Nato-Bericht: Tatsächlich Atombomben in Kleine Brogel

Es gilt als ein offenes Geheimnis, und doch schweigen sich die Verantwortlichen darüber aus. Es geht um die "ewige" Frage, ob in der Nato-Airbase im limburgischen Kleine Brogel nun Atomwaffen lagern oder nicht. Jetzt gibt es zum ersten Mal eine offizielle Bestätigung. Die grünen Parteien Ecolo und Groen sind auf einen Nato-Bericht gestoßen, in dem Kleine Brogel ausdrücklich als Kernwaffen-Standort genannt wird.

Kleine Brogel (Bild: Yorick Jansens/Belga)

Die Nato-Airbase in Kleine Brogel (Bild: Yorick Jansens/Belga)

„Das bestgehütete offene Geheimnis des Landes ist zu einer öffentlichen Wahrheit geworden“. Der Ecolo-Parlamentarier Samuel Cogolati ist zusammen mit anderen Grünen-Politikern auf ein bemerkenswertes Dokument gestoßen. Es handelt sich um einen Bericht, der als Arbeitsgrundlage gedient hat bei der Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato Ende Mai in Bratislava. Dieser Bericht sei öffentlich. Und da stehe zunächst einmal schwarz auf weiß, dass im Nato-Stützpunkt Kleine Brogel amerikanische Atombomben vom Typ B61 lagern.

Und genau das ist besagtes „bestgehütetes offene Geheimnis des Landes“. Denn, in der Tat: Dass in Kleine Brogel Atomsprengköpfe liegen, das weiß eigentlich jeder. Nur: Bestätigen will es niemand. „Militärgeheimnis“. Von den belgischen Behörden und auch von der Nato heißt es da immer nur lapidar: „Kein Kommentar“. Einzig der frühere Verteidigungsminister Pieter De Crem hatte vor einigen Jahren mal mehr oder weniger deutlich eingeräumt, dass in Belgien Kernwaffen lagern.

In besagtem Bericht kann man jetzt aber lesen: „Die USA verfügen im Rahmen des Nato-Kontextes über 150 Kernwaffen vom Typ B61. Und diese Bomben sind gelagert in sechs Stützpunkten in Europa“. Auf dieser Liste stehen – neben einem niederländischen, einem türkischen und zwei italienischen Standorten – der deutsche Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz und die belgische Airbase Kleine Brogel in der Provinz Limburg.

„Jetzt ist es also sozusagen amtlich“, sagen also sinngemäß Vertreter der flämischen und der frankophonen Grünen. Und dann sollte man in diesem Land auch endlich mal offen über das Thema debattieren. Fangen wir mal bei der wichtigsten Frage an, sagte der Groen-Abgeordnete Wouter De Vriendt in der VRT: „Wollen wir wirklich Massenvernichtungswaffen auf belgischem Boden?“. Atombomben, die außerdem noch eingesetzt werden können von einem Präsidenten wie Donald Trump? Jetzt sei wirklich der Moment gekommen, um diese Debatte zu führen und diese Kernwaffen dann auch abzuziehen.

Dies, zumal in dem Bericht noch eine weitere, interessante Info steht. Wie Samuel Cogolati in der RTBF erklärte, sollen die Atombomben, die in Europa lagern, in den nächsten Jahren modernisiert werden. Und hier werde auch ein Zusammenhang deutlich mit den F-35-Kampfflugzeugen, die diese neuen Bomben nämlich tragen können.

Heißt im Klartext: Dass Belgien sich im Hinblick auf den Ankauf neuer Kampfflugzeuge für die amerikanische F-35 entschieden hat, das mag auch mit dem Atomarsenal zusammenhängen, das in Kleine Brogel stationiert ist.

Nur: Sagen darf man das nicht. Und mit dieser Geheimniskrämerei müsse jetzt endlich Schluss sein, sagen Ecolo und Groen. Noch am Dienstag werde man einen Gesetzesvorschlag in der Kammer einreichen, der die Stationierung von Atomwaffen auf belgischen Boden verbieten soll. Und man werde auch versuchen, den amtierenden Verteidigungsminister Didier Reynders im zuständigen Ausschuss zu dieser Problematik zu befragen.

Jetzt sei jedenfalls der Moment, sich diese Fragen zu stellen. Denn es sei wohl die nächste Regierung, die sich über die Modernisierung der Atombomben aussprechen müsse, und entsprechend auch die Möglichkeit habe, entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen. Schon vor Jahren hätten sich belgische Politiker wie Guy Verhofstadt oder Louis Michel für eine nukleare Entwaffnung ausgesprochen, sagt Samuel Cogolati. Nun: Jetzt ist die Zeit reif.

Roger Pint

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Ein Kommentar
  1. Alfons van Compernolle

    Ein Geheimnis kann nur das sein, von dem bis Dato noch niemald etwas gehoert bzw. gewusst hat. Von den „A-Waffen“ in Brogel und so einigen anderen Orten in der EU, habe ich schon vor 25 Jahren gehoert.
    Infolge kann diese Pressemeldung keine Offenbarng eines Geheimnisses sein, sondern nur die Bestaettigung einer alten und schon lange bekannten Realitaet.

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