Der gemeine Waschbär – Als „invasiv“ zum Abschuss freigegeben

Spitze Öhrchen, ein flauschiges Fell, um die Augen ein schwarzer Kranz, der ein bisschen wie eine Zorro-Maske aussieht: Die Rede ist von Waschbären. Die putzigen Tierchen sind eigentlich in Amerika heimisch, sind aber längst auch in Europa auf dem Vormarsch. Waschbären können aber zu einer regelrechten Plage werden, es handelt sich um eine "invasive, exotische" Tierart. Deshalb sind Waschbären jetzt europaweit im wahrsten Sinne des Wortes "zum Abschuss freigegeben".

Waschbären

Bild: Pixabay

Es gab Zeiten, da kannte man Waschbären in Europa nur aus dem Zoo. Waschbären sind eigentlich nur in Amerika heimisch. Dort wurden sie wegen ihres Fells gejagt. Genau deswegen kamen auch die ersten Tiere nach Europa. Erst in Pelzfarmen, dann aber auch in die Natur.

Und inzwischen macht sich der Waschbär regelrecht breit. In Deutschland gibt es längst Hunderttausende von Tieren. In der Wallonie sind Waschbären auch schon keine Seltenheit mehr. Und jetzt haben sie auch Flandern erreicht. „Ja, wir sehen und fangen auch immer mehr Waschbären“, bestätigt Sil Janssen vom Naturzentrum Opglabbeek in der Provinz Limburg. Der Waschbär sei definitiv in Belgien angekommen.

„Toll!“, mag sich da wohl der eine oder andere sagen, sind Waschbären doch wirklich schöne Tiere. „Doch geht man ihm damit buchstäblich auf den Leim“, sagte Vinciane Schockert, Biologin an der Uni Lüttich, in der RTBF. „Denn es ist so: Vielleicht versucht man am Anfang noch, eine gewisse Nähe zu dem Tier aufzubauen, indem man es etwa füttert. Und tatsächlich: Es gibt Waschbären, die einem sogar buchstäblich aus der Hand fressen. Das, zusammen mit seinem bezaubernden Aussehen, also da wird wohl jeder weich. Allerdings: Irgendwann bringt der Waschbär seine ganze Bagage mit. Und dann wird der Garten in kürzester Zeit von 20 Waschbären bevölkert.“

Der Waschbär ist, man könnte sagen, eine raffinierte Mogelpackung auf vier Pfoten. Denn: Hat er es sich einmal gemütlich gemacht, dann zeigt er sein wahres Gesicht. Waschbären plündern alles, was auch nur von Weitem nach Fressen aussieht. Vom Hausmüll bis zum Vogelnest. „Und irgendwann sind auch die Fische im Gartenteich dran“, warnt die Biologin Vinciane Schockert. Oder die Hühner. Und dann wird der ehemals willkommene, scheinbar schnuckelige Gast plötzlich zur Plage, dann können sie irgendwann das Wort „Waschbär“ nicht mehr hören.

Waschbären können nicht nur den Garten auf den Kopf stellen, größere Populationen bringen sogar ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Um es mal so auszudrücken: Weil der Waschbär in Europa ursprünglich nicht heimisch war und er hierzulande auch keine natürlichen Feinde hat, ist die Natur nicht auf ihn eingestellt. Davor warnt auch Sil Janssen vom Naturparkzentrum Opglabbeek in der VRT: „Waschbären fressen die Eier von Singvögeln, auch Eichhörnchen stehen auf dem Speiseplan. Und sie können sogar Häuser beschädigen.“

Eigentlich wollen wir Waschbären also bei uns lieber nicht sehen, sagt Janssen. Der Waschbär hingegen fühlt sich bei uns pudelwohl. „Invasiv“ nennt man solche Tiere – und im Übrigen auch Pflanzen. Zum Schutz der Ökosysteme und der Artenvielfalt bleiben da am Ende nur drastische Mittel. Auf dem Gebiet der Europäischen Union gibt es da eine regelrechte „schwarze Liste“ von Arten, die es möglichst auszurotten gilt.

Und auf dieser Liste ist jetzt auch der Waschbär gelandet. Nur: „Das ist eine Milchmädchenrechnung“, sagt Sil Janssen. Es ist so: Jäger mögen sagen: Wenn ich zehn Waschbären sehe und zwei davon abknalle, dann bleiben noch acht. Rein arithmetisch stimmt das. Nur sagen sich die acht verbleibenden Tiere: ‚Oh, da sind ja zwei Plätze frei geworden. Die sollten schnell unsere Nachkommen einnehmen.“ Und dann pflanzen sich die Tiere noch schneller fort.

Das folgt dem Gesetz, das auch der Gartenfreund kennt: „Zurückschneiden bedeutet Blühen“. Nicht nur tierfreundlicher, sondern auch effizienter wäre es, die Tiere zu fangen und in eine spezialisierte Einrichtung zu bringen. Aber, im Grunde weiß jeder: Den gemeinen Waschbären, den werden wir wohl nicht mehr los.

Roger Pint

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3 Kommentare
  1. Evers Christine

    Ja das kenne ich auch wir haben seid 3 Wochen einen Waschbären unter unseren Dach wir wissen nicht wie wir den wieder loswerden haben alles schon probiert.Kann uns einer einen Tipp geben.

  2. Andi Rothe

    Ist das noch gesunder Menschenverstand?eher nicht! diese Tiere sind wahnsinnig intelligent, und sämtliche Gerüchte auch um Verbreitung sind (auch schon von sämtlichen Biologen Bestätigt) falsch und nicht haltbar zudem hat man bei anderen Arten mit Abschuss auch kein Erfolg gehabt!! Einfach nur widerlich!und einfach nur von der Wand zur tabete gedacht aber kein Stück weiter.

  3. Mona Barce

    Das Haus Waschbär sicher machen, Manschetten an die Regenrohre, Bäume zurück schneiden, Mülltonnen schließen, kein Katzenfutter außen stehen lassen Reishess Obst ernten. Dann kommt kein Waschbär. Bei uns gibt es auch einige wilde. Wir mögen sie und stellen Futter raus und die haben noch nie etwas kaputt gemacht. Ein satter Bär, sucht nicht alles ab und das bisschen Futter ist uns die Freude wert, ihnen zuzusehen. Nie hat einer uns oder unsere Haustiere angegriffen oder besucht es ins Haus zu kommen, alles Märchen.

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