nicht wirklich so eingrenzen konnte, dass der Schuldige eindeutig identifiziert werden konnte.

„Wie gehen von einem Insider-Job aus“, sagt denn auch Ines Venneman. „Der Mensch, der das getan hat, muss in dem Atomkraftwerk beschäftigt sein.“

Sicherheitsmaßnahmen

Dass man den Täter bislang nicht ermitteln konnte, allein diese Tatsache hat natürlich Sicherheitslücken offengelegt. „Und wir haben daraus gelernt“, sagt die Fank-Sprecherin. Die Fank habe in der Folge eine Reihe von neuen Sicherheitsmaßnahmen verordnet. So wurden zusätzliche Überwachungskameras installiert. Auch die elektronische Kontrolle der Zugänge zu den einzelnen Bereichen wurde angepasst. Und schließlich wurde auch das sogenannte Vieraugenprinzip ausgeweitet: Einige Bereiche dürfen nicht mehr alleine betreten werden, sondern nur noch mindestens zu zweit.

Und diese Maßnahmen gelten für alle sieben belgischen Reaktorblöcke. Seit dem Vorfall arbeite man zudem noch verstärkt mit internationalen Partnern zusammen, um wirklich alle Eventualitäten ausschließen zu können. Insofern könne man fast behaupten, dass Belgien in dieser Materie inzwischen eine Vorreiterrolle einnehme, sagt Ines Venneman.

Roger Pint

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Ein Kommentar
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Klingt einfach nur komisch. Ich denke an eine andere Geschichte.

    Als Privateigentümer eines großen Anwesens mit prall gefülltem Geldbeutel lasse ich mein Haus und Garten so richtig vergammeln, dass Nachbarn und Verkehrsteilnehmer ständig gefährdet sind. Auf einmal knallt das gammlige Vordach auf den Kopf vom Briefträger, abgebrochene Äste meines „wallonischen“ Gartens auf einen teuren Ferrari, jemand anders von DHL bricht sich das Genick als er auf nur schwer erkennbarem Glatteis unter einer dünnen Schneedecke mit dem dicken Paket voll ausrutscht.

    Meiner Haftpflichtversicherung gebe ich bei allem zu Protokoll „Sabotage, Fremdeinwirkung durch dritte“ und nutze alles für eine billige Warmsarnierung zu Lasten der Versichertengemeinschaft der Kleinen Leute.

    Denn vielleicht glaubt man mir das auch so dass Jemand heimlich einen Eimer absichtlich auf den morschen Holzstufen ausgekippt hat, ein Autohasser aktiv war im Busch oder auf dem Vordach rumgesprungen ist um es dem Postzusteller heimzuzahlen.

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