Hatte der Christchurch-Attentäter Verbindungen nach Europa?

Nach dem Attentat in der neuseeländischen Stadt Christchurch verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Täter auch Verbindungen nach Europa hatte. In Österreich wurde die Wohnung eines bekannten Rechtsextremisten durchsucht, nämlich des Sprechers der "Identitären Bewegung". Und der wiederum ist auch mit Rechtsradikalen in Belgien vernetzt, wie die Zeitung De Morgen berichtet.

Blumenmeer vor der Moschee im neuseeländischen Christchurch (Bild: David Lintott/AFP)

Blumenmeer vor der Moschee im neuseeländischen Christchurch (Bild: David Lintott/AFP)

In Österreich war die Meldung wie eine Bombe eingeschlagen. Am Montag haben Ermittler die Wohnung von Martin Sellner durchsucht. Der 30-Jährige ist kein Unbekannter. Sellner ist der Sprecher der „Identitären Bewegung“, kurz IBÖ. Diese „Identitären“ machen seit Jahren von sich reden, etwa durch aufsehenerregende Protestaktionen gegen die derzeitige Migrationspolitik. Die Bewegung wird als rechtsextrem eingestuft.

Der Anlass der Hausdurchsuchung, den später ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz in der ORF darlegte, war aber dann doch spektakulär: mutmaßliche Verbindungen zwischen Martin Sellner und dem Attentäter von Christchurch. Da ist man dann doch in einer neuen Dimension angelangt.

Am 15. März hatte ein Rechtsextremist in Christchurch bei einem Anschlag auf zwei Moscheen 50 Menschen getötet. Laut ersten Erkenntnissen soll sich der 29-Jährige im Wesentlichen in Sozialen Netzwerken radikalisiert haben. Und dieser verblendete Massenmörder soll also Verbindungen nach Europa gehabt haben?

Im Zusammenhang mit dem österreichischen „Identitären“ Martin Sellner waren diese Verbindungen sehr konkret: Nach offiziellen Angaben soll der Attentäter von Christchurch eine Spende im Gegenwert von 1.500 Euro an die IBÖ geleistet haben. Wann genau das war, muss noch geklärt werden. Sellner räumt die Existenz dieser Spende ein. Er habe sogar – wie er das bei allen Spenden mache – ein persönliches Dankesschreiben an den großzügigen Gönner geschickt.

Hinzu kommt: Der Attentäter von Christchurch hat Ende letzten Jahres eine Rundreise durch Europa gemacht. Dabei war er auch in Österreich. Ob er dabei auch Martin Sellner getroffen hat, weiß man nicht. In jedem Fall würde auch das nicht ihn oder seine Bewegung automatisch zum Komplizen machen, sagte Sellner im ORF.

Dennoch: Allein die Tatsache, dass ein offensichtlich rechtsradikaler Attentäter vor nicht allzu langer Zeit noch direkten Kontakt zu den österreichischen Identitären gehabt hat, stellt die Bewegung doch in ein zweifelhaftes Licht. Zumal die Ideenwelten dieselben seien, sagte auch Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands im ORF.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz jedenfalls sieht auch Handlungsbedarf. Er spricht von „Netzwerken“, denn diese identitären Bewegungen gibt es so ein bisschen überall. Und diese Leute teilen nicht nur dieselben Ideen, unter anderem die von den einem möglichst weißen europäischen Kontinent, diese Leute kennen sich.

Der österreichische Identitäre Martin Sellner hat auch in Belgien in gewissen Kreisen quasi Kultstatus. Wie die Zeitung De Morgen berichtet, hat die Jugendorganisation des rechtsextremen Vlaams Belang noch im vergangenen Sommer eine Delegation nach Österreich geschickt, um Sellner und 16 weitere Rechtsextremisten zu unterstützen. Die hatten sich vor Gericht wegen Volksverhetzung und der mutmaßlichen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor einem Gericht verantworten müssen, wurden später aber freigesprochen.

Doch gibt es demnach wohl auch einen Link zu Dries Van Langenhove, dem Chef der rechtsradikalen Vereinigung Schild & Vrienden, der jetzt auch für den Vlaams Belang kandidiert. Van Langenhove und Sellner kennen sich. Sie sind sich auf einem Treffen von Identitären in Südfrankreich begegnet. Schild & Vrienden war ja von einem VRT-Magazin als rechtsradikal entlarvt worden, nachdem ein Journalist Einblicke in ein geheimes Internetforum bekommen hatte, in dem zutiefst rassistische Bilder und faschistisches Gedankengut geteilt wurde.

Die Spende des Attentäters an die IBÖ beweise gar nichts, wird Van Langenhove von der Zeitung zitiert. Und es sei auch nicht verwunderlich, dass ein Attentäter, der mit der Einwanderung nicht einverstanden ist, im Internet Gruppen folge, die sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigen.

Eine Verbindung ist kein Beweis für eine Mitschuld, schreibt auch der Leitartikler von De Morgen. Dennoch gebe es offensichtlich Überschneidungen zwischen Gruppen, die der Neuen Rechten zugeordnet werden, und aktivem Terrorismus. Und deswegen, so De Morgen, sollten die Sicherheitsdienste wachsam sein und ein Auge auf diese Gruppen werfen – jedenfalls mehr als bisher.

Roger Pint

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