Personalprobleme bei der belgischen Armee

Die belgische Armee hat ein Problem: In den nächsten fünf Jahren gehen 11.400 Soldaten in den Ruhestand. Das sind 40 Prozent aller Soldaten. Das geht aus Zahlen des Verteidigungsministeriums hervor. Und es sieht momentan nicht so aus, als könnte diese Lücke mit neuen Bewerbern gefüllt werden.

Illustrationsbild: Yorick Jansens/Belga

Illustrationsbild: Yorick Jansens/Belga

Die Alterspyramide der belgischen Armee steht auf dem Kopf: viele Alte, wenig Junge. Exakt 11.395 Militärs sind zwischen 49 und 55 Jahre alt, sind also spätestens in fünf Jahren altersbedingt weg.

Um den Personalschwund, also auch freiwillige oder krankheits- und todesbedingte Abgänge aufzufangen, müssten von jetzt an bis 2024 am besten 13.400 neue junge Soldaten rekrutiert werden – rund 2.200 jedes Jahr. Das ist nahezu unmöglich.

Außerdem herrscht auf dem Arbeitsmarkt derzeit ein Mangel an Arbeitskräften. Und als Arbeitgeber ist die belgische Armee alles andere als attraktiv: schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Lohn – vor allen Dingen beim technischen Personal.

Die Armee hat allerdings nicht nur mit einer großen Zahl von Soldaten zu kämpfen, die in den Ruhestand gehen. In den nächsten zwei Jahren verlassen auch einige erfahrene Offiziere die Armee in Richtung Pension.

Als wäre das noch nicht genug, herrscht bei der belgischen Armee auch generell eine große Fluktuation. Viele, vor allem junge Soldaten, verlassen die Armee vorzeitig – manche schon nach wenigen Monaten oder Jahren. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt über 900, die freiwillig die Armee wieder verlassen haben. Insgesamt zählte die Armee im letzten Jahr 26.000 Mitarbeiter, von denen 1.700 letztes Jahr in Pension gegangen sind.

Teures Material angeschafft

Ironie der Geschichte: Für die verschiedenen Komponenten wurde oder wird neues und vor allen Dingen teures Material angeschafft: zum Beispiel die F-35-Kampfjets, neue Schiffe, Drohnen und Panzerfahrzeuge. Jetzt sieht es so aus, dass nicht genügend Personal da sein wird, um die Gerätschaften überhaupt zu bedienen. Und: Die Inbetriebnahme der neuen Waffensysteme verursacht nochmal zusätzlichen Arbeitsaufwand, weil immer zwei gleichartige Waffensysteme nebeneinander bestehen müssen.

Die Armeeführung ist sich dessen bewusst. Das Problem sei nicht neu und man setze alles dran, den jetzigen Personalbestand auch in Zukunft zu halten. Man könne allerdings nicht genau sagen, wie die Zukunft aussehe, dazu gebe es zu viele unsichere Faktoren, zum Beispiel auch welche Entscheidungen auf politischer Ebene getroffen werden.

Davon abgesehen: Die Abgangswelle stellt die Armee auch vor ganz praktische Probleme. Falls überhaupt genug Rekruten gefunden würden, dann müssten alle noch angelernt werden. Die fehlende Erfahrung macht es sicher nicht einfacher – und kostet Zeit und Geld. Davon hat die belgische Armee weder das eine noch das andere.

rtbf/vrt/vk

Kommentar hinterlassen
3 Kommentare
  1. Marcel scholzen Eimerscheid

    Da sieht man die Nachteile einer Berufsarmee. Solch eine Armee ist teurer als eine Armee aus Wehrpflichtigen. Dann sollte man die Gunst der Stunde nutzen und wie in Schweden den Militaerdienst wieder einfuehren.

  2. Norbert Schleck

    Was Herr Scholzen nicht erwähnt:

    „Zur Wiedereinführung der Wehrpflicht in Schweden“ (Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages)
    „Die schwedische Regierung hat entschieden, dass in den Jahren 2018-2019 jeweils 4.000 Rekruten und Rekrutinnen ausgebildet werden sollen. Im Jahr 1999 wurden insge-samt 94.000 Personen geboren, die den Fragebogen zur Besetzung dieser 4.000 Stellen beantworteten. Von diesen 94.000 Personen werden 6.000 Personen zur persönlichen Überprüfung eingeladen. Von diesen 6.000 Personen sind 4.500 Männer und 1.500 Frauen. Von diesen werden für das Rekrutierungsjahr 2018 insgesamt etwa 4.000 Personen zur Ausbildung ausgewählt und zum Militärdienst einberufen, d.h. ungefähr vier Prozent der relevanten Altersgruppe.“

    4000 von 94000, die letztendlich „dienen“ müssen. 4% der relevanten Altersgruppe!
    So sieht also die „allgemeine Wehrpflicht“ aus.
    4500 Männer gegen 1500 Frauen? Wo bleibt da die Gleichbehandlung?

    Die Kosten? Angeblich die gleichen.

    Außerdem: Kampfjets und moderne Waffensysteme können Wehrpflichtigen nicht anvertraut werden. Die taugen nur, etwas überspitzt, zum Putzen der Kasernenflure, zu Drillkloppen und „corvée patates“.

  3. Anja Wotschke

    Wen wundert es ? Ohne Abitur und co werden die meisten im voraus schon ausgemustert und auch die welche auf so genannte „Fòrderschulen“ gewesen sind M,e nach war die Abschaffung der Wehrpflicht der größte Fehler den die machen konnten aber heute jammern ……das auf „Geburtsschwache“ Jahre zu schieben ist schwachsinnig…..besonders heute, der finanzielle Anreiz fehlt da man als Fabrikarbeiter im Grunde genommenen mehr verdient und die lebensunterhaltskosren doch massiv an steigen sind ..mit den paar Kröten Co Militär mit Sicherheit nicht zu stemmen.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150