Die Kippen von Tamines: Illegale Zigarettenfabrik

Die Zollbehörden haben einen doch beeindruckenden Fang gemacht. In Tamines in der Provinz Namür haben Ermittler bei einer Hausdurchsuchung eine illegale Zigarettenmanufaktur ausgehoben. Allein die Mengen an beschlagnahmten Waren ist imposant: Den Fahndern fielen unter anderem 25 Millionen gefälschte Zigaretten und zehn Tonnen Tabak in die Hände. Nur ein Hinweis darauf, dass die Fabrik von einem international operierenden Netzwerk betrieben wurde.

Zigarettenschachtel

Bild: Pixabay

Einige Zollfahnder dürften ihren Augen nicht getraut haben. Sie hatten mehrere Lagerhallen durchsucht in Tamines, zwischen Namür und Charleroi. Und dabei haben sie eine doch beeindruckende illegale Zigarettenmanufaktur entdeckt.

Vorangegangen waren achtmonatige Ermittlungen. „Wir wussten deshalb, dass wir etwas finden würden“, sagte ein Beamter in der RTBF. „Dass wir aber gleich einen solchen Fund machen. 25 Millionen Zigaretten, zehn Tonnen Tabak, dazu die Maschinen, also das ist schon eine angenehme Überraschung“.

25 Millionen Zigaretten, verpackt in Schachteln, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen. Es handelt sich um Marken, die vor allem in Großbritannien populär sind. Aber es sind eben waschechte Fälschungen.

Es ist eine richtige kleine Fabrik, die die Ermittler da ausgehoben haben. Professionelle Maschinen, wie sie in „normalen“ Zigarettenfabriken auch verwendet werden – eine komplette Produktionslinie. Bei jedem Produktionsschritt ist man darauf bedacht, dem Original so nah wie möglich zu kommen.

Absolute Vollprofis, sagt der Zollfahnder. Ziel ist eben, dass man keinen Unterschied mit dem echten Produkt erkennen kann.

Aber nicht nur die Produktionsmittel sind bemerkenswert. Das Netzwerk scheint perfekt organisiert zu sein. Die Fabrik war quasi durch und durch autark, quasi vollkommen isoliert von der Außenwelt. Die Leute, die dort gearbeitet haben, die lebten auch in dem Gebäude.

Die Ermittler stießen auf eine Küche, Schlafstätten und einige Duschen, sogar einen Fitnessbereich gab es, mit Trainingsgeräten.

„Alles war gemacht dafür, dass die Arbeiter möglichst viele Zigaretten herstellen konnten“, sagte Florence Angelici, Sprecherin des Föderalen Finanzministeriums.

Das alles lasse nur einen Schluss zu, sagt Florence Angelici: Wir haben es hier mit einem perfekt organisierten, international operierenden Netzwerk zu tun. Die Organisation dürfte wohl mehrere dieser illegalen Manufakturen betreiben.

Viele ihrer Mitglieder dürften sich nicht einmal untereinander kennen. Klingt wirklich nach einer hoch konspirativen Geschichte. Später wurde sogar in der Nähe so etwas wie eine Druckerei gefunden, wo die Aufdrucke für die gefälschten Zigarettenschachteln hergestellt wurden.

Da gibt es nur ein Problem: Die meisten der Vögel waren bei der Ankunft der Fahnder ausgeflogen. Anscheinend konnte bislang nur ein Verdächtiger festgenommen werden. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass mindestens 15 Personen insgesamt dort gearbeitet haben. Nach ihnen wird unter Hochdruck gesucht.

Man arbeite inzwischen auch mit Europol zusammen, sagte Francis Adyns, Sprecher des Föderalen Finanzministeriums. Hier gehe es nämlich um viel Geld, ruft der Sprecher in Erinnerung.

Insgesamt, so schätzt man, wurde der Staat um Akziseneinkünfte in Höhe von rund 7 Millionen Euro betrogen. Auf die illegale Herstellung von Zigaretten stehen zudem drastische Geldbußen: bis zu 60 Millionen Euro für den Akzisenschwindel und dann nochmal bis zu 4 Millionen Euro wegen Mehrwertsteuerbetrugs.

Eins ist sicher: Die Täter haben sich mit dieser Fabrik, salopp gesagt, „dumm und dämlich“ verdient. Die Behörden schätzen den Umsatz der Organisation mit den gefälschten Zigaretten auf 2 Millionen Euro pro Woche.

Roger Pint

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